KUNST: Villa Kunterbunt

Häuser aus Filz und Kellerverliese aus Marshmallows. Die Arbeiten von Laure Tixier sind nett anzusehen – aber das war’s dann schon.

Utopistische Stadt- und kollektive Wohnentwürfe auf naive Art neu zu interpretieren ist die Thematik der jungen französischen Künstlerin Laure Tixier, die zurzeit im Mudam ausstellt. Gleich in der Eingangshalle befinden sich ihre „Plaid Houses“, mannshohe aus dickem bunten Filz zusammen genähte Häuser, deren Formen diversen kulturellen, geografischen und historischen Kontexten entlehnt sind. Von der traditionellen Burg über die mongolische Jurte bis hin zum futuristischen Raummodul erinnern die dreidimensionalen Anfertigungen an jene Häuser, die Kinder mit Hilfe von einfachen Decken bauen.

Aber auch Städtebauvisionen namhafter Figuren der Architektur- oder Kunstgeschichte werden von Tixier als Inspirationsquellen benutzt und verfremdet. So orientierte sie sich für ihre Aquarellzeichnungen „Dolci Carceri“ an den „imaginierten Gefängnissen“ des venezianischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi. Dieser hatte in seinen Radierungen vermeintliche Gefängnisse dargestellt, die sich durch eine unlogische Zusammensetzung von architektonischen Elementen wie Bögen, Pfeiler und Treppen auszeichnen. Die junge Künstlerin Laure Tixier hat die verschlungenen Kellerverliese Piranesis in Pastellfarbe nachgemalt, wobei das Gewölbe aus bunten Marshmallows und das Gebälk aus Lakritzstangen bestehen. In ihrer Bildserie „Schön île d’Utopie“ verfremdet Tixier bekannte Architekturvisionen wie die des Bauhaus` oder die „Stadt für drei Millionen Einwohner“ von le Corbusier, um sie als filigrane Stadtpläne für Hundebedürfnisse neu zu entwerfen. In einer weiteren Serie „Siphonophores“ orientiert sie sich an den Abbildungen „Kunstformen der Natur“ des deutschen Evolutionstheoretikers Ernst Haeckel. Die „Siphonophores“, eine Quallenart, die aus zahllosen Einzelwesen besteht, hat sie so dargestellt, dass sie wie eine kosmische Raumkapsel mit Andockstationen für Raumschiffe wirkt.

Auch wenn Tixier für ihre Verfremdungen sich gar an Lithografien von Tiefseequallen inspiriert, ist ihre Auseinandersetzung doch eher oberflächlich und man verlässt die Ausstellung ohne wirklich neue Einsichten.

Noch bis zum 20. April im Mudam.


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