STERBEHILFE: Das schmerzfreie Sterben

von | 24.01.2008

Die rezente Diskussion über aktive Sterbehilfe mit Ärzten im Mierscher Lieshaus zeigte, wie angstbesetzt das Thema nach wie vor ist.

„Meine Frage ist, ob das mit dem schmerzfreien und würdigen Sterben im Rahmen der Palliativmedizin wirklich klappt?“ – „Warum soll das nicht klappen?“ – „Die Möglichkeit einer aktiven Sterbehilfe würde mir als Sterbenskranker trotzdem viel Angst nehmen …“ So hörte sich der Schlagabtausch zwischen dem Publikum und den vom Mierscher Lieshaus geladenen Ärzten an, der am vergangenen Montag in Colmar stattfand. Thema waren das „Projet de loi sur les soins palliatifs“ der Regierung und die „proposition de loi sur le droit de mourir en dignité“ der Abgeordneten Lydie Err (LSAP) und Jean Huss (Déi Gréng). Beide Gesetzesvorhaben stehen im nächsten Monat in der Chamber zur Abstimmung.

Deutlich wurde, dass die meisten Ärzte – auch unter jenen, die an diesem Abend in Colmar anwesend waren – anscheinend nicht bereit sind, aktive Sterbehilfe zu leisten. So hat sich das Collège médical als offizielles Organ der Ärzte klar gegen die Euthanasie ausgesprochen. „Das heißt für mich auch, dass die Majorität der Mediziner in Luxemburg gegen die Euthanasie sind“, so der anwesende Internist Frank Jacob. Stattdessen plädiere er dafür, dass jeder Einzelne sich mit der Möglichkeit einer Patientenverfügung auseinandersetzen solle. Diese enthalte, etwa im Fall eines Komas, die persönlichen Behandlungswünsche, auch wenn letztlich der Arzt entscheide.

Begrüßt wird von allen Ärzten der Ausbau der Palliativpflege. Die Merscher Allgemeinmedizinerin Liliane Reuter glaubt, dass die Palliativmedizin zwar nach wie vor eine große Herausforderung ist: Dennoch mache sie die Diskussion um aktive Sterbehilfe obsolet. „Einer der Gründe, warum die Leute die Euthanasie wollen, ist ihre Angst vor der Realität“, so Frank Jacob. Dass es große Unsicherheiten und Ängste in der Bevölkerung gibt, das zeigte auch die kontroverse Diskussion. Angst vor dem Sterbeprozess, vor dem Leiden an sich, und auch angesichts der Frage, ob man in dieser finalen Lebenssituation nicht doch verlassen ist. „Ist unsere Gesellschaft so, wie wir uns das vorstellen? Es gibt viele ältere Leute, die alleine sind. Ich frage mich, ob wir nicht dabei sind, die Problematik zu romantisieren“, sagt Claude Adam, der als Abgeordneter von Déi Gréng, seiner Aussage gemäß wahrscheinlich für die Proposition Err-Huss stimmen will, auch wenn dies eine der schwierigsten politischen Entscheidungen sei, die er bislang zu treffen hatte.

Unter anderem gab es im Publikum Bedenken, ob die Schmerztherapie wirklich greift. Hinter dieser Sorge steckt die Angst vieler Patienten, dass die Palliativmedizin womöglich nicht so weit entwickelt ist, wie allgemein behauptet wird. Frank Jacob widersprach dem Argument, die Palliativmedizin sei in Luxemburg unterentwickelt, weshalb die Euthanasie notwendig sei: „Wir haben hier in Luxemburg proportional mehr Palliativbetten als in jedem anderen Land auf der Welt.“

Andererseits befürchteten die Teilnehmer, dass das Gesetzesprojekt Err-Huss nicht die notwendigen Sicherheiten biete, einem Missbrauch vorzubeugen. Bezweifelt wurde etwa die Kompetenz der Kontrollkommission, die die Fälle von aktiver Sterbehilfe rechtlich begutachtet, da sie aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nur bedingt und erst im Nachhinein Einblick in vollzogene Euthanasiefälle bekommt. Der Colmarer Allgemeinmediziner Georges Jacobs ist davon überzeugt, dass das Gesetz über die Euthanasie Probleme schafft: Falls etwa ein Pfleger eines bestimmten Patienten überdrüssig sei, bestehe die Gefahr, dass er die Qualität der Sterbebegleitung herabsetzt, um dadurch Druck auf den Patienten auszuüben und ihn zur Euthanasie zu drängen.

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