Jugendliche im Internet: Zwischen Hassrede und KI-Chatbots

von | 11.02.2026

Junge Menschen in Luxemburg sind weiterhin viel auf Social Media aktiv – und stoßen dabei häufig auf Hassrede.

(Foto: Tung Lam/Pixabay)

Am vergangenen Montag stellte die Organisation „Bee Secure“ die neuste Ausgabe ihres „Radars“ vor, der die Internetgewohnheiten von Kindern und jungen Menschen bis 30 Jahren analysiert. Die Daten wurden im vergangenen Schuljahr in Gesprächen mit Schüler*innen erhoben. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Nutzung sogenannter „künstlicher Intelligenz“ (KI) und darauf basierender Chatbots.

Die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit beträgt bei den 12- bis 16-Jährigen 5 Stunden und 4 Minuten, bei den 17- bis 30-Jährigen 5 Stunden und 42 Minuten. Da die Fragestellung sich geändert hat, sind die Resultate nicht mit denen des „Radars“ von 2025 vergleichbar. Das Smartphone-Verbot an Sekundarschulen trat in der zweiten Hälfte des Schuljahres in Kraft. Somit werden wohl erst künftige Erhebungen zeigen, ob sich diese Maßnahme auf die Nutzungszahlen auswirkt.

Social Media macht schlechte Laune

Das wichtigste Gerät zur Nutzung des Internets ist nach wie vor das Smartphone: 97 Prozent der 12- bis 16-Jährigen besitzen eines. Es folgen Tablets (67 Prozent) und Spielekonsolen (57 Prozent). Bei den 3- bis 11-Jährigen besitzt etwa die Hälfte überhaupt kein digitales Gerät, ein Drittel verfügt über ein Tablet. Der Messengerdienst „WhatsApp“ hat „Snapchat“ den Rang abgelaufen und steht nun an erster Stelle. Auch die Nutzung von „Instagram“ und „Tiktok“ hat zugenommen, wobei letzteres bei den Sekundarschüler*innen nun an dritter Stelle steht. Stark gestiegen ist auch die Nutzung des Videodienstes „Youtube“, besonders in der Grundschule.

Im Gegensatz dazu verzeichnete der Ende Januar veröffentlichte österreichische „Jugend-Internet-Monitor“ einen Rückgang der Nutzung sämtlicher Apps – ein Trend, der sich in Luxemburg nicht zeigt. Laut einer Sprecherin von Bee Secure könnte dies mit der leicht veränderten Fragestellung zusammenhängen: „Eine mögliche Erklärung wäre aber auch die verstärkte Nutzung von KI-Chatbots.“ Ihre Kolleg*innen aus Österreich hätten zudem die Theorie, dass sich die Inhalte verschiedener Plattformen zunehmend ähnelten und daher weniger unterschiedliche Dienste verwendet werden.

Erstmals fragte Bee Secure Jugendliche nach ihrem mentalen Wohlbefinden im Zusammenhang mit der Internetnutzung. Während Kommunikation mit anderen Menschen und die Nutzung von KI-Chatbots mehrheitlich als positiv bewertet werden, geben 59 Prozent der 17- bis 30-Jährigen an, dass Social Media ihr Wohlbefinden verschlechtert. Das mag an den vielen Hassinhalten liegen: 58 Prozent aller Befragten bezeichnen Hassrede als ihre negativste Online-Erfahrung.

Chatbots fest im Alltag verankert

Rund 80 Prozent der Jugendlichen ab 17 Jahren berichten, regelmäßig sexistische, rassistische und queerfeindliche Inhalte zu sehen. 35 Prozent geben an, solche Beiträge „sehr häufig“ zu sehen – der traurige Spitzenwert innerhalb dieser Kategorie. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen diesen Angaben und den bei der Bee Secure-„Stopline“ gemeldeten Fällen. Dort gehen vergleichsweise wenige Meldungen zu queerfeindlichen Inhalten ein. „Zuerst sollte immer das Meldesystem der Netzwerke benutzt werden, die durch den Digital Services Act der EU nun noch stärker in der Pflicht sind, solche Inhalte zu löschen,“ so die Bee-Secure-Sprecherin weiter. Über die Website stopline.lu können illegale Inhalte – darunter auch Hassrede – anonym gemeldet werden. Diese werden nach einer Prüfung an die luxemburgische Polizei weitergeleitet.

KI-Chatbots sind inzwischen fester Teil der Lebensrealität luxemburgischer Jugendlicher. Lediglich 16 Prozent der 17- bis 30-Jährigen geben an, keine entsprechenden Systeme zu nutzen. Jeder Fünfte nutzt sie mindestens eine Stunde pro Tag. Die häufigsten Einsatzbereiche sind Recherche, das Verfassen von Texten oder E-Mails sowie Unterstützung bei Schul- oder Uniarbeiten. 66 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Chatbots zumindest gelegentlich, um persönliche Ratschläge zu Beziehungen oder zur Gesundheit einzuholen, 21 Prozent tun dies sogar oft. Gleichzeitig äußert rund ein Drittel der Befragten die Sorge, dass ihre Fähigkeit zum eigenständigen Recherchieren und Denken durch die Nutzung dieser Chatbots sinke. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Eine überwältigende Mehrheit verbringt lieber Zeit mit Freund*innen als mit KI-Chatbots.

Der vollständige „Bee Secure Radar“ ist online unter bee-secure.lu verfügbar.

 

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