WILCO: Zwischen Genius und Tinnitus

von | 02.07.2004

„A ghost is born“, Nonesuch Records, 2004.

„Less than you think“ heißt einer der Songs auf der neuen Wilco CD A ghost is born, und am Ende des Tracks ist ein zehnminütiges Fiepen zu hören. Ein Kunde auf Amazon erklärte, dass sich bei näherem Hinhören tatsächlich wahre Schönheit aus dem Geräusch entwickele. Etwas Reines, Ursprüngliches, so makellos wie das ganz in weiß gehaltene Plattencover. Maik Brüggemayer schwärmte im Rolling Stone diese Songs seien unbewohnte Räume, die man erst noch einrichten müsste. Auf das großartige Album „Yankee Foxtrott Hotel“ aus dem Jahre 2002 lässt Wilcos Mastermind Jeff Tweedy mit A ghost is born ein fahriges, schemenhaftes Opus mit Experimental-Musik folgen, auf dem nur vereinzelte Titel wirklich überzeugen können. Von Krautrock bis Pop à la „Summerteeth“ ist alles vertreten, dazwischen manchmal minutenlange Soli und ulkige Geräusche. Radiohead gingen nach „Ok Computer“ bekanntlich einen ähnlichen Weg, aber die hatten wenigstens noch ordentliche Songs. Jeff Tweedy dagegen tastet mit seinen Mannen in leeren Räumen verzweifelt nach einer brauchbaren Melodie.

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