CENTRE DES ARTS PLURIELS: Wechsel in Ettelbrück

Die neue Leiterin des Centre des arts pluriels (CAPe) Ainhoa Achutegui will ihre Erfahrungen aus dem zum Teil selbstverwalteten Wiener Werkstätten- und Kulturhaus mit in die Nordstadt bringen.

Freut sich auf die neue Aufgabe und über den guten Empfang, den ihr Luxemburg bislang bereitete: Die 28-jährige Theaterwissenschaftlerin Ainhoa Achutegui. (Foto: CAPe)

woxx: Von der Kulturmetropole Wien in das Provinzstädtchen Ettelbrück. Wissen Sie, worauf Sie sich einlassen?

Ainhoa Achutegui: Ich glaube schon. Ich sehe Ettelbrück nicht als die 7.500- Personen-Gemeinde, man muss die Stadt im Rahmen der Großregion betrachten. Ansonsten würde sich der Wechsel von Wien nach Ettelbrück in der Tat komisch anhören. Ich kann die Frage schon verstehen.

Vor allem, da Sie seit frühem Kindesalter in der Großstadt Wien leben.

Ja, ich bin auf jeden Fall eher ein Großstadtmensch. Als begeisterte Mountainbikerin habe ich jedoch auch einen Bezug zur Natur. Dazu ist mein Partner Luxemburger und als er beschloss, wegen seines Jobs nach Luxemburg zurückzugehen, war es für mich klar, dass auch ich mich hier nach einer Arbeit umsehen würde. So bin ich auf die Ausschreibung in Ettelbrück gekommen.

Ettelbrück hat den Ruf einer Stadt, in der abends die Bürgersteige hochgeklappt werden – wer weggehen will, tut dies eher im benachbarten Diekirch. Auch das schreckt Sie nicht ab?

Das habe ich auch schon gehört, doch das spricht für mich nicht gegen Ettelbrück. Die beiden Städte liegen ja sehr nah beieinander. Ob die Leute nach Ettelbrück kommen oder nicht, hängt ja auch vom Programm ab, das sie geboten bekommen. Denn so weit ich das empfinde, bewegen sich die Leute in Luxemburg sehr viel innerhalb des Landes.

Sie wollen dem Publikum in Ettelbrück Neues bieten. Was genau?

Vorweg möchte ich bemerken, dass ich ja in der ersten Saisonhälfte die Programmierung meines Vorgängers abwickeln werde. Darüber bin ich froh, denn diese Zeit kann ich nutzen, um eine spezifische Publikumsanalyse zu machen und zu untersuchen, wie meine Ideen möglicherweise aufgenommen würden. Interessieren würde mich vor allem die Förderung junger Künstlerinnen, zum Beispiel im Bereich der neuen Dramatik.

Wieso ist Ihnen das besonders wichtig?

Ich habe sehr viele Dramen von jungen Frauen in meinem Alter gelesen und mir ist aufgefallen, dass dort oft ähnliche Themen behandelt werden. Diese Autorinnen sind aber sehr wenig bekannt. Das würde ich gerne ändern, will allerdings nichts vorweg nehmen, sondern erst einmal das Publikum in Luxemburg kennenlernen. Ein weiteres Ziel von mir ist es, die MigrantInnen verstärkt anzusprechen, die ja in Ettelbrück über 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das Angebot für die portugiesische und die kapverdianische Gemeinde sollte meiner Meinung nach vergrößert werden.

Erfahrungsgemäß ist es nicht leicht, dieses Publikum zu erreichen.

Das stimmt. Da muss man sich verschiedene Formen der Ansprache überlegen. In Wien haben wir beispielsweise sehr gute Erfahrungen mit Workshops für türkische Kinder und Jugendliche gemacht. Ich denke sogar, dass die Migranten und Migrantinnen in Luxemburg wegen ihrer Vielsprachigkeit leichter erreichbar sind. In Wien war die Sprachbarriere ein großes Problem.

Wir wurde denn Ihr Plan, speziell dieses Publikum anzuvisieren, von der CAPe-Leitung aufgefasst?

Sehr gut, ich habe das im Vorstellungsgespräch als Teil meines Konzepts dargestellt und wurde genommen. Von daher dürften diese Ideen gut angekommen sein.

Sie sind seit zwei Jahren Leiterin für Tanz und Theater im Wiener Werkstätten- und Kulturhaus (WUK) – einem selbstverwalteten Zentrum. Das CAPe in Ettelbrück ist anders organisiert. Fällt Ihnen dieser Wechsel schwer?

Das WUK ist nur zum Teil selbstorganisiert. Ich arbeite für den sehr viel höher subventionierten nicht selbstverwalteten Teil, für den es klare Vorgaben von staatlicher Seite gibt.

Wie bewerten Sie für sich persönlich diese beiden Organisationsformen?

Das WUK wurde in den 80er Jahren nach einer Besetzung gegründet. Heute ist es eines der einzigen selbstverwalteten Häuser in Österreich – mit dem Kompromiss, dass ein Teil des WUK heute betrieblich funktioniert. Der selbstverwaltete Teil hat es zunehmend schwer, er kann nur überleben, weil er gratis Räume zur Verfügung hat. Diese Struktur ist von der künstlerischen Seite her total interessant, muss aber natürlich mit den bekannten Schwierigkeiten einer Selbstverwaltung und den damit verbundenen sehr knappen Mitteln kämpfen. Dem nicht selbst verwalteten Teil stehen sehr viel mehr Mittel zur Verfügung, er ist jedoch auch einem ganz anderen Druck ausgesetzt. Wir müssen bestimmte Zuschauerzahlen und Veranstaltungstage liefern.

Sie haben sich in Wien im Rahmen des Vereins „5uper. net“ auch für die Förderung und Vernetzung von Medien, Kunst und Technologie eingesetzt. Was hat Sie daran gereizt?

Die neuen Medien werden für viele, vorwiegend jüngere Menschen, immer wichtiger. Auf der anderen Seite wird die darstellende Kunst zuweilen als „altmodisch“ abgestempelt. Mein Interesse war es, herauszufinden, wie diese KünstlerInnen die neuen Medien nutzen können. Wie kann man beispielsweise Tanz- und Videokunst verbinden? Da gibt es sehr gute Arbeiten. Da der Verein jedoch diejenigen, die bislang wenig mit neuen Medien zu tun hatten, nur wenig integriert hat, bin ich dort wieder ausgestiegen.

Wollen Sie diesen Bereich auch im Rahmen Ihrer Tätigkeit in Ettelbrück fördern?

Ja, das ist sicher ein Feld, das mich sehr interessiert – vor allem im Bereich Performance und Tanz. Man muss auch sehen, dass das Theaterpublikum zunehmend älter wird und dass man durch den Einsatz neuer Medien eventuell neue Leute gewinnen kann.

Ihr Vorgänger in Ettelbrück, Matthias Tolle, wurde kurzfristig vom Verwaltungsrat entlassen. Ihnen mache das wenig Angst, haben Sie der Presse gegenüber geäußert. Spielte dieses Thema bei Ihrer Entscheidung keine Rolle?

Ich habe dazu noch keine offizielle Stellungnahme bekommen. Den Herrn Tolle habe ich auch noch nicht getroffen. Auf der persönlichen Ebene macht es mir überhaupt keine Angst. Jedes Haus hat seine eigene Geschichte.

Wie werden Sie den Posten angehen. Stehen Sie für eine transparente Politik des Hauses?

Auf jeden Fall. Sehr wichtig ist für mich die Transparenz innerhalb des Hauses, aber auch nach außen muss transparent sein, wie die Gelder verteilt werden. Ich lege Wert darauf, dass intern eine transparente Programmierungspolitik betrieben wird, dass sie nicht von oben herab den Kollegen und Kolleginnen vorgesetzt wird. Das nehme ich auf jeden Fall aus meinen Erfahrungen des WUK mit. Im WUK arbeiten wir sehr basisdemokratisch, alles wird im Team entschieden. Das ist für mich die richtige Arbeitsform, ich würde keine andere vorziehen.


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