Willis Tipps: MĂ€rz 2025

von | 14.03.2025

Spitzen-Joik

Ulla PirttijĂ€rvi ist die bedeutendste Meisterin des Joik in Finnland, des virtuosen vokalen Ausdruckstils der SĂĄmi-Urbevölkerung. Ihre erste Schallplattenaufnahme machte sie bereits 1992 mit dem SĂĄmi-Frauentrio Angelin Tytöt, bevor sie dann eine Solokarriere begann, in der sie teilweise auch eine rockige Begleitung wĂ€hlte. 2019 tat sie sich mit zwei Norwegern zusammen, mit Olaf Torget, der die Gitarre und auch andere – mitunter afrikanische – Saiteninstrumente beherrscht, sowie dem Perkussionisten Harald Skullerud. Mit ihnen veröffentlichte sie unter dem Bandnamen Áƥƥu (Glut) ein preisgekröntes, gleichnamiges Album. Vor drei Jahren starb Skullerud. Nun, sechs Jahre nach der ersten, ist eine zweite Platte von Áƥƥu mit dem Titel Luohteniegut erhĂ€ltlich. Auf ihr ist als neues Mitglied Kenneth Ekornes zu hören. Wie schon bei der ersten Veröffentlichung des Trios erlebt man hier PirttijĂ€rvis gutturalen Joik in einer akustischen Form, bei der eigenwillige SaitenklĂ€nge und groovender Schlagwerkeinsatz eine ganz besondere AtmosphĂ€re erzeugen. Zudem hört man Hildegunn Oiseth, die in ein Ziegenhorn blĂ€st. Wieder einmal ein hochklassiges Album mit PirttijĂ€rvis einzigartigem Joik und mit kongenialer Begleitung.

Áơơu – Luohteniegut – Nordic Notes

Ghana-Highlife

Nach einer vierjĂ€hrigen Pause meldet sich Santrofi nun mit dem zweiten Album zurĂŒck. Das Oktett kommt aus Ghana und spielt den Highlife, der schon vor 100 Jahren in ihrer Heimat entstand. Das lokale Musikgenre ist mit westlichen Elementen wie dem Klang von Brassbands versetzt und wurde spĂ€ter mit Jazz verbunden, um einen bestens tanzbaren und sehr melodischen Klang zu entwickeln. Lange Zeit dominierte der Highlife nicht nur die populĂ€re Musik Ghanas sondern auch die des nicht weit entfernten Nigerias. Aus der Verbindung des Highlife mit Funk und modernen Jazzstilen entstand dann in beiden LĂ€ndern der Afrobeat. Die junge Truppe Santrofi revitalisiert auf dem neuen Album Making Moves den klassischen Highlife, doch auch der Afrobeat hat bei ihnen Spuren hinterlassen. Die beiden Gitarren liefern mal funkige, mal singende Töne und die BlĂ€sersektion drĂŒckt. Zusammen mit einem Fundament aus Keyboard, Bass und Schlagzeug umrahmen sie den eingĂ€ngigen Lead- und Chorgesang, dem auch mal Rap-Einlagen hinzugefĂŒgt werden. Die Texte behandeln das oft sehr schwierige Leben auf den Straßen der Hauptstadt Accra. Ausgezeichneter Highlife in zeitgemĂ€ĂŸer Form!

Santrofi – Making Moves – Outhere Records

Klassische Boleros

Wer klassische Latino-KlĂ€nge liebt, ist mit dem Album Entre tus flores von Miramar gut bedient. Miramar ist ein Trio, bestehend aus dem Gesangsduo von Reinaldo „Rei“ Álvarez und Laura Ann Singh sowie der Pianistin, beziehungsweise Organistin Marlysse Simmons-Argandoña. FĂŒr ihr aktuelles Werk holte das Dreiergespann zudem Begleitmusiker*innen ins Studio. Die Gruppe ist in Richmond, Virginia, USA zu Hause; ursprĂŒnglich stammt das Gesangsduo aber aus Puerto Rico, wĂ€hrend Simmons chilenische Wurzeln hat. Acht der zehn StĂŒcke des Albums „Entre tus flores“ stammen aus der Feder von Álvarez und sind Boleros in verschiedenen Versionen, aber auch ein Bachata-StĂŒck ist dabei. Wer kubanische Musik kennt, entdeckt beim Hören einiger StĂŒcke schnell Ähnlichkeiten. Vor allem der schöne Gesang erinnert oft an den Buena Vista Social Club, der die kubanische Musik vor rund 30 Jahren weltweit in die Charts brachte. Bei der Instrumentierung spielen das Piano und die Perkussion eine wichtige Rolle, ebenso wie die Trompete; zudem fĂŒgt eine in Echo getauchte Gitarre eine interessante Facette hinzu, wie im StĂŒck „Tu Peine“. Gelegentlich kommen auch Streicher zum Einsatz. Richtig schön retro!

Miramar – Entre tus flores – Ansonia Records

Sevdah-Urgesteine

Bosnien-Herzegowina hat seinen ganz eigenen Musikstil, der Sevdah oder Sevdalinka genannt wird. Schon vor 500 Jahren, als die Osmanen den Westbalkan beherrschten, ist diese Musik entstanden. Zahlreiche Elemente der Musik der Roma sind mit eingeflossen und so entstand diese ĂŒberwiegend getragene, melancholische Form, die so ganz anders ist als das, was die druckvollen Balkan-Brassbands spielen. Seit nun ĂŒber 25 Jahren existiert die Gruppe Mostar Sevdah Reunion, die von Dragi Ć estić gegrĂŒndet wurde, 1999 ihre erste Platte herausbrachte und seitdem zu den bekanntesten Bands Ex-Jugoslawiens zĂ€hlt. Benannt nach Mostar, der grĂ¶ĂŸten Stadt der Herzegowina, hat diese Gruppe jedoch auch ihre musikalischen Antennen in Richtung anderer Stile ausgestreckt. Der Kern ist aber immer die Sevdalinka geblieben, wenn auch bisweilen leicht jazzig ausgefĂŒhrt. Seit vier Jahren hat die Gruppe nun die fabelhafte Antonija Batinić als SĂ€ngerin dabei, die auch auf dem aktuellen JubilĂ€umsalbum Bosa Mara glĂ€nzt. Eine Platte mit exzellenten Liedern und einigen ĂŒberraschenden Kooperationen (zum Beispiel mit Muntu Valso aus Kamerun). Wieder ein vorzĂŒgliches Album der Gruppe mit ĂŒberwiegend melancholischen KlĂ€ngen vom Balkan.

Mostar Sevdah Reunion – Bosa Mara – Snail Records

World Music Charts Europe MĂ€rz – Top 20

1. Santrofi – Making Moves – Outhere Records
2. L’Alba – Grilli – Buda Musique
3. Samba TourĂ© – Baarakelaw – Glitterbeat
4. Áƥƥu – Luohteniegut – Nordic Notes
5. Mostar Sevdah Reunion – Bosa Mara – Snail Records
6. Warsaw Village Band – Sploty / Twines – Karrot Kommando
7. Songhoy Blues – Heritage – Transgressive Records
8. Baba Sissiko & Mediterranean Blues – Live in Basel – Caligola
9. Joao Selva – Onda – Underdog
10. Kaito Winse – Reele Bumbou – Zephyrus
11. Frigg – Dreamscapes – Bafe’s Factory
12. Karolina Wegrzyn – Oy vesna krasna – Karolina Wegrzyn
13. Pauanne – Joku raja rakkaudesakin – Nordic Notes
14. Momi Maiga – Kairo – Segell Microscopi
15. Ildikó Kali – Jore Jore – Ildikó Kali
16. Park Jiha – All living things – Glitterbeat
17. The Bongo Hop – La pata coja – Underdog
18. Jupiter & Okwess – Ekoya – Airfono
19. Nfali DiakitĂ© – Hunter Folk Vol. 1: Tribute to Toumani KonĂ© – Mieruba
20. Uusikuu – Piknik – Nordic Notes

Die WMCE TOP 20/40 bei: www.wmce.de, Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und woxx.lu

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