Von der Affäre Lunghi/Schram zur Affäre Bettel/RTL

von | 21.11.2016

Anders als beim literarischen Vorbild Katharina Blum ist die Affäre Lunghi/Schram bislang ohne Todesopfer abgelaufen. Sogar die mutmaßlichen „coups et blessures volontaires“ (dixit Maître Urbany) scheinen sich in Luft aufzulösen, der entsprechende Vergleich mit den Zuständen in der Türkei auf immer ins Video-Archiv von RTL verbannt zu sein. Doch inzwischen mutiert das Ganze zu einer Affäre Bettel/RTL, wobei das fragwürdig zusammenmontierte Interview, das Bettel dazu veranlasste ein Disziplinarverfahren gegen Lunghi anzustrengen, inzwischen wie ein letzter DP-Rettungsanker daher kommt, Bettel als Opfer darzustellen. Dass ein Minister – der zudem Medienminister ist – tatsächlich glaubt, Fernsehbeiträge seien allein schon deshalb wahr, weil zu den Aussagen das Bild gleich mitgeliefert wird, kann ja noch als (entschuldbare?) Naivität gewertet werden. Jedoch ein Verfahren einzuleiten, ohne sich bei dem davon Betroffenen im Vorfeld eine Erklärung einzuholen, ist, gelinde gesagt, ein politischer Fehler, der eine Entschuldigung – im wahrsten Sinne des Wortes – verlangt. Bettel kann seine Rache ja anschließend beim derzeit mit RTL verhandelten Konzessionsvertrag zur Anwendung bringen, und einen besseren Personalschlüssel für die Luxemburger RTL-Redaktion herausschlagen. Der professionellen Qualität würde es bestimmt keinen Abbruch tun …

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