POP: Neoangin

von | 03.02.2006

Nein, bei Neoangin handelt es sich nicht um Halsschmerztabletten, sondern um eine besondere Spielart des Elektropop, die von der kreativen Ein-Mann-Formation Jim Avignon lange Zeit nur über seine Website veröffentlicht wurde oder auf seinen Konzerten aus dem Koffer heraus zu erstehen war. Jim Avignon ist ein Globalplayer des Underground, immer unterwegs zwischen New York, Barcelona oder seinem Berlin-Stützpunkt – wobei er eher der Sehnsucht nach Abenteuer verpflichtet ist, als dem Wunsch nach Karriere. Seit 1997 hat er 5 CD`s unter dem Namen Neoangin veröffentlicht, für sein viertes Werk „A Friendly Dog in an Unfriendly World“ hat er sich ein eigenes Label mit Vertrieb gegönnt. Die Musik ist ein verwegener Cocktail aus diversen elektronischen Elementen: Sampler, Keyboard und Beatbox mischen smarte Sixtiesharmonien, obskure New-Wave Arrangements mit krachigen Einlagen oder lustigen Hip-Hop-Beats zusammen. Seine Songs sind kurze anekdotische Schnipsel in bestem Holper-Englisch und erzählen kleine Begebenheiten der Alltäglichkeit, in denen sich labile Fröhlichkeit und getragene Verzweiflung abwechseln. Auch bei den Instrumentaltracks von „Unhappy House“ praktiziert er auf liebevolle und durchgeknallte Art die Umsetzung seiner persönlichen Gesellschaftskritik. Avignon bezeichnet seine Werke als neo-existentialistische Short-Stories mit einer Prise Humor. Neben seiner Musik produziert er im Fließbandtempo Bilder, meistens aus einer Comicwelt in schrillen Farben, die er zu Dumpingpreisen dem Volk vermacht.

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