KOLLEKTIV: 13 Freunde

Ein neues Kollektiv erblickt die Welt und jeder soll was davon haben: Ein Backfisch wühlt die einheimische Newcomer-Szene auf.

Diesmal sind es mehr als nur fünf und es gibt auch keine Bösewichte zu Fangen: Backfisch organisiert Konzerte. (Foto: Claude Dernoeden)

Die Freunde des einheimischen Rock werden es gemerkt haben: die luxemburgische Musikszene scheint ihr Frühlingserwachen zu erleben. Elevator, D:qliq und die Schwergeburt Rockhal bieten seit kurzem neben internationalen Bands auch ein Forum für Luxemburgs Newcomer und Lokalhelden. Die Kollektive der ersten Stunde, wie Schalltot und Winged Skull, sind aktiver denn je und bieten mehr als nur „Konzertkontakte“. Doch von einem Monopol der Alteingesessenen kann seit langem nicht mehr die Rede sein, denn ähnliche Organisationen und Label gibt es heute mehrere. Eine der Jüngsten nennt sich Backfisch.

Rock’n’Roll Ermittlungsstelle

Dirk Falkenstein und Jérôme Poos sind die Gründer der neusten Rock’n’Roll Ermittlungsstelle. Doch sie sind nicht alleine: Backfisch zählt ganze 13 befreundete Mitarbeiter! „Die Meisten von uns sind schon längere Zeit befreundet und teilen alle das gleiche Hobby, nämlich die Musik und das Organisieren von Konzerten“. So entstand die Idee, zusammen ein Festival auf die Beine zu stellen.

Das erste größere Backfisch-Event fand vor ungefähr einem Jahr in Rümelingen statt. „Das Line-up des Innocent Festivals war mit Bands wie John McAsskill und Disliked sehr überzeugend. Wir alle hatten viel Spaß und das Festival wurde ein großer Erfolg. Nach und nach kam dann die Idee, das Ganze regelmäßig zu machen,“ so Jérôme Poos. Aus jungen Punkrockern wurden also kleine Unternehmer: Kurz nach dem Innocent Festival gründeten Jérôme und seine Freunde die Backfisch asbl. Somit sind sie wohl eine der seltenen luxemburgischen Kollektive mit rechtlichem Status. „Es ist einfacher öffentliche Kulturzentren zu leihen wenn man als asbl arbeitet.“ Finanziell hingegen bleiben die Vorteile aus. „Am Anfang gingen wir viele Risiken ein, denn wir bezahlten alles aus eigener Tasche. Wenn mal etwas Geld übrig blieb, wurde es fürs nächste Konzert aufbewahrt. Die steigende Anzahl der Konzertbesucher vereinfacht uns das Finanzielle nach und nach“ erklärt Jérôme. Bei größeren Events greift Backfisch dann doch auf die Hilfe von lokalen Sponsoren zurück.

Wie kann man sich den Alltag einer Rock’n’Roll-Organisation im beschaulischen arienländchen Luxemburg vorstellen? „Eigentlich treffen wir uns jede Woche und bereden welche Aufgaben und Ziele wir uns als nächstes setzen wollen. Falls Bands sich mit uns in Verbindung gesetzt haben, weil sie Konzertdaten in Luxemburg suchen, probieren wir uns mit den Musikern auf ein Datum zu einigen. Die Musikrichtung ist dabei nicht so wichtig, wir wollen jedem eine Chance geben. Wenn dann das Finanzielle klappt, fangen wir an weitere lokale Bands zu suchen für das Konzert.“ Natürlich sind allen dreizehn Mitgliedern verschiedene Aufgaben zugeteilt. Jérôme bemüht sich zum Beispiel um die Bandkontakte während Claude Schiavone sich um die Internetseite kümmert und Fabrice Eusebi als Schatzmeister über die Finanzen waltet. `Wie in jeder Gemeinschaft gibt es auch bei uns Mitglieder die mehr zu tun haben als andere, aber das bleibt nicht aus.“, so Jérôme

Klein aber sozial

Dass die Backfische nicht die Einzigen sind, die als Kollektiv in Luxembourg arbeiten, ist bekannt. Ein Problem ist dies für die jungen Unternehmer allerdings nicht. „Es besteht absolut keine Konkurrenz zwischen den verschiedenen Organisationen. Die lokale Musikszene ist noch immer ziemlich überschaubar und man kennt sich auch untereinander.“ Es haben sich sogar schon Freundschaften entwickelt: „Wir selbst besuchen viele Konzerte die von anderen organisiert werden und tragen ihre Events auch in unserem Online-Kalender ein. So unterstützen wir unsere Freunde aus den anderen Kollektiven.“

Doch Backfisch unterscheidet sich in einem Punkt von den Kollegen: Große Locations lehnen Jérôme und Co ab. „Wir wollen hauptsächlich den kleinen luxemburgischen Gruppen helfen, ihnen Konzerte in Cafés organisieren und ihnen ermöglichen mit ausländischen Gruppen zu spielen. Wichtig ist uns dabei, dass Getränke und Eintritt erschwinglich bleiben. In größeren Locations ist dies, wie man sieht, scheinbar unmöglich.“

Die Backfisch asbl, die vor einem Jahr gegründet wurde, steht eigentlich noch in ihren Kinderschuhen. Wie sieht die Zukunft aus für den jüngsten Nachwuchs in der luxemburger Kollektiv-Familie? „Unsere Arbeit gefällt uns sehr, und es wird Backfisch geben solange wir motiviert sind. Obwohl die meisten von uns sich noch nicht über ihre Studienwahl im Klaren sind, gibt es sogar einige die sich vorstellen könnten ihr Hobby zum Beruf zu machen.“ Für die neue Rock-Saison ist auch gesorgt. „Momentan machen wir eine kleine Sommerpause, aber wir haben schon Kontakte mit verschiedenen Bands aufgenommen. Namen kann ich jetzt allerdings noch nicht verraten,“ lächelt Jérôme. Man darf also gespannt sein!

www.backfischasbl.com

www.myspace.com/ backfischasbl


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