INTERVENTION: Im und aus dem Quadrat

Wenn man sich die Malereien des jungen französischen Künstlers Nicolas Chardon ansieht, denkt man unwillkürlich an die Bezüge alter Bauernbetten, an Pyjamas, Herrenoberhemden oder an die Tischdecken rustikaler Restaurants irgendwo im französischen oder italienischen Hinterland. Denn Chardon ist dem Quadrat verfallen. Nicht nur dass er es als Symbol der Moderne und Fetischobjekt des Suprematismus sowie der geometrischen Abstraktion in seiner Malerei in monochromen Farben reproduziert. Nein, er benutzt es auch als Leinwand in Form des Vichykaros – einem Klassiker unter den Karomustern. Dieses Minimal-Design, das ursprünglich vor Jahrzehnten in der französischen Stadt Vichy entwickelt wurde und das durch das Verweben von gleich breiten Kett- und Schussfäden entsteht, bildet das Raster, an dem sich die Malerei von Chardon letztlich orientiert. So wundert es denn nicht, dass das Ergebnis etwas „verzogen“ daher kommt: Indem Chardon den Stoff aufspannt, verzerrt er das Karo-Muster. Und somit auch die Linien, an denen er seine gemalten Quadrate ausrichtet. So ist sein „Carré noir“ oder sein „Losange blanc“ letztlich eine verbeulte Variante der kühlen Grundform eines Kasemir Malewitsch.

Neben Chardons Malereien, die zurzeit in der Galerie Nosbaum und Reding ausgestellt sind, befinden sich auch Installationen des Künstlers, die ebenfalls ein Stück ironisch gesehen werden müssen. Auch hier ist Chardon dem Viereck zu Leibe gerückt: Er hat quadratischen Maschendraht aufgerollt, eine viereckige Messing-Stange geknickt und eine quadratische, mit Stoff bespannte Bühne zersägt. Chardons Herangehensweise lässt sich als Mystifikation und Entmystifikation der künstlerischen Tätigkeit interpretieren – insofern wird auch der Titel seiner Ausstellung verständlich: „Making and Unmaking“.

Eine Ausstellung für jene, die eine Minimal-Herangehensweise mögen.

Noch bis zum 7. November in der Galerie Nosbaum und Reding.


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