BEST WISHES: Alte Sparpolitik oder neue Nischen?

Auch die woxx-Redaktion beteiligt sich am Ideen-Wettbewerb, um Luxemburg wieder möglichst fit zu machen für eine Lebenserwartung von 120 Jahren und einen RentnerInnen-Anteil von mindestens fünf Sechstel.

Back to the Roots

(avt) – Der ganze Wirbel um die Rulings ist – wir ahnen es – doch nur der Anfang vom Ende. Nachdem der Finanzplatz implodiert ist und Bettel und seine Mannschaft nach Brüssel betteln gehen, gibt es nur einen, der als Sieger in die Geschichte eingehen wird: Jean-Claude Juncker. Nach dem Kollaps des Bankensystems macht Gramegnas Laden dicht, und Umwelt- und Agrarministerien steigen zu den wichtigsten Institutionen des Landes auf, denn Luxemburg ist wieder – wie in den Anfängen – ein Agrarland. Fortan wird es darum gehen, die Wirtschaft durch den Export von Kartoffeln anzukurbeln. Das Ösling blüht auf, und die Luxemburger wetteifern im „Gromperen“-anbau. Mein Sohn, Klaus Water Haus Coopers, steigt zum Kartoffelkönig auf, denn nur er weiß, wie man gewisse Sorten züchtet. Der einstige Oligarch aber wird triumphieren. Denn irgendwann fällt der Groschen, und den Luxemburgern wird klar werden, dass allein ihm, König Jean-Claude, der gewissermaßen Darth Vader und Robin Hood in einer Person ist, neben Generationen von Italienern, die in der Stahlindustrie schufteten, der Wohlstand des kleinen Landes zu verdanken war, und so wird ihn die katholische Kirche 100 Jahre später heiligsprechen.

 

Vom Bankgeheimnis zum Autofahren

(lm) – 2015 wird die Nordstraße fertiggestellt. Eine Gelegenheit, daran zu erinnern, dass Luxemburgs „Patrimoine“ nicht nur aus Finanz-Heimlichkeiten besteht – auch das Autofahren ist Teil davon, wie Robert Goebbels, der Urvater jener Straße, uns immer wieder in Erinnerung rief. Der billige Sprit ist bereits ein Exportschlager, doch ließe sich diese Nische gewiss ausbauen. Mit einer Anpassung des rechtlichen Umfeldes könnte man ausländische Auto-Freaks anlocken, in Zeiten, in denen viele Regierungen ihnen durch strenge Regeln den Spaß an ihrem Hobby verderben. Zum Beispiel könnte man die heute schon für Unfallverursacher attraktive Rechtssprechung durch eine Lockerung der Geschwindigkeitsbeschränkung und eine Anhebung der Promille-Grenze ergänzen. Der Punkteführerschein wäre dahingehend zu reformieren, dass sich Wohlhabende – für substanzielle Summen – die verlorenen Punkte zurückkaufen könnten. Dann bliebe nur noch der Ausbau des gesamten Autobahnnetzes auf acht Spuren, die Schließung des ersten Rings um die Hauptsadt im Nordwesten und die Anlage eines zweiten über Keispelt, Bourglinster, Syren und Roedgen. Und die neu zu errichtenden Tankstellen wären durch Raststätten mit Zigaretten- und Alkoholshop, Fastfood und Eroscenter zu komplettieren, damit die heimische Konjunktur durch den neuen Fahr-Tourismus angekurbelt wird.

 

La communication gouvernementale

(lc) – Il n’y a rien à redire à cela : sous la coalition bleu-rouge-vert, les temps sont moroses et le froid social est un thème pour tout le monde… sauf chez les communicants, qui lors des fêtes porteront sûrement une multitude de toasts à Gambia. Car, au nom de la sacro-sainte « transparence », leurs carnets de commandes sont pleins : présentation interactive du budget, animations de propagande, nouveaux sites internet en veux-tu, en voilà. Et pourtant, si le gouvernement voulait vraiment la transparence la plus totale, il pourrait l’avoir à un prix défiant toute concurrence : comme dans le roman d’anticipation « The Circle » (voir kulturmixx), il suffirait d’une caméra allumée 24h/24h et 7j/7j autour du cou de nos politiciens pour donner aux citoyens non seulement une impression de transparence, mais la vraie, la pure came donc… et presque gratuite. Imaginez-vous ce qu’on aurait pu découvrir sur la panique au moment des Luxleaks si Pierre Gramegna avait porté une caméra en permanence ! Ou sur ce qui s’est passé dans la tête de Jean Asselborn lorsqu’il a donné son aval pour déporter des mineurs albanais ! Avec ce dispositif, le peuple comprendrait beaucoup mieux les décisions des gouvernants et pourrait même – qui sait ? – éprouver pour eux un peu plus d’empathie, au lieu de grogner en permanence. Comme dirait Etienne Schneider : c’est une situation win-win !

 

Vom Steuer- zum Inselparadies

(da) – Nun, da auf Kuba der kleine Bruder Raúl den Gringos in den Allerwertesten kriecht und dem imperialistischen Klassenfeind Tür und Tor öffnet, eröffnen sich für Luxemburg ungeahnte Geschäftsfelder. Klein genug ist das Land ja, und spätestens seit Luxleaks ist klar, dass wir wie das verlorene Paradies von mächtigen Feinden umgeben sind. „Esch-Plage“ ließe sich ohne größere Schwierigkeiten in einen karibischen Traumstrand mitsamt Mojitos und rumbatanzenden Schönheiten verwandeln, Heintz van Landewyck könnte statt zu kurz geratener Sargnägel endlich stattliche Zigarren herstellen, und Zuckerrohrplantagen im Ösling anzulegen, dürfte wohl auch kein Problem darstellen. Aus Juncker wird Batista, der Geschasste, Genosse Xavier – der seinen Rasierer längst weggeschmissen hat – lässt sich nur noch mit „Máximo Líder“ anreden, und Comandante Etienne trägt nur noch „Béret“ und Guerillauniform. Den Yankees und Imperialisten und vor allem den Franzosen geht es an den Kragen, was natürlich ein Wirtschaftsembargo gegen das ehemalige Bankiersparadies zur Folge hat – doch was soll‘s, fürs rebellische Image braucht es eben Opfer. Flugs wird Luxemburg zum Urlaubsziel Tausender Alt- und Neulinker aus aller Welt, die wie die Heuschrecken über die Souvenirläden mit ihren neu beorderten „Comandante Etienne“ – Shirts herfallen und sich fässerweise mit echt Öslinger Rum eindecken. Überwunden die Wirtschaftskrise, vorbei das schlechte Wetter, es lebe der Tourismus und Viva la revolución !

 

Des niches fiscales aux terriers d’insectes

(ft) – Quelle mouche a piqué le gouvernement, qui ce lundi a jugé utile de préciser sa position sur les insectes comestibles au Luxembourg ? Une analyse des risques microbiologiques, chimiques et environnementaux liés à la consommation d’insectes a en effet été confiée à l’Autorité européenne de sécurité des aliments (Efsa), afin de revoir le règlement européen sur les « nouveaux aliments ». En attendant la révision de celui-ci, le grand-duché n’autorise pas la commercialisation d’insectes. Peut-être nos parlementaires ont-ils fait une réaction allergique ? Il se murmure qu’une désormais ex-députée verte, devant l’impossibilité de commercialiser ces petites bêtes dans sa chaîne de magasins, aurait offert quelques échantillons à ses collègues. A l’heure où le Luxembourg cherche de nouvelles idées pour d’une part redorer son blason et d’autre part desserrer l’étau de la place financière sur son économie, peut-être serait-il bienvenu de montrer l’exemple à nos voisins jaloux par une innovation qui pourrait bien changer le destin de l’humanité en créant des fermes d’insectes comestibles. D’ailleurs, la très sérieuse Organisation des Nations unies pour l’alimentation et l’agriculture (FAO) le serine depuis 2013, et vient de publier en français son rapport « Insectes comestibles : perspectives pour la sécurité alimentaire et l’alimentation animale ». Alors, chiche ? En tout cas, on transmet aux cabinets de consulting qui ont l’oreille du gouvernement, on ne sait jamais. Bon appétit !

 

Rent-A-Duc

(rg) – Pierre Bley, seines Zeichens Hofmarschall, leistete eine Art Offenbarungseid: Schon seit Jahren reiche die Staatsdotierung an den Großherzog nicht mehr aus, um dessen Hofstaat von etwa 100 MitarbeiterInnen zu finanzieren. Deshalb könne der Staatschef eine weitere Reduktion seiner Apanage, wie sie etwa junge Sozialisten forderten, nicht hinnehmen. Als Patronatslobbyist wurde Bley früher nicht müde, Sparappelle an die Regierung zu richten und vor einem Anziehen der Steuerschraube zu warnen; jetzt reiht er sich ein in die Reihe all jener, die beim armen Xavier Bettel antichambrieren  – aus dem einzigen Grund: Sie wollen mehr Geld. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ein Lösungsvorschlag: Vielleicht sollte Luxemburg das Nachhaltigste, was es bisher zustande gebracht hat – seine Dynastie – einfach gegen Bares weiter vermitteln. Auf Kommissionsbasis, versteht sich. Das so erwirtschaftete Geld könnte dann dazu verwendet werden, die Not bei Hofe ein wenig zu lindern; zusätzlich erhielte der Rechteinhaber des Erfolgsmodells, der Luxemburger Staat, Lizenzgebühren, die den für 2015 zu erwartenden Einbruch des „commerce électronique“ mehr als wettmachen könnten. Ein Verwendungszweck wäre zum Beispiel die Bereitstellung eines „Übergangsstaatschefs“. In mancher der Krisenregionen der Welt ließen sich damit gefährliche Machtvakua füllen. Ob in der Ukraine, in Syrien oder Afghanistan: Ein von allen akzeptierter repräsentativer Monarch mit vorher vereinbartem Verfallsdatum würde es möglich machen, dass die zerstrittenen Parteien als Henris Untertanen – sozusagen auf gleicher Augenhöhe – miteinander verhandeln, ohne sofort irgendwelche Machtansprüche zu erheben. Auch in den zahlreichen afrikanischen Ländern, in denen die Menschen der herrschenden Regimes überdrüssig sind, könnten in aller Ruhe demokratische Wahlen vorbereitet werden, während Henri ganz uneigennützig – bis auf einen Obolus von 1% des Nationaleinkommens, sozusagen als Rückvergütung der bis dahin gewährten Entwicklungshilfe – darüber wacht, dass die Ex-Diktatoren das Tafelsilber nicht mitgehen lassen. Ganz ohne Invest kommt dieses Nischenmodell allerdings nicht aus: Die Mitarbeiter des Großherzogs müssten entsprechende Sprachkurse belegen und klimagerecht eingekleidet werden. Auch sollten wir die Risiken dieser sicherlich lukrativen Nische nicht unterschätzen: Längere Abwesenheiten des Großherzogs könnten offenbaren, wie überflüssig er zum Funktionieren des hiesigen Staatsapparats tatsächlich ist.

 


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