„Der Chavismus ist nicht reformierbar“

von | 16.05.2018

Am Sonntag wird in Venezuela gewählt. Klientelismus und Korruption können nur durch einen Bruch mit der Regierung Maduro gestoppt werden, meint der Gewerkschafter Santiago Arconada.

Hat noch bis vor zwei Jahren versucht, an der Rettung des Chavismus mitzuwirken: Der venezolanische Gewerkschafter Santiago Arconada. (Bildquelle: Internet)

Am kommenden Sonntag wird in Venezuela gewählt. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Bevölkerung hungert, und täglich verlassen rund 4.000 Menschen auf der Flucht vor dem Elend das Land. Die Oppositionsbewegung ruft zu einem Boykott der Wahlen auf. Der Grund: Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten der Rechten wurden von den Wahlen ausgeschlossen. „Leopoldo López steht wegen seiner Rolle bei den gewaltsamen Protesten 2014 unter Hausarrest“, und der ehemalige Präsidentschaftskandidat Henrique Capriles darf „wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten während seiner Zeit als Gouverneur des Bundesstaates Miranda 15 Jahre lang für kein politisches Amt kandidieren“, berichtet der Journalist Tobias Lambert vom „Medienkombinat Berlin“ in der tageszeitung.

Für die kommende Ausgabe der woxx hat Lambert ein Interview mit dem Gewerkschafter und Umweltexperten Santiago Arconada gemacht. Arconada ist seit fast 40 Jahren in der venezolanischen Linken als Gewerkschafter, Dozent und Sozialforscher aktiv, hat in den Armenvierteln eine partizipative Wasserverwaltung mit aufgebaut und war unter Hugo Chávez sowie Nicolás Maduro als Berater des Umweltministeriums und der Wasserwerke tätig.

Gegen den Wahlboykott

Seit Maduro jedoch im Februar 2016 ein Dekret unterzeichnet hat, das zwölf Prozent der Landesfläche dem Bergbau überantwortet, hat Arconada endgültig mit der Regierung gebrochen, da er nicht mehr an ihre Reformierbarkeit glaubt. Das System von Erdölextraktivismus, Klientelismus und Korruption könne nur durch ein Ende Chavismus gestoppt werden, so der Gewerkschafter: „Den vorsichtigsten Schätzungen zufolge sind unter der Herrschaft des Chavismus insgesamt 350 Milliarden US-Dollar durch Korruption und Veruntreuung von Devisen verschwunden.“ Auch die Verteilung von Lebensmitteltüten betrachtet Arconada als großes Problem, da die Armen sich dadurch immer weiter davon entfernten, „selbst über ihr Leben entscheiden zu können und mit ihrer eigenen Arbeit das zu verdienen, was sie brauchen“.

Den Boykott unterstützt Santiago Arconada nicht, auch wenn der neben Maduro einzige verbliebene Kandidat mit Chancen der ehemalige Chavist Henri Falcón von der wirtschaftsliberalen Partei „Avanzada Progresista“ ist. „Für mich geht es darum, bei der kommenden Wahl deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass ich nicht hinter diesem Mist stehe“, so Arconada. „Wenn genügend Leute genau das vermitteln, ist Maduro am Ende.“ Er selbst werde für den linksalternativen Kandidaten Reinaldo Quijada stimmen, obwohl er wisse, dass der chancenlos sei, „aber die Kandidatur eröffnet die Möglichkeit zu sagen, ich lehne die Korruption der Regierung strikt ab“.

Das Interview mit Santiago Arconada lesen Sie am Freitag in der gedruckten Ausgabe der woxx.

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