FOTOGRAFIE: Überall und nirgendwo

Das CNA zeigt mit „I Was Here“ private Urlaubsfotos aus vergangenen Tagen. Die Aufbereitung dieser Aufnahmen wurde drei Künstlern anvertraut.

Von japanischen Touristen heißt es, sie würden ihren Urlaub erst in dem Moment richtig genießen, wenn sie – wieder zu Hause angekommen – ihre Erinnerungsfotos betrachten und präsentieren. Man mag diesen Erklärungsversuch für wahr halten oder als Unsinn abtun, aber man kann darüber schmunzeln. Wohl auch deshalb, weil kaum einer sehr weit zurück denken muss, um nicht selbst auf ähnliche Phänomene zu stoßen. Sei es das Notebook, um das man sich schart, dicht gedrängt um ein Fotoalbum oder der Dia-Abend beim Großvater oder dem Nachbarn, der so noch einmal einen vergangenen Urlaub Revue passieren lässt. Darin schwingt auch immer wieder der Stolz auf das Erreichte mit, und es drängt sich fast zwangsläufig der Eindruck auf, von den Urlauben seien weniger Erinnerungen festgehalten, als eher Beweisfotos geschossen worden. Denn, wie ein großes deutsches Reisebüro noch in den siebziger Jahren warb, „man macht nur einmal im Jahr Urlaub“.

„I was here“ ist der Titel der derzeit im CNA in Dudelange laufenden Ausstellung, in der Fotografien präsentiert werden, wie sie Touristen auf der ganzen Welt machen.

Die meisten dieser Aufnahmen wurden von unbekannten Amateuren gemacht, wie viele von uns eine-r sind. Einige der ausgestellten Stücke stammen aus dem Fundus der Nationalbibliothek und des CNA selbst. Besonders hervorzuheben ist hier die Präsentation eines Bildbandes über eine Reise durch Arabien und zur Baustelle des Suez-Kanals sowie eines weiteren über eine Reise nach China zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie liegen zwar vor der Umwelt geschützt hinter Glas, können aber per Computer durchgeblättert werden. Daneben werden natürlich auch Arbeiten der drei beteiligten Künstler gezeigt, die hier allerdings eher als Kuratoren tätig waren. Was allerdings keinesfalls bedeuten soll, dass die Ausstellung dadurch in irgend einer Weise an Reiz verlöre, denn der Akzent liegt hier auf der Präsentation.

So streicht der Berliner Joachim Schmid auf Tafeln mit jeweils mehreren Bildern thematisch geordnet die privaten Aspekte eines Urlaubes heraus, sei es die Aufgeregtheit während der Reise, wenn die ersten Fotos bereits vom Flugzeug aus gemacht werden oder der Weg zum Ziel anhand von Straßenschildern dokumentiert wird, oder die von der Last des Alltags befreite gute Stimmung, wenn man endlich dort angekommen ist. Daneben aber auch Reiseeindrücke, die von einem anderen Zweck erzählen, mit Bildern von Auschwitz oder der Sektorengrenze vor dem Brandenburger Tor.

Mit seinen großformatigen, Schwarzweißfotografien geht der in Bielefeld beheimatete Robert Schlotter einen anderen Weg. Er sucht für seine Projekte auf Floh- und Trödelmärkten gezielt nach privaten Super8-Filmen, eine Idee, die vor einigen Jahren auch unter Studenten beliebt war. Sie verbrachten ihre Samstagabende damit, sich diese Filme anzusehen und bei Chips und Bier die Erlebnisse Fremder mitzuerleben. Schlotter hingegen fokussiert sich auf den Augenblick. Er fotografiert einzelne Einstellung während des laufenden Films direkt von der Leinwand ab. So gelingt es, die Nostalgie einzufangen, die in diesen Bildern steckt, und eine gewisse Sehnsucht zu wecken.

In einen neuen Kontext stellt auch Erik Kessell die von ihm gesammelten Aufnahmen. In seiner Serie „In almost every picture #1“ präsentiert der Niederländer eine Auswahl von Urlaubsfotos eines spanischen Ehepaares aus der Zeit von 1956 bis 1968. Das Hauptmotiv ist auf 60 Bildern immer die Ehefrau und besonders hier zeigen sich Stolz und Genugtuung, nicht nur bezogen auf den Urlaub oder das Reiseziel, das nur selten außerhalb Spaniens lag, sondern auch dann, wenn sie lässig mit einem Fuß auf dem Trittbrett am Auto lehnt, oder schlicht im Motiv selbst.

Im CNA bis zum 13. Juni.


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