WOXX-PROJEKT: Neu gedacht

von | 21.02.2013

Anfang Februar diskutierte das woxx-Team die Zukunft des Projekts mit interessierten LeserInnen.

„Et war net keen“, würde Luxemburgs oberster Staatsanwalt sagen, wenn er über den Zulauf bei der außerordentlichen Generalversammlung am 4. Februar berichten müsste. Die Angst, niemand würde sich an einem frostigen Winterabend ins Hollericher Circolo verlieren, nur um über die Perspektiven eines in die Jahre gekommenen Zeitungsprojekts zu debattieren, hatte sich als übertrieben herausgestellt: Am Ende waren es doch gut zwei Dutzend Leute, die sich direkt am Meinungsbildungsprozess beteiligten. In den Tagen zuvor hatte es auch einige Rückmeldungen per E-mail gegeben, von Leuten, die zwar absagen mussten, dennoch aber ihr Wörtchen mitreden wollten.

Als erstes wurde eine im Frühsommer bei 30 woxx-LeserInnen durchgeführte qualitative Umfrage vorgestellt. Sie machte eine doch starke Identifizierung der Leserschaft mit dem Projekt deutlich, das als links-ökologisch bzw. alternativ charakterisiert wird.

Weniger eindeutig ist die Einschätzung der Stärken und Schwächen des Blattes. Am deutlichsten wird das beim Agenda-Teil, der von einigen ausgesprochen geliebt, von anderen aber missmutig abgetan wird. Ähnliches gilt für die thematische Gewichtung der Zeitung. Dass „harte“ Wirtschaftsthemen nicht genug in der Zeitung vorkommen, wusste man schon vorher. Doch bei Leib- und Magenthemen wie Umwelt oder Gender divergieren die Meinungen.

Eine kurze Präsentation der Finanzsituation ergab ein nicht weniger zwiespältiges Bild: Nach zwei Krisenjahren, die die Rücklagen der Zeitung ziemlich stark strapaziert hatten, wird das Ergebnis 2012 mit einer „schwarzen Null“ oder nur knapp darunter enden. Damit ist zwar die ökonomische Zukunft zunächst gesichert, aber es bleiben eben nur wenig Mittel übrig, um neue Wege zu beschreiten.

Einer dieser Wege ist die bessere Integration der woxx ins Internet. Wobei die woxx-Leserschaft sich als nicht sehr Internet-affin zu erkennen gibt: Nur ein Drittel der UmfrageteilnehmerInnen kannte überhaupt die woxx-Internetseite.

Bei der Vollversammlung war die Forderung, dass die woxx-Internetpräsenz interaktiver gestaltet werden müsse, kaum umstritten. Auch wenn die „ältere“ Generation die Haptik der gedruckten Zeitung nicht missen will, so gilt es doch, die Jüngeren, die sozusagen mit eigenem Facebook-Account auf die Welt gekommen sind, ebenfalls für das Projekt zu gewinnen. Doch wie zuvor schon beim woxx-Team entfachte sich der Streit am Problem der Zahlungspflichtigkeit des Internetzugangs.

Die Vorstellung einer „Pay Wall“ und der Chancen, die sie den Betreibern bietet, auf ihre Kosten zu kommen, löste jedenfalls heftige Diskussionen aus, die sich noch Tage später über Twitter hinzogen. Der Kompromiss dürfte lauten, dass die InternetleserInnen freundlich aber bestimmt auf die Kosten, die das Zeitungmachen verursacht, hingewiesen werden, dass die „Mauer“ aber ohne Obolus überwunden werden kann.

Noch gilt es, die Rückmeldungen der LeserInnen und DiskussionsteilnehmerInnen auszuwerten. Derzeit werden auch die technischen Möglichkeiten ausgelotet. Ende März, nach der Jahreshauptversammlung, wird es dann konkret – sofern die Finanzierung, per üblichem Bettelbrief, gesichert werden kann.

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