SINGER-SONGWRITER: Schnell gelebt, leise gespielt

Mit seiner kratzigen Stimme und seiner akustischen Gitarre beweist Eric Rosenfeld, dass Punk auch ohne Strom funktioniert.

Macht keine halben Sachen: Eric Rosenberg alias Communicaution. (Foto: Autoporträit)
www.myspace.com/ communicaution

Oft sind es die Platten der Eltern die so manchem kleinen Songwriter frühzeitig die Berufswahl erleichtern. So war es auch bei Eric Rosenfeld, der mit Liedern von Dylan und Cash aufwuchs und schon früh seine eigenen Songs schrieb. „Mein Opa war allerdings die größte Inspirationsquelle für mich: Er war Multi-Instrumentalist und ließ mich neben ihm am Klavier sitzen und mitklimpern. Mit neun nahm ich Gitarrenunterricht und daraufhin schenkte man mir dann endlich meine eigene Gitarre“, erklärt der 22-Jährige, der bereits im Alter von 11 Jahren den Punk für sich entdeckte. Nur wenig später schrieb er seine ersten Songs in englischer Sprache und setzte sie dann mit anderen Musikern um. „Bis heute habe ich in ungefähr 30 verschiedenen Bands gespielt. An den Namen meiner ersten Bands kann ich mich nicht mehr errinnern,“ lacht Eric, den man unter anderem auch als Frontmann der Punk Kapelle Rise-up kennt.

30 Bands

Doch woher kommt die Idee, alles alleine zu machen? „Communicaution gibt es eigentlich schon länger, denn Songs schreibe ich seit fast 10 Jahren. Trotz der vielen Bands in denen ich bis jetzt gespielt habe, blieb mir immer noch Zeit meine eigenen Lieder zu komponieren, so dass ich nach einer Weile zuviel Material hatte um es mit einer Band einzuspielen. Ich entschloss mich daraufhin die Lieder selbst aufzunehmen und sie danach auch live zu spielen. Mir gefällt es die volle Kontrolle über ein ganzes Projekt zu haben. Ich muss niemanden fragen ob meine Songs gefallen bevor sie umgesetzt werden. Wenn man mit mehreren Musikern spielt ist das natürlich unmöglich. Außerdem war es immer mein Traum, alleine mit meiner Gitarre und meinen Liedern durch die Welt zu reisen.“

Nach so vielen Jahren unerschöpflicher Kreativität fragt man sich woher der Sänger immer noch die Inspiration für weitere Songtexte nimmt. Ohne zu zögern erzählt Eric offen über alles was ihn bewegt. „Ich schreibe viel über meine alltäglichen Probleme, wie zum Beispiel meine Depressionen und Panik-Attacken und über die Pillen die ich dagegen einnehmen muss. Es ist schwer mit all dem umzugehen, manchmal habe ich das Gefühl durchzudrehen. Die Musik erleichtert mir das Ganze.“

„Evil Dead“ zu Akustik-Klängen

Die im Punk schon fast obligatorische Trunkenheit ist ein wiederkehrendes Thema in den Songs von Communicaution. „Ich gebe zu, dass ich zuviel trinke. Anfangs nur auf Parties und Konzerten, doch dann fing ich an mich jeden Tag zu betrinken. Es ist mir jetzt aber gelungen meinen Alkoholkonsum zu verringern. Auf Proll-Punk und idiotische Sauf-Texte stehe ich überhaupt nicht.“ Die Lyrics zu den Songs „Smile Monkey Smile?!“ oder „From Lung to Lung“ zeigen, wie Eric die Problematik analysiert und sich selbst auch kritisch gegenüber steht: Er erklärt, dass die etlichen Saufgelage oft feucht anfangen aber selten fröhlich enden, und eher dazu dienen, die innere Leere zu vergessen.

Trotzdem ist Eric, der sich selbst gelegentlich auch mal Monkey Face nennt, kein Kind von Traurigkeit: „Ich singe natürlich nicht nur über meine Probleme, sondern auch über Dinge die mich glücklich machen wie zum Beispiel die Liebe, meine Freunde und das Touren. Ich will nicht weinerlich sein oder im Selbstmitleid versinken, sondern alles von der humorvolleren Seite sehen. Es ist wichtig über sich selbst lachen zu können. Gruppen wie Jawbreaker oder Jets to Brazil haben mich mit ihren ehrlichen Texten und ihrer Selbstironie sehr inspiriert.“ Musik aus der Chicagoer Pop-Punk Szene scheinen Eric Rosenfeld ebenfalls geprägt zu haben: Songs wie „Life Saver“, „Justification Failed“ oder „It“s Ticking Like a Fucking Bomb“ legen Melodien zu Tage, die einen dem Punkgenre eher abgeneigten Hörer durchaus bekehren könnten!

Es sind nicht nur die persönlichen Erfahrungen die sich in den Lyrics von Communicaution widerspiegeln, sondern auch Eindrücke von Kunstwerken und Büchern. „Ich merkte schnell, dass ich nicht fürs Lernen bestimmt war; ich kam in der Schule nur schwer voran. Die literarischen Fächer mochte ich hingegen sehr, denn das Lesen bereitet mir viel Freude. Verschiedene Werke von Franz Kafka und Thomas Mann berührten mich sehr. Unkonventionelle Kunst fasziniert mich ebenfalls. Früher malte ich oft, doch die Musik war mir immer wichtiger, und es blieb nur wenig Zeit für andere Hobbies.“ Neben der Musik hat Eric noch eine andere große Leidenschaft. „Ich bin begeisterter Fan von Horrorfilmen. Zwei meiner etwas älteren Songs handeln sogar von Werwölfen und Vampiren, obwohl es grundsätzlich Liebeslieder sind. Ich glaube, ich besitze ungefähr 270 Filme.“ Das Release-Konzert für das neue Album „This Monkey Is an Artist“ fand vor der Leinwand des Escher Kinosch statt. Während Eric seine Songs zum Besten gab, lief hinter ihm – wie könnte es auch anders sein – Sam Raimi’s „The Evil Dead“. Doch nicht alle waren vom Vater aller Horrorfilme begeistert: „Für manche Zuschauer hatte ich wohl den falschen Film ausgesucht“, lacht Eric, „doch ansonsten war es ein gelungener Abend“. Weitere Communicaution Konzerte sind in Planung. Wie wird es aber mit Rise-up und den anderen Projekten weitergehen? „Ich werde auf keinen Fall meine anderen Bands vernachlässigen, denn jede ist mir wichtig. Ich gebe zweimal die Woche Gitarrenunterricht und verbringe den Rest der Zeit mit meinen Bands. Momentan probe ich mit Giordano, dem Bassisten der Last Millenium Suckers und Pit, dem Drummer von Eternal Tango. Unser Projekt wird Versus You heissen, und voraussichtlich wie die etwas lautere Indie-Version von Communicaution klingen.“ Bei der Frage nach der Zukunft ist zu erfahren, dass Eric nach einer Demo und einem Album noch lange nicht mit seinem Alleingang fertig ist. „Ich habe ungefähr 45 Songs die ich noch nicht aufgenommen habe, und es kommen ständig welche hinzu. Communicaution ist nicht nur ein Nebenprojekt, denn neue Songs werde ich immer schreiben.“

„This Monkey is an Artist“ ist erhältlich bei wingedskull.com oder fondoflife.net. Der Vorreiter
„Boring Stories In G“ kann man bei svaveldioxid.tk erwerben.


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