PRODUKTLABELS: Wie viele Labels braucht Luxemburg?

von | 14.09.2001

Eine Studie, die am heutigen Freitag veröffentlicht wird, zeigt: Luxemburger Qualitätssiegel für landwirtschaftliche Produkte lassen sich nicht so leicht vergleichen. Es lohnt sich, hinter die Etikette zu kucken. Landwirtschaftsminister Fernand Boden will am bisher eingeschlagenen Kurs festhalten.

„Für den Konsumenten ist es nicht immer einfach durchzublicken“, stellt Théid Faber, Präsident des Mouvement Ecologique, fest. Der Méco hatte deshalb vor gut sechs Wochen eine Studie in Auftrag gegeben, um eine „fachliche Bestandsaufnahme“ der hiesigen landwirtschaftlichen Produktlabels anzubieten: Jens Thös vom Büro für landwirtschaftliche Fachplanungen in Saarbrücken verglich 15 Produktlabels, unter denen zurzeit Fleisch, Butter, Weizen, Kartoffeln und andere Lebensmittel die Metzgertheke oder die Regale im Supermarkt füllen.

Nicht, wie Theid Faber betont, um das eine oder andere davon bei den KonsumentInnen in Verruf zu bringen. Die Studie soll lediglich über das aufklären, was es unter den wohlklingenden Namen wie „Véi vum Séi“, „Cactus-Fleesch“ oder „Letzebuerger Gromperen“ zu kaufen gibt. „Jedes Label hat seine eigenen Schwerpunkte“, stellt Thös klar.

In den Tabellen, die der Experte am Dienstag auf einer Meco-Pressekonferenz vorlegte, sucht man vergeblich nach einer abschließenden Note für die einzelnen Labels. Wer mehr über die zertifizierten Lebensmittel aus Luxemburg erfahren will, muss die Ergebnisse genauer studieren. Und vorher überlegen, auf was es ankommt: Zählt in erster Linie die Produktion, etwa die Art und Weise, wie die Tiere im Stall oder auf der Weide gehalten werden? Oder steht die Qualität des Endprodukts im Vordergrund? In der Studie werden deshalb Kategorien wie die Herkunftsgarantie, die umweltschonende Wirkung der Erzeugung, die Sicherung der Produktqualität oder aber das jeweilige Kontrollsystem getrennt bewertet. Dem Cactus-Fleesch des Herdbuchverbands wird beispielsweise eine sehr gute Produktqualität bescheinigt. „In weiten Teilen ein vorbildliches Qualitätsfleischprogramm“, lobt Thös.

Keine Schwarz-Weiß-Studie

In der Kategorie umweltschonende Erzeugung wird Cactus-Fleesch in der Meco-Studie eine „unterdurchschnittliche beziehungsweise geringe Wirksamkeit“ zugesprochen. Das Label schreibt den Landwirten nicht vor, wie viel Dünge- oder Spritzmittel eingesetzt werden dürfen. Umgekehrt sieht es etwa im Biobereich aus: Die Siegel „BioLabel“ und „demeter“ bekommen dank strenger Auflagen in der Produktion hervorragende Bewertungen in Sachen umweltschonende Wirkung. In der Kategorie „Sicherung der Produktqualität“ gibt es jedoch nur die Note „durchschnittlich“. Was natürlich nicht heißt, dass diese Produkte nicht tatsächlich qualitativ hochwertig sind. Regelmäßige Kontrollen – etwa in Bezug auf die Inhaltstoffe – sind bei diesen Labels jedoch nicht vorgesehen.

Größere Mängel im Kontrollsystem zeigen vor allem die Labels der konventionell angebauten, pflanzlichen Produkte – etwa die der beiden Naturparks. Im Naturpark Ourdall ist die Verwaltung erst dabei, ein eigenes Label zu entwickeln. „Uns tut es leid, dass es noch nicht so weit ist“, sagt Norbert Eilenbecker von der „Bauereninitiativ fir d’Eislek an den Naturpark Ourdall“ (BEO). Für die Übergangszeit haben sich die 50 Betriebe selbst Kriterien auferlegt und vermarkten ihre Produkte unter den Handelsnamen Beola und Beogran.

„Für die beiden Naturparks wären gemeinsame Standards erforderlich“, betont Jens Thös. Das finden offensichtlich auch die direkt Betroffenen. „Wir sind auf jeden Fall dafür“,“ bekräftigt Fernande Marx, Projektleiterin des Naturpark Uewersauer. Entsprechende Gespräche mit den Verantwortlichen des Naturpark Ourdall gebe es bereits. „Für die Labels ‚Spelz vum Séi‘ und ‚Téi vum Séi‘ werden in Kürze Kontrollen durch ein anerkanntes belgisches Büro durchgeführt“, verspricht Marx, die die Méco-Studie trotz Mangelbescheid positiv bewertet: „Diese Analyse bietet Anregung für die Bauern, ihre Produkte noch zu verbessern.“

Das will jedoch nicht jeder. Rund 60.000 Schweine werden jedes Jahr unter dem Siegel „marque nationale de la viande de porc“ vermarktet. Den Vorwurf, das staatliche Gütesiegel ginge nicht weit über die allgemeinen Standards hinaus, muss sich die „marque nationale“ gefallen lassen. „Die Bestimmungen in Bezug auf die Tierhaltung entsprechen weitgehend den geltenden EU-Normen“, erklärt Christian Zewen von der „Administration des Services de l’Agriculture“ (ASTA). „Wenn wir die Latte höher legen, werden viele Bauern nicht mehr mitmachen“, so Zewen.

Die Latte nicht zu hoch legen

Auch die Kriterien für die von der Chambre des Metiers festgelegten Siegel „produit du terroir“ entsprechen in der Regel lediglich dem ohnehin vom Ministerium festgelegten „principe de bonne pratique agricole“. „Das ist eigentlich das, was jeder Landwirt leisten sollte“, sagt Jens Thös. Um etwa seinen Weizen unter dem Namen „Letzebuerger Weess“ anzubieten, muss ein Landwirt die Bestimmungen der Landschaftspflege-Prämie erfüllen. Die legt zwar Höchstmengen für Mist und Gülle fest – für chemische Dünger oder Pflanzenschutzmittel sind jedoch keinerlei Obergenzen vorgegeben. Über die Aussagekraft solcher Labels lässt sich also diskutieren.

„Wir wollen die Diskussion unter den Betreibern in Gang bringen“, so Théid Faber. Zum Beispiel darüber, ob Vereinheitlichungen möglich sind. „Ich war immer gegen die Einführung zu vieler Labels“, betont Landwirtschaftsminister Fernand Boden gegenüber der woxx. Landesweit sollten seiner Meinung nach zwei Labels gelten – ein Herkunfts- und ein Qualitätslabel. „Im Prinzip sind wir auf diesem Weg“, so Boden und verweist auf die „produit du terroir“ und auf die „marque nationale“. Weiter will auch der Minister offensichtlich nicht gehen, denn für beide Labels würden, so Boden, „strenge Kriterien“ gelten. Den Produzenten sei es natürlich freigestellt, weitergehende Kriterien zu definieren.

Die Studie, so der Minister, liefere zweifellos brauchbare Informationen für den Konsumenten. Den Vorwurf, dass die Anfertigung einer solchen Studie möglicherweise die Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums gewesen wäre, will sich Boden allerdings nicht gefallen lassen: „Der Staat muss über die ‚marque nationale‘ aufklären“, so Boden. „Jeder private Betreiber gibt die eigenen Kriterien auf seinem Produkt bekannt.“

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