Bitcoin: Von der Anarchistenwährung zum Spekulationsobjekt

von | 09.12.2017

Neue Kursrekorde sorgen für neue Aufmerksamkeit. Bitcoin, 2009 als alternative Währung erfunden, wird mittlerweile in Form von „Futures“ an offiziellen Börsen gehandelt.

(en.bitcoin.it/wiki / CC BY 3.0)

Wie viel ein Bitcoin wert ist? Es ist leider unmöglich, auch nur eine ungefähre Angabe zu machen, da der Kurs zu stark schwankt. Laut Cryptowatch waren es 15.920,41 Dollar – am 8. Dezember um 22.10 Uhr. Um 0.28 Uhr am gleichen Tag hatte der Kurs zeitweilig die 18.000-Dollar-Marke überschritten. Und zehn Tage zuvor lag er noch bei 10.000 Dollar.

Das hatte die deutsche Finanzaufsicht Bafin zum Anlass genommen, vor Investitionen in Kryptowährungen zu warnen, wie das auf Informationstechnologie spezialisierte Heise-Portal berichtete. Die US-Finanzaufsicht CFTC scheint das anders zu sehen: Am 1. Dezember hat sie „Futures“ auf Bitcoins genehmigt. Das bedeutet, dass Investor*innen darauf spekulieren können, dass der Bitcoinwert steigt oder fällt – ein hochprofitables und hochriskantes Geschäft.

Gegen Staat und Bankenmonopol

Bitcoin ist die bekannteste aller „virtuellen Währungen“ – einer Art Geld, die nur in Computern und nicht auf Bankkonten und in Brieftaschen existiert. Ursprünglich war Bitcoin die Spielwiese anarchistisch angehauchter Geeks, die von einer Währung jenseits von Staat und Großbanken träumten. Durch die 2008 entwickelte Blockchain-Technologie wurde es möglich, Transaktionen wie Überweisungen ohne zentrale Kontrolle und weitestgehend anonym vorzunehmen und trotzdem sicherzustellen, dass das Geld bei den Adressat*innen ankommt.

Im Gründungsjahr 2009 lag der Wert eines Bitcoins bei etwa einem Cent. Erst 2011 wurde die Parität mit dem Dollar erreicht. Anfang 2013 überschritt der Kurs die 100-Dollar-Marke, um gegen Jahresende einen Höchstkurs von über 1.200 Dollar zu erreichen. Dieser unglaubliche Kursanstieg, bis hin zu den jüngsten Rekorden, war allerdings immer wieder von Einbrüchen um 50 Prozent und mehr begleitet.

Grafikkarten als Gelddruckmaschinen

Von anarchistischen Idealen hat sich Bitcoin weit entfernt, darüber waren sich auch die Teilnehmer der „Heiseshow“ einig. (siehe unten; Video eingebettet). Man erfährt dort, woher der Kursanstieg eigentlich kommt und was mit der Währung wirklich gekauft wird. Die drei Technik-Experten erklären auch, warum man Grafikkarten zum „Bitcoin-Gelddrucken“ einsetzt, welche Rolle dabei der Strompreis spielt und wie zweifelhaft dies unter ökologischen Gesichtspunkten ist.

Ob man jetzt Bitcoins kaufen soll, darauf gibt das Videocast keine endgültige Antwort. Die Warnungen vor dem Platzen der Blase klingen plausibel. Aber das taten sie auch schon im März 2013, als der Kurs 200 Dollar erreicht hatte. Tatsächlich fiel der Wert kurzzeitig unter 100 Dollar, um danach wieder anzusteigen. Ein anarchischer Kursverlauf, wie man so schön sagt.

#heiseshow: Kurs-Rally ohne Ende – Wie geht es weiter mit Bitcoin? (30.11.2017)

 

Präzisierung: Bei Erscheinen des Artikels waren Bitcoin-Futures zwar genehmigt, doch der Handel damit hat erst am 11.12. begonnen.

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