MARIA-THERESIA: Theresiade

Wer auf Barockschinken steht, wird derzeit im Landesmuseum reichlich bedient: Das Zeitalter Maria Theresias: Meisterwerke des Barock stellt in Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen eine Sammlung österreichischer Werke aus der Zeit der Kaiserin aus. Aus Luxemburger Sicht ist die Ausstellung eine verpasste Gelegenheit: Nicht nur, dass dem eingekauften Ausstellungskonzept nur wenige hiesige Werke der Zeit hinzugefügt wurden, auch die rein künstlerische Herangehensweise an die mollige Dame und ihr Umfeld erscheint uninteressant im Vergleich zu einer historisch-politischen Auseinandersetzung mit einer der Protagonistinnen des 18. Jahrhunderts. Auch die Rolle der Kaiserin für Luxemburg ist immer noch nicht geklärt: Geschichtsschreiber Arthur Herchen etwa legte den Akzent auf die großen Reformen im juristischen Apparat, im Finanzwesen und in der Bildungs- und Landwirtschaftspolitik, die Maria Theresia in Luxemburg durchzog, und schrieb von der Popularität der Kaiserin, die doch nie einen Fuß in ihre Grafschaft setzte. Dagegen meint Gilbert Trausch: „Marie-Thérèse (1740-1780), que l’historiographie luxembourgeoise des années 1850-1950 exalte comme mère de la patrie, s’est en réalité efforcée de mettre au pas la représentation du pays, les Etats. Elle leur dénie le droit de consentir l’impôt et […] restreint sévèrement leur rayon d’action.“

Befremdend wirkt in der Ausstellung aber nicht nur die Reduzierung auf eine künstlerische Darstellung von Maria Theresiens Wirken, sondern auch die kommentarlose Darstellung verschiedener Werke: So heißt etwa eines der Exponate aus Franz Xaver Messerschmidts Skulpturensammlung „Charakterköpfe“: „Der erboste und rachgierige Zigeuner“. Derweil bemüht sich das Geschichtsmuseum nebenan mit der demnächst eröffnenden Ausstellung „Attention Tsiganes: histoire d’un malentendu“, gerade solche Vorurteile gegenüber dem fahrenden Volk abzubauen.

Im Musée national d’histoire et d’art, bis zum 11. Februar.


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