ARBEIT / BEHINDERUNG: Schwerer Einstieg

von | 13.12.2012

Der Diskussionsabend bei Info-Handicap zum Thema „Berufliche (Wieder-)eingliederung von Menschen mit Behinderungen“ hat gezeigt, dass es nach wie vor an einer berufsorientierten Schulausbildung und an einer Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren fehlt.

Was gibt es an Maßnahmen, um Menschen mit einer Behinderung eine Arbeit zu vermitteln? Sind sie ausreichend vernetzt, reichen sie aus? Das sind nur zwei der Fragen, die diese Woche bei dem von Info-Handicap organisierten Rundtischgespräch zum Thema „Berufliche (Wieder-)eingliederung von Menschen mit Behinderungen“ im Mittelpunkt standen. Luxemburg hat die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, und es wurde ein Aktionsplan, unter anderem zum Thema Arbeit, erstellt, um den Inhalten der Konvention Rechnung zu tragen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Bestandsaufnahme des aktuellen Systems sinnvoll.

Anwesend bei der Veranstaltung waren denn auch Vertreter des Arbeitsamtes, des „Département des travailleurs handicapés“ des OGBL, der „Union des Entreprises Luxembourgeoises“ und von Beratungsstellen wie dem „Réseau pour le Travail et la Promotion Humaine“ (RTPH) und dem „Job Coaching“.

„Gerade in den letzten Jahren ist es extrem schwer geworden, Menschen mit Behindertenstatus auf eine Arbeitsstelle zu vermitteln oder in Arbeit zu behalten“, stellt Jeff Hurt von der Adem fest. Und das, obwohl es finanzielle Anreize für den Arbeitnehmer gibt, der eine behinderte Person einstellt.

Festgehalten wurde auch an diesem Abend, wie wichtig adäquate Weiterbildungen oder überhaupt die Schulausbildung ist, um Menschen mit Behinderungen auf das Berufsleben vorzubereiten und nicht nur in die bereits überfüllten „Ateliers protégés“ umzulenken. Zu viele Menschen mit Behinderungen arbeiten in „beschützten“ Werkstätten oder sind in ihrer Berufswahl drastisch eingeschränkt. Die Ausbildungen müssten sich stärker an den Bedürfnissen des aktuellen Arbeitsmarktes orientieren. Dazu sei auch ein regelmäßiges Feedback und ein Austausch mit Arbeitgebern notwendig. Es müsste viel früher ein Netzwerk zwischen Arbeitgebern und Schulen geschaffen werden, auch um über Praktikumsmöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können. „Zu kurz gekommen ist in der Vergangenheit auch die Weiterbildung der Personaldelegierten in diesem Bereich. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um Vorurteile abzubauen oder die Barrieren in den Köpfen zu beseitigen“ so Carlos Perreira vom OGBL.

„Viele traditionelle Berufe sind dabei zu verschwinden. Und wenn jemand über eine längere Phase krank war und wieder arbeiten will, muss erst einmal herausgefunden werden, was er kann und was möglich ist“, so Andrée Biltgen vom RTPH. Schwierig werde es auch, wenn im Rahmen von Weiterbildungen nicht auf die konkreten Bedürfnisse einer behinderten Person eingegangen wird, also zum Beispiel einer sehbehinderten Person nicht das angemessene aktuelle Lernmaterial zur Verfügung gestellt werden kann.

Unternehmen ziehen es meist vor, behinderte Mitarbeiter einzustellen, die schon vorher dort gearbeitet haben, statt anderen durch Neueinstellungen eine Chance einzuräumen, erklärt Pierre Bley, UEL-Direktor. „Hier fehlt es noch an Aufklärung. Viele Arbeitgeber schrecken auch vor einer Einstellung zurück, da sie Angst vor einer zu intensiven Betreuung haben“. Eine Hilfestellung bei der Einarbeitung oder Arbeitsorganisation könnte die persönliche Assistenz leisten, ein Konzept, das schon seit längerem von der behinderungsübergreifenden Selbstvertreterorganisation „Nëmme mat eis“ gefordert wird. Ein persönlicher Assistent – bezahlt mit dem Geld, auf das die Menschen mit einer Behinderung ohnehin Anspruch haben – könnte hier auch mehr Freiräume schaffen.

Weitere Infos unter:
http://www.info-handicap.lu/

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