WILCO: Zwischen Genius und Tinnitus

von | 02.07.2004

„A ghost is born“, Nonesuch Records, 2004.

„Less than you think“ heißt einer der Songs auf der neuen Wilco CD A ghost is born, und am Ende des Tracks ist ein zehnminütiges Fiepen zu hören. Ein Kunde auf Amazon erklärte, dass sich bei näherem Hinhören tatsächlich wahre Schönheit aus dem Geräusch entwickele. Etwas Reines, Ursprüngliches, so makellos wie das ganz in weiß gehaltene Plattencover. Maik Brüggemayer schwärmte im Rolling Stone diese Songs seien unbewohnte Räume, die man erst noch einrichten müsste. Auf das großartige Album „Yankee Foxtrott Hotel“ aus dem Jahre 2002 lässt Wilcos Mastermind Jeff Tweedy mit A ghost is born ein fahriges, schemenhaftes Opus mit Experimental-Musik folgen, auf dem nur vereinzelte Titel wirklich überzeugen können. Von Krautrock bis Pop à la „Summerteeth“ ist alles vertreten, dazwischen manchmal minutenlange Soli und ulkige Geräusche. Radiohead gingen nach „Ok Computer“ bekanntlich einen ähnlichen Weg, aber die hatten wenigstens noch ordentliche Songs. Jeff Tweedy dagegen tastet mit seinen Mannen in leeren Räumen verzweifelt nach einer brauchbaren Melodie.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Willis Tipps: Juni 2026

Mali-Pop Fatoumata Diawara wurde in der Elfenbeinküste geboren und früh von ihren malischen Eltern zu einer Tante nach Bamako, Mali geschickt. Bei dieser wuchs sie auf, bis sie mit 18 nach Paris auswanderte, um sich zur Schauspielerin ausbilden zu lassen. Ihre Filmkarriere startete dementsprechend früher als ihre Musikkarriere: Seit 1996...

KULTURTIPP

Expotipp: Et leeft

Die Periode im Porträt: Die Ausstellung „Et leeft“ im Lëtzebuerg City Museum widmet sich mit der Menstruation einem Thema, mit dem wohl jede*r direkt oder indirekt im Laufe seines*ihres Lebens in Berührung kommt. Gewitzt, lehrreich und differenziert ist diese Schau, die über die Geschichte der Menstruationsartikel und biologische Abläufe...

KULTURTIPP

Spieletipp: Blue Prince

Protagonist Simon kann das Erbe einer großen Villa erst dann antreten, wenn er den geheimen Raum Nummer 46 findet. Erschwert wird das dadurch, dass sich der Grundriss des Hauses jeden Tag ändert. Als Spieler*in kann man an jeder Tür aus drei Räumen einen auswählen, sodass bei jedem neuen Versuch ein komplett anderes Haus entsteht, das andere...

KULTURTIPP

Buchtipp: Anstalten

In „Anstalten“, Timo Brandts Nachfolgeroman zu „Oder die Löwengrube“ (woxx 1838), muss die Protagonistin Lynn wieder hinabsteigen: diesmal nicht ins sinnbildliche Tiefland ihrer endenden Beziehung, sondern in eine psychiatrische Einrichtung, die in einem Tal äußerst skurrile Zeitgenoss*innen beherbergt. Im Gespräch mit diesen entfaltet sich...