Minderjährige Flüchtlinge: Sehnsucht nach Normalität

von | 26.06.2017

Luxemburg tut sich schwer mit dem Umgang von minderjährigen MigrantInnen, die ohne Begleitung Erwachsener hierher gelangen. Ihre Situation ist bisweilen eher verwaltungs- als kindgerecht.

Müssen oft lernen, wieder Kind zu sein: Minderjährige unbegleitete Geflüchtete. (Foto: European Union 2015)

Die Zahl der Flüchtlinge beträgt derzeit mehr als 65 Millionen weltweit und ist damit höher als jemals zuvor. Dies dominierte am vergangenen Dienstag die Meldungen zum Weltflüchtlingstag. Kinder und Jugendliche stellen die Hälfte der Betroffenen in diesem schrecklichen Rekord. Mehr und mehr von ihnen versuchen ohne Begleitung eines Erwachsenen in eine sicherere Zukunft zu gelangen – und sind dabei Entbehrung und traumatischen Erlebnissen ausgesetzt.

Auch in Luxemburg kommen zunehmend unbegleitete Kinder und Jugendliche an. Ihre Situation haben das Ombudskomitee für Kinderrechte (ORK) und das Beratungsunternehmen „Brainiact“ unter die Lupe genommen und anlässlich des Weltflüchtlings- tages eine Studie hierzu vorgelegt.

„Die Situation unbegleiteter Minderjähriger in Luxemburg ist viel besser als in vielen anderen Ländern“, so die Juristin Susanna Greijer von Brainiact gegenüber der woxx. Die Expertin für internationale Menschen- und Kinderrechte hat die Studie gemeinsam mit René Schlechter vom ORK verfasst. „Unsere Absicht war es, nicht mit dem Finger auf einzelne Akteure zu deuten“, so Greijer. Dennoch findet sich in der Analyse einige Kritik.

Ein Hauptproblem: Trotz der vergleichsweise geringen Anzahl unbegleiteter – und fast ausschließlich männlicher – Minderjähriger in Luxemburg würde für ihre altersgerechte Unterbringung bisher viel zu wenig getan: Nur eine Minderheit von ihnen kann in Unterkünften wohnen, die ausschließlich für Minderjährige gedacht sind. „Das bringt Risiken mit sich“, sagt Greijer.

Bürokratische Bevormundung

Schwierig ist laut Susanna Greijer zudem, dass die SozialarbeiterInnen mit der Betreuung der Jugendlichen bisweilen überfordert sind. Bei Besuchen in den verschiedenen Unterkünften habe man festgestellt, dass die dort Beschäftigten zwar „guten Willens“ sind. „Manchmal besteht jedoch ein Mangel an Kompetenz, das Ausmaß dessen zu erkennen, was den Jugendlichen auf ihrer Flucht widerfahren ist und dies auch in der alltäglichen Arbeit zu berücksichtigen“, so Greijer.

Berufliche Weiterbildung ist für die Expertin daher unerlässlich. Auch ein informeller Austausch, etwa in zweimonatigen Besprechungen, könnte nach Meinung Greijers weiterhelfen, denn so könnten alle gegenseitig von ihren Alltagserfahrungen und erlernten Kompetenzen profitieren.

Greijer erhofft sich dabei auch die Beteiligung der zuständigen Behörden und Institutionen. Häufig würden Entscheidungen über die Köpfe der Kinder und Jugendlichen hinweg aus der Perspektive der Verwaltung getroffen: „Bevor sie auf ihrer Reise in Luxemburg angekommen sind, waren sie jedoch lange Zeit komplett auf sich allein gestellt; sie mussten sich meist wie Erwachsene verhalten“, so Greijer. Durch die plötzliche Bevormundung seien Konflikte vorprogrammiert.

Die Kinder und Jugendlichen wünschen sich laut dem Report vor allem sozialen Anschluss in der Schule und im Sport sowie das vertrauensvolle Gespräch mit Erwachsenen – vor allem am Abend, bevor es ans Einschlafen geht.

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