KUNST: We Fade to Grey

Auf die Suche nach Interaktion begeben sich drei junge belgische Künstler, die zurzeit in der Galerie Nosbaum & Reding ausstellen.

Wenn man auf das großformatige Ölgemälde schaut, das nur das Datum „24.04.2007“ als Titel trägt, sieht man außer schwarz-weißen Pinselstrichen, die sich beliebig über die Leinwand verteilen, erst einmal gar nichts. Schon gar nicht, dass hier jemand am Werk war, der es eigentlich ganz genau nimmt – sogar penibel genau. Denn die abstrakt wirkenden Gemälde von Steven Baelen sind vergrößerte Bildausschnitte. Doch Baelen vergrößert nicht nur winzige Ausschnitte aus Zeichnungen, die er zuvor in seinen Skizzenbücher angefertigt hat, sondern übernimmt auch alle zufälligen Spuren, die die Zeit auf dem Papier hinterlassen hat: Vergilbte oder verwischte Stellen. Nicht nur bei Baelen spielen grafische Elemente eine wichtige Rolle. Auch bei Manor Grunewald. Beide sind Künstler der Ausstellung, die zurzeit noch in der Galerie Nosbaum und Reding zu sehen ist. Insgesamt werden hier drei Künstler ausgestellt, die letztlich jeweils eine ganz eigene Herangehensweise haben. Es verbindet sie einzig, dass sie unter dreißig Jahre alt sind und aus Belgien stammen.

Bei dem schon genannten Manor Grunewald spielt das Grafische insofern eine Rolle als er sich unterschiedlicher Texturen – der Maserung von Holz oder einer Mauer aus Ziegeln – bedient und sie als einzelne Formfelder so arrangiert und gegeneinander setzt, dass figürliche Bilder entstehen. Mit Hilfe dieser Technik – abstrakte Felder zu konkreten Bildern zusammenzuschieben – will Grunewald auch die Möglichkeit von Kommunikation an sich untersuchen. So zeigen viele seiner Bilder – darunter vor allem die kleinformatigen Kollagen – menschliche Figuren, die scheinbar isoliert und ausdruckslos sind: Aus ihren Mündern und Augen quellen grafische Formfelder. Kein Wunder also, wenn seine Arbeiten Titel tragen wie „We Fade to Grey“ oder „To Much of It All“.

Um Kommunikation und vor allem um Interaktion geht es auch bei dem belgischen Künstler Vadim Vosters. Betritt man den abgedunkelten Raum, der seiner Arbeit vorbehalten ist, so befindet sich ein großformatiges Ölgemälde an einer Wand, das einen Waschsalon darstellt. Dem Gemälde steht eine Reihe von Diaprojektoren gegenüber, die in der Mitte des Raumes aufgebaut sind. Diese projizieren zum Teil zusätzliche Details auf das Gemälde oder tauchen es mittels unterschiedlicher Farbfilter in ein spezielles Licht. An der Rückwand des Raumes – also hinter den Projektoren – hat Vosters einen Spiegel installiert sowie fünf dunkle mit schwarzem Pigment übergossene Porträts aufgehängt. Bei Vosters ist es das Licht, das zur Kommunikationsquelle wird, das die einzelnen Bildelemente miteinander in Verbindung setzt und durch die Beleuchtung den Betrachter in seiner Wahrnehmung beeinflusst.

Wenn auch zum Teil noch recht konzeptuell, lohnt eine Stippvisite trotzdem.

Zu sehen bis zum 3. Januar 2009 in der Galerie Nosbaum & Reding.


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