GRAFIK: Am Anfang

Der Architekt Rodolphe Mertens probiert die Tabula rasa. Er stellt sich die Stadt Luxemburg ohne alles vor und inspiriert so zum Umdenken.

Was wäre – wenn nichts mehr wäre? Wie würde die Stadt Luxemburg aussehen ohne die Pont Adolphe, die Cité Judiciaire, die Abbaye de Neumünster und ohne die verglasten Bürokästen? Und wie wäre die Stadt ohne Verkehr – ja ohne Infrastruktur, Straßen, Häuser und Menschen? Was wäre, wenn nur noch der Bockfelsen übrig bliebe mit Gestrüpp, Gebüsch, Efeu und einem blauen Himmel? Dieses Phantasiebild der Stadt als Tabula rasa stellt der Architekt Rodolphe Mertens in einer Installation mit dem Titel „In & Out of the Box. Let’s Give it Another Thought“ in der „Fondation de l’Architecture“ zur Schau. Im verglasten schwarzen Vorraum, der so genannten Black Box, hat er einen großformatigen Druck mit seiner Vision der Stadt als unbebauter Fläche installiert. Beherrscht wird die Ansicht vom windungsreichen Tal der Alzette mit dem markanten Relief des Bockfelsens und einer üppigen Vegetation.

Angeregt zu seinem Projekt wurde Mertens durch den australischen Architekten Peter Stutchbury, der die Bedeutung der Landschaft für die architektonische Gestaltung von Städten besonders hervorgehoben hat. Eine Stadt wird eben nicht nur durch kulturelle, wirtschaftliche und soziale Einflüsse geprägt, sondern auch durch die vorgefundene Landschaft. Rodolphe Mertens will mit seiner Umsetzung auf die ursprüngliche Landschaftsgestalt verweisen, die gerade hier in Luxemburg-Stadt an die gebaute Architektur hohe Anforderungen – etwa beim Brückenbau – gestellt und sie andererseits in vielem eingeschränkt hat. Interessant zu sehen ist, wie die vorhandenen Gebäude der unterschiedlichsten Bauphasen Bezug genommen haben auf das „Genie des Ortes“. Und wie viel von der ursprünglichen Landschaft sich heute noch wahrnehmen lässt. Gerade dieser Blick für die Charaktereigenheiten der gegebenen Landschaft hat einmal eine andere Architektur möglich gemacht. Heute bleibt diese Verbindung in der Stadt-architektur allzu häufig unbeachtet.

Bis Ende Juni in der Black Box der Fondation de l’Architecture.


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