Seit drei Jahren fĂĽhrt Paul Visser die
FĂĽnf-Sterne-Campinganlage „Birkelt“ in Larochette. Der etwas untypische Campingwart möchte das Gewerbe mit neuen Ideen beleben.

Fremdwort Freizeit: Paul Visser.
Paul Visser entspricht nicht dem Klischee des Campingplatzbesitzers. Mit seinen kurzgeschorenen Haaren und seinen extravaganten Piercings wirkt er eher wie der Betreiber eines In-Cafés. Und eigentlich hat der 32-Jährige Film studiert und war fest entschlossen, in diesem Bereich zu arbeiten. Doch dann kam alles anders.
Aushelfen wollte er auf dem elterlichen Campingplatz, um den Vater zu entlasten. Zuerst ging in dieser Zeit der Manager frĂĽhzeitig in Rente, dann starb der Vater. „Plötzlich stand ich ganz allein da“, erinnert sich Visser. Da hieĂź es das Budget verwalten, dafĂĽr sorgen, dass das Geschäft weiterläuft, aber auch neue Idee entwickeln. Denn das ist es eigentlich, was Visser an die 12 Hektar groĂźe Anlage bindet. „Ich kann den Betrieb nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten“, sagt er. Und fĂĽgt hinzu: „Ich habe noch eine ganze Menge vor.“
Campen mit Klasse
Der „Camping Birkelt“ war bereits ein 5-Sterne-Campingplatz, bevor der jĂĽngste Spross der Familie das Unternehmen ĂĽbernahm. Unter seiner Leitung sind die AnsprĂĽche jedoch noch gestiegen. Er möchte weg vom Image des Zeltplatzes als „Touristenghetto“.
Sein Credo: Es gibt auch Campingurlaub jenseits des gängigen Fritten-und-Frikadellen-Klischees. Auch in Larochette stehe zwar eine Frittenbude, gibt er grinsend zu, aber ein wenig mehr möchte er seinen Gästen schon bieten. Ein Restaurant hat er auf der Anlage eröffnet, mit einer Karte, die der jeweiligen Saison und der entsprechenden Klientel angepasst ist. Im Sommer stehen vor allem familienfreundliche Gerichte auf dem Menü, in der Vor- und Nachsaison richtet sich die Gaststätte nach den Bedürfnissen der etwas älteren Kundschaft, die sich die Zeit nimmt, ein ausgedehntes Mittagessen mit allen Schikanen zu genießen.
Zur Zeit sind es die Familien, die sich im Camping Birkelt niedergelassen haben. Ungefähr 2.000 BesucherInnen tummeln sich in der Hochsaison auf dem Gelände. Besonders fĂĽr Eltern mit Kindern sei Urlaub im Zelt oder im Wohnwagen oftmals attraktiver als ein Aufenthalt in einer Hotelanlage. „Man ist einfach näher an der Natur als in einem Hotelkomplex mit Wänden aus Beton“, erklärt Visser. Er hat keine Angst davor, dass Campen aus der Mode kommen könnte. Eigentlich glaubt er eher einen Trend in die andere Richtung festzustellen. „Immer mehr Menschen wohnen in einer städtischen Umgebung und dementsprechend drängt es sie in ihrer Freizeit verstärkt ins GrĂĽne.“ Zahlreiche Touristen benutzen den Zeltplatz lediglich als Station auf der Durchreise. Luxemburg liege in dieser Hinsicht sehr gĂĽnstig, sagt er. Ob zwischen Westen und Osten oder Norden und SĂĽden – fĂĽr einen kleinen Zwischenstopp ist die Lage ideal. Manche fĂĽhlen sich hier dann so wohl, dass sie länger bleiben.
Die Natur beleben
Am meisten Kopfzerbrechen bereitet dem jungen Unternehmer das Wetter. Einen verregneten Sommer können auch die tollsten Freizeitangebote nicht versĂĽĂźen. „Wenn es vier oder fĂĽnf Tage lang ununterbrochen regnet, dann ziehen die Gäste weiter“, bedauert er. Dabei hat er viel investiert, um auch gegen die unwirtlichsten Wetterverhältnisse gerĂĽstet zu sein. So manches konnte er sich da bei den skandinavischen Ländern abkucken, die trotz durchwachsenem Klima bei Reisenden beliebt sind. Auf dem Camping Birkelt gibt es ein ĂĽberdecktes Schwimmbad, ebenso wie einen ĂĽberdeckten Spielplatz. Im Sommer finden regelmäßig Live-Konzerte im Freien statt und auch hier bietet sich die Möglichkeit, dass sich die ZuschauerInnen in Zelten vor dem Regen in Sicherheit bringen können. Durch das miese Wetter hat sich aber die Hauptsaison seit einigen Jahren verkĂĽrzt. Heute dauert sie noch knapp einen Monat.
Deshalb mĂĽssen die Betreiber verstärkt in die Nebensaison investieren und das heiĂźt fĂĽr reichlich Unterhaltung sorgen. Birkelt ist keine Anlage fĂĽr Touristen, die im Urlaub gemĂĽtlich den ganzen Tag im Liegestuhl schmökern möchten. Von morgens 10 bis abends 10 ist hier Action angesagt. Sechs Animateure sollen dafĂĽr sorgen, dass bei GroĂź und Klein bloĂź keine Langweile aufkommt. Beispielsweise proben zwei professionelle Schauspieler mit den Kindern und Jugendlichen tagsĂĽber kleine StĂĽcke ein, die sie abends fĂĽr die Eltern auffĂĽhren. Manch einem ist ein solches Full-time Programm möglicherweise zuviel des Guten. Auch Paul Visser reist nicht gerne all inclusive. Am liebsten tourt er in den etwas ruhigeren Wintermonate mit seinem Rucksack durch Thailand. Im voraus bucht er dabei nie. „Andere Campingbetreiber lehnen es ab, ihren Gästen rund um die Uhr Unterhaltung zu bieten“, sagt er. Aber er bleibt seiner Linie nichtsdestotrotz treu. Besonders fĂĽr die Eltern, die sich sonst 365 Tage im Jahr mit ihren Kindern beschäftigen, sei es schlieĂźlich eine Entlastung, wenn die Gleichaltrigen sich unter sich amĂĽsieren können.
„Luxemburg ist schön, aber es gibt hier wenig zu erleben“ – das hört Visser öfters von den Touristen. Er ist sichtlich enttäuscht darĂĽber, dass das Land seine VorzĂĽge nicht genĂĽgend ins Schaufenster stellt. ¬Die Verantwortlichen mĂĽssen einsehen, dass eine ansprechende Landschaft allein nicht reicht – man muss sie auch beleben«, sagt er. In Larochette zum Beispiel steht eine halbverfallene Burgruine: Visser malt sich aus, was man damit alles anstellen könnte. FĂĽr Luxemburg als Reiseziel spricht einerseits die Umgebung, aber auch die Tatsache, dass das Land bis jetzt vom Massentourismus verschont geblieben ist. Doch Visser fĂĽrchtet, dass Luxemburg mit seiner wenig offensiven Fremdenverkehrspolitik die Touristen eines Tages vollständig vergraulen könnte. ¬Wir mĂĽssen uns bewusst werden, dass es wichtig ist global konkurrenzfähig zu sein.«
Den Campingplatz Birkelt besuchen derzeit fast ausschließlich Holländer. Sie schätzen Gemeinsamkeiten was Lebensart und Sprache angeht. Auch Engländer machen hier Halt auf dem Weg nach Ost- oder Südeuropa. Luxemburger erholen sich eher selten auf den einheimischen Campingplätzen. Trotzdem möchte Visser vor allem auch die BewohnerInnen aus der Umgebung in seine Anlage locken. Zum Teil ist ihm das auch bereits gelungen. Die im überdachten Schwimmbecken angebotenen Wassergymnastikkurse zum Beispiel finden regen Anklang. Bei den Konzerten sitzen zur Hälfte Luxemburger im Publikum, besonders wenn Lokalmatadoren wie Buffalo C. Wayne auftreten. Ein fester Bestandteil des hiesigen Kulturlebens ist die Fielser Anlage aber noch nicht geworden. ¬Ich muss noch eine ganze Menge Öffentlichkeitsarbeit leisten«, räumt er ein. Das Restaurant und das neu eingerichtete Internet-Café werden zur Zeit noch hauptsächlich von den Gästen des Zeltplatzes besucht. Auch daran möchte Paul Visser noch arbeiten. Vielleicht wird ihn eines Tages wieder die Lust packen, sich in einem anderen Bereich zu versuchen. Aber vorerst hat er seine Zelte hier fest aufgeschlagen.
Nächstes Konzert mit der Coverband „The Right Mix“
an diesem Freitag, dem 29. Juli um 20 Uhr. www.camping-birkelt.lu

