Feit Luc: KINO, THEATER & TV

von | 22.02.2002

Schauspieler ohne AllĂĽrenSchauspieler, Filmregisseur und Partymensch: Luc Feit ist immer auf der Suche nach neuen Impulsen.

Offen für die Welt bevor der Vorhang fällt: Luc Feit will das Leben genießen.

Foto: Christian Mosar

Die Schuhe darf Luc Feit mittlerweile auf dem roten Teppich der Berlinale abtreten. Und er darf bei den Promi-Feiern dabeisein. Der gebĂĽrtige Luxemburger genieĂźt schon etwas Ruhm ĂĽber die Grenzen hinaus, wenn auch noch nicht so, dass er vor kreischenden Fans ReiĂźaus nehmen mĂĽsste wie Germany-Beau Til Schweiger.

Seit Beginn der 90er Jahre hat Luc Feit im deutschen Film- und Fernsehgeschäft FuĂź gefasst. Zu sehen ist der 40Jährige regelmäßig auf SAT 1 am Montagabend. Eine Menge heiĂźer Luft „ventiliert“ er als Jurist und Ekel Frank in das Gebläse der Anwalt-Serie „Edel und Starck“. Kaum zu glauben – trifft man den Schauspieler privat -, dass seine Filmrollen oft Fieslinge und Psychopathen sind. „Daran ist meine Visage schuld“, meint Feit. Die stechenden Kulleraugen, der bleiche Teint, der volle Mund … verfĂĽhren nun mal Regisseure zu schwarzen Gedanken, attestieren schroffe Eigenheiten: „einschĂĽchternde Kälte“ … Widersprechen muss man den Göttern der Filmschöpfung allemal! Schon allein die legere Freizeit-Garderobe (Raver-Outfit) verleiht dem Schauspieler-Profi urbane Lässigkeit. Und als zappelnder Schnösel oder trällernder „Poli“ in Frank Feitlers „LĂ«tzebuerger Owend“-Produktion gewinnt er auf der BĂĽhne die Lacher des Publikums mĂĽhelos. Hände und FĂĽĂźe sind dem Komiker stets behilflich. In schrägen Verrenkungen zeigt er gelenkig Slapstick erster Klasse. Körpersprache ist Feits Trumpf, obgleich er selbst mit seinen akrobatischen Leistungen nie recht zufrieden ist. Aber auch fĂĽr ernste Theaterstoffe ist er offen. Ob als KĂĽnstler-Exote Warhol oder, wie vor wenigen Wochen als AuĂźenseiter-König Edward II (ĂĽbrigens sein LieblingsstĂĽck), – Feit liefert den Beweis, dass er auch die „seriöse Materie“ beherrscht.

Das Schauspieltalent wurde nicht zufällig entdeckt. Seine Biografie schreibt sich wie die des Mainstreams: Zuerst die Ausbildung, dann der Job! Trotz schwacher Rhetorik, bewirbt sich Feit etwas waghalsig in Stuttgart an einer Schauspielschule. Mit Erfolg, wie man weiĂź. Die Ausbildungszeit möchte Feit auf keinen Fall missen. Nach Grundregeln, die laut einheimischen Schulkodex fĂĽr ihn stets ein Tabu waren, nimmt er sich hier des Studiums der Schauspielerei an: „Fehler sind der Weg zur Perfektion. Fauxpas sind nicht zwingend Misserfolge. Man muss nur lernen, sie zu nutzen, um positive Resultate zu erzielen.“

Fernseh-Soaps, klassische BĂĽhnenstĂĽcke, Krimis, Road-Movies, Komödien, Klamauk und, und, und. Umfangreich ist Feits Repertoire allemal. Und die Person Luc Feit, wo findet sie sich wieder? Ein Teil seines Ichs steckt in jeder der Rollen. Dandytum und Clownerie liegen nicht weit entfernt voneinander. Selbst Regie fĂĽhrte Feit schon. Der Kurzfilm „Ferkel“ thematisiert Schwulsein. Als militanter Kämpfer fĂĽr die Homosexuellenfrage sieht er sich nicht. In seinem Bekanntenkreis ist Homosexualität eine stinknormale Sache. Diskussionen erĂĽbrigen sich also.

Unabhängig sein

„Eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit halten“ heiĂźt Feits Leitmotiv. Berufliche Unabhängigkeit ist ihm wichtig. Die Abwechslung sucht der Freidenker. Folglich zieht er befristete Verträge vor. „Feste Engagements lähmen ab einem Zeitpunkt die Kreativität! Ein Wechsel gibt dann neue Impulse.“ Privat sind die WĂĽnsche eher konventionell: Das Leben mit einem liebe- und verständnisvollen Menschen gemeinsam meistern. Dieses GlĂĽck bietet Freund Dietrich seit fast zwei Jahren.

In der „O-Bar“, einem unterhaltsamen Ort fĂĽr Heteros und Homos in der Nähe des „Théàtre des Capucins“, trifft man die Leinwandgröße öfters. Freilich liegt der Arbeitsplatz gleich um die Ecke … Die sympathische „Crew“, das tolle Ambiente ĂĽberwiegen als Ursache der Besuche. FĂĽr den Gast die ideale Therapie nach Stress-Tagen. Andere VernĂĽgen? „Sonnen, AusflĂĽge nach Lissabon oder Barcelona. Weniger hingegen ein meditativer RĂĽckzug in einsame Landhäuser“, sagt Luc Feidt spontan. Seine unkomplizierte, direkte Art verleiht dem Akteur den „nonchalanten“ Charme. Gibt es eigentlich Dinge, die dem coolen Typen den letzten Nerv rauben? Ungezwungen zu sein, bedeutet nicht unsensibel zu sein. Körperliche und seelische Ăśberforderung zogen Feits Gesundheit bereits arg in Mitleidenschaft. Mangelnde Durchsetzungskraft eigener Ideen bei Inszenierungen fuchst den KĂĽnstler besonders. Dann schmeiĂźt auch mal der Lässige das Handtuch. Denn gute Team-Arbeit hat fĂĽr ihn immer Vorrang. AuĂźerdem mag er Menschen ohne Humor, „Streber“, „elitäre Wichtigtuer“ nicht. Eingeschlossen jene, die mit GefĂĽhlen geizen und denen es einfach an GroĂźzĂĽgigkeit und Toleranz fehlt.

Wer gönnt dem Party-Menschen da nicht neidlos den „Erholungsurlaub“ zu den Shooting Stars dieser Welt? Momentan ruft die Arbeitspflicht in der heimatlichen Provinz. Dort wird bereits im Kapuzinertheater fĂĽr die Vorstellung „Den zweeten Fabesch Fränz“ unter der Regie von Josiane Peiffer fleiĂźig geprobt. Ăśbrigens, Feit verkörpert die Hauptfigur in diesem StĂĽck. Er illustriert das tragische Scheitern eines Sporttalents.

Das Pendeln zwischen Berlin und Luxemburg ist fĂĽr den Reisenden Routine. Vor acht Jahren zog er von Köln in die City an der Spree. Sie ist sein zweiter Lebensmittelpunkt. An der Metropole liebt er das „Anarchische“ und in der „kleinen Schweiz“ liegen eben seine Wurzeln. AusschlieĂźlich ein Quartier im idyllischen Dreiländereck? Luc Feit wehrt ab. Räumlich und geistig letztlich doch zu eng! So behält man zumindest eine kritische Distanz zu GroĂźstadtdschungel und Pampa.

Christiane Schiltz

„En zweete Fabesch Fränz“, vum Pit Hoerold. Regie: Josiane Peiffer. Mam Luc Feit, Marc Olinger, Fernand Fox a Pol Hoffmann. Premiär ass den 23.2. am Kapuzinertheater. Weider Daten: 26., 27.2. an den 1., 2., 8., 9.3. Reservatioun, TĂ«l. 22 06 45.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTUR AM ALLGEMENGEN

Assises sectorielles du chant choral: Junge Chorsänger*innen gesucht

Die „Assises sectorielles du chant choral“ vom vergangenen Samstag offenbarten, wo den Chören hierzulande der Schuh drĂĽckt. Es mangelt an Sichtbarkeit, pädagogischem Know-how und vor allem an Nachwuchs.   Wie bei Rundtischgesprächen ĂĽblich, boten die „Assises sectorielles du chant choral“ vergangenen Samstag einen Morgen voller leiser...

KULTUR AM ALLGEMENGEN

Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch: Luxemburgisch im Fokus

Die Luxemburger Sprache soll ab diesem Jahr jeden 26. September gefeiert und gefördert werden – und zwar mit Kulturevents, Aktivitäten und Diskussionsrunden. Das Programm der Erstauflage des „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ wurde am Montag bei einer Pressekonferenz vorgestellt. „Sprache ist der Schlüssel zur Welt“, sagte bereits Wilhelm von...

KULTUR AM ALLGEMENGEN

Staffelfinale „And Just Like That”: Vergessene Vorläufer

Allzu schwer fällt er nicht, der Abschied von der Serie „And Just Like That“ – sie hat den Charme des Anfangs eingebüßt. Interessanter ist ein Blick auf die Ursprünge: Mit Mary McCarthys Buch „The Group“ fing alles an. Und einfach so ist alles vorbei: Mit dem Staffelfinale des „Sex and the City“-Sequel „And Just Like That“ schließt das...