Buchtipp: Anstalten

von | 22.05.2026

(© Edition Keiper)

In „Anstalten“, Timo Brandts Nachfolgeroman zu „Oder die Löwengrube“ (woxx 1838), muss die Protagonistin Lynn wieder hinabsteigen: diesmal nicht ins sinnbildliche Tiefland ihrer endenden Beziehung, sondern in eine psychiatrische Einrichtung, die in einem Tal äußerst skurrile Zeitgenoss*innen beherbergt. Im Gespräch mit diesen entfaltet sich ein Gewirr aus diskursiven Gängen, aus verspiegelten Sackgassen oder Passagen, die eine Selbstbetrachtung unumgänglich machen – doch Obacht: Wie vertrauenswürdig kann schon das Abbild sein, das einem aus einem Vexierspiegel entgegenblickt? Brandts labyrinthisches Erzählen wird selbst zu einem Spiegel des Erzählten, in dessen Zentrum die Suche nach einem guten Ausgang, nach Ordnung und Festigkeit steht. Szenen führen scheinbar nirgendwohin, Erzählungen reißen ab, verheißungsvolle Begegnungen bleiben ohne Weiterführung, gleichzeitig öffnen sich anderweitig unverhofft Türen. So macht die Geschichte immer wieder ,Anstalten‘ die Lesenden in eine bestimmte Richtung zu führen – nur um sie prompt irgendwo anders wieder auszusetzen. Geduld muss man beim Lesen nicht zuletzt auch deswegen aufbringen, weil die schrillen Persönlichkeiten einiger Figuren streckenweise die Nerven beanspruchen – das sollte einen jedoch nicht davon abhalten, sich in den Irrgarten dieser außergewöhnlichen Erzählung hineinzuwagen. „Anstalten“ ist ein cleveres, aberwitziges und im besten Sinne störrisches Buch.

Timo Brandt: Anstalten, Roman, Edition Keiper, Graz 2026, 232 Seiten.

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