ROCKHAL: „Wir sind keine Scheune“

Rockhal-Direktor Olivier Toth äußert sich über das gerade eingeweihte Centre de ressources und die Veränderungen, die noch auf sein Haus zukommen werden.

Auch ein Jahr nach der Eröffnung besteht Klärungsbedarf in der Rockhal. Direktor Olivier Toth vor der Presse im September 2005. (Foto: woxx)

woxx: Das Centre de Ressources hat vor zwei Wochen die Tore geöffnet. Was sind seine Aufgaben?

Olivier Toth: Als erstes geht es darum, den jungen Künstlern, die in der Rock und Pop-Musik tätig sind weiterzuhelfen. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Arbeit zu perfektionieren und zu professionalisieren. Wir stellen ihnen Mittel zur Verfügung, zu denen sie früher nicht so schnell Zugang gefunden hätten. So können sie ihre Leidenschaft besser entwickeln. Das mag jetzt etwas abstrakt und philosophisch klingen.

Was heißt es denn konkret?

Es gibt eine Menge Elemente, die miteinander vernetzt sind. Die Proberäume, die inzwischen schon recht gut belegt sind, wenn auch nicht zu hundert Prozent ausgelastet. Wenn es also noch InteressentInnen gibt, dann sollen sie sich ruhig bei uns melden. Es kommen auch noch immer vereinzelte Nachfragen.

Sie akzeptieren ja auch nicht jede Gruppe. Wer in der Rockhal proben will, muss gewissen Kriterien entsprechen.

Ja, wir haben auch schon Gruppen nicht genommen. Das liegt daran, dass wir in unseren Kriterien festgelegt haben, nur Gruppen zu nehmen, die schon ein Projekt haben, sei es größere Live-Konzerte, Aufnahmen oder nur die Verbesserung der Arrangements. Die Rockhal ist eben keine Scheune, in der man mal spielen kann. Wer hier spielen will, sollte schon Ambitionen haben. Und diese auch klar in seinem Antragsformular darstellen. Wir wollen ja auch wissen, wie wir wen unterstützen können.

Muss eine Gruppe denn unbedingt den Rockolymp anvisieren, um in der Rockhal proben zu dürfen?

Nein. Ich will niemandem vorschreiben, wie er mit seiner Kreativität umgeht. Aber die Rockhal hat nun mal diese Kriterien, und die finde ich auch gerechtfertigt und ausgeglichen. Wir sponsern kein l’Art pour l’Art. Es hat sicherlich auch schon Beschwerden gegeben. Es ist deshalb auch wichtig, einen Dialog zu erhalten und so flexibel zu bleiben wie es uns der Rahmen unserer Mission erlaubt.

Was hat das Centre außer den Proberäumen noch zu bieten?

Da hätten wir einerseits ein professionelles Tonstudio, in dem die Musiker für wenig Geld aufgenommen werden können. Wenn es in ein paar Monaten in Betrieb geht, dann werden sie dort die nötigen Erfahrungen sammeln, um später, wenn es denn ernst werden sollte, keine Anfängerfehler mehr zu begehen. So können sie Stress abbauen. Es geht uns darum, die jungen Leute so viel wie möglich zu coachen. Die bei uns entstandenen Aufnahmen können aber, wegen der niedrigen Kosten, die außerhalb jeder Konkurrenz liegen, nicht kommerzialisiert werden. Das ist zwar auf den ersten Blick ein Nachteil, aber gegenüber einer schlecht produzierten Demo, die sich in Luxemburg vielleicht 100 Mal verkauft, kann eine professionelle Aufnahme schon mal ein Fuß in der Tür sein für Konzerte im Ausland. Auch bei Plattenfirmen kommen solche Aufnahmen sicher besser an. Außerdem bieten wir den Musikern auch noch die Möglichkeit, auf der Bühne des kleinen Saales zu proben, um an ihrem Live-Sound zu feilen.

Sind die Musiker denn zufrieden mit dem Angebot?

Bis jetzt haben wir einen ziemlich guten Austausch mit den Bands. Wir kriegen viel Input und Vorschläge. Die Atmosphäre ist hervorragend.

In Sachen Fortbildung gibt es auch die Möglichkeit, in Workshops mitzumachen. Was bietet das Centre an?

Wir haben zum Beispiel einen Workshop für September programmiert, der sich mit dem Thema Home-Recording befasst. In einem ersten Teil geht es um das Aufnehmen selbst, der zweite behandelt das Abmischen der verschiedenen Spuren. Nebenbei haben wir auch eine Bibliothek aufgebaut, in der sich sehr verschiedene Arten von Büchern befinden: von der Künstlerbiographie über die Partitur bis hin zu technischer Literatur.

Wie steht es denn bis jetzt mit den Besucherzahlen des Centre, abgesehen von den Musikern?

Die halten sich bis jetzt in Grenzen. Das liegt auch daran, dass wir den Eröffnungszeitpunkt nicht optimal ausgesucht hatten. Aber gut, es ging eben nicht vorher. Dann haben wir die Möglichkeit genutzt, das Centre mit dem Screaming Fields of Sonic Love II-Festival einzuweihen.

Das Publikum scheint der Sache noch nicht so richtig zu trauen. Auf jeden Fall herrscht auf dem Rockhal-Forum gähnende Leere – während in anderen Foren, wie zum Beispiel Disagreement.net oder Fanhead ziemlich heiß und kontrovers diskutiert wird. Woran liegt das?

Ich habe da zwei Hypothesen. Erstens sind unsere Foren noch nicht so bekannt wie die Alteingesessenen. Und zweitens kann es schon sein, dass verschiedene Leute Renitenzen haben, sich bei uns direkt auszudrücken. Vielleicht auch aus Angst vor einer Zensur, die natürlich nicht stattfindet.

Nicht nur das Publikum hat die Rockhal kritisiert, sondern auch die Konkurrenz. Vielen privaten Konzertorganisatoren ist oder war die Rockhal ein Dorn im Auge. Wie ist die Situation nach fast einem Jahr Betrieb?

Es gibt eigentlich nur noch einen Betreiber, der uns kritisiert, und der auch schon in der Presse gegen uns gewettert hat. Inzwischen hatte ich ein paar Gelegenheiten, mit dem Chef von Cyn-Art Gespräche zu führen. Aber die Situation bleibt unverändert. Seine Firma weigert sich bis heute, in unseren Räumen Konzerte zu organisieren. Wir haben als Rockhal versucht, mit ihm ins Geschäft zu kommen, aber solange diese Person von uns verlangt, unsere Konzertaktivitäten einzustellen – was eine Absurdität an sich wäre, da es zu unseren Hauptmissionen gehört, Konzerte zu organisieren – werden wir auf keinen grünen Zweig kommen. Solange müssen wir eben aneinander vorbei leben. Die generelle Aufregung um die Rockhal hat sich jedoch einigermaßen gelegt. Mit allen anderen Konzertorganisatoren in Luxemburg kommen wir eigentlich ganz gut zurecht. Mit dem Atelier, Luxevents oder Kitty Music arbeiten wir regelmäßig zusammen. Außer mit Cyn-Art klappt es nicht.

Nicht jedes Rockhal-Konzept geht jedoch auf. Die kleineren Konzerte sind meistens miserabel besucht. Können Sie das so noch lange durchziehen?

Wir versuchen so lange wie möglich, keinen Schlussstrich ziehen zu müssen. Die Sommerpause eignet sich auch hervorragend dazu, sich das Ganze noch mal durch den Kopf gehen zu lassen und möglicherweise verschiedene Konzepte zu ändern. Wir überlegen gerade, die Wochentage zu ändern, an denen die so genannten Entdeckungskonzerte stattfinden. Aber definitiv haben wir noch nichts beschlossen. Ich weiß, dass ebendiese Umstände häufig kritisiert werden. Wir setzen auch auf Kritik von auswärts, hängen sogar gewissermaßen von ihr ab. Denn wenn niemand uns mitteilt, was und warum er etwas schlecht findet, dann tappen wir im Dunkeln und kommen nicht weiter. Die Rockhal ist eine junge und lernfähige Struktur, und es wird sich sicher noch einiges ändern.

www.rockhal.lu


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