Die Retrowelle rollt: Auf ihr surfen im hohen Norden die fĂĽnf Jungs von den Convertibles in Glitzerhemden und schnieken Schuhen langsam aber bestimmt dem Erfolg entgegen.
Eine Zeitreise wäre sicher erholsamer gewesen. Sogar Marty McFly bewegte sich seinerzeit ungehinderter fort als einE AutofahrerIn auf luxemburgischen Straßen. Besonders an Sonntagen stellen sich Dorffeste, Kirmessen und Radrennen den Fortbewegungswilligen keck in den Weg und erinnern an eine Zeit, als der Asphalt noch nicht exklusiv den Blechkolonnen gehörte. Nach der zehnte Polizeiblockaden kommt langsam das Gefühl auf, Eppeldorf müsse wohl am Ende der Welt liegen oder zumindest in einer anderen Zeitrechnung.
In Eppeldorf haben die Hobby-Nostalgiker von „The Convertibles“ ihr Quartier, beziehungsweise ihren Probesaal, aufgeschlagen. „Wir sind keine Bluesgruppe“ sagt Sänger Ralf, der sich auf der BĂĽhne gerne Alvis nennt, und er betont es mit Nachdruck. Rock’n’Roll ist die Devise, nach Art der FĂĽnfziger, die groĂźen Vorbilder sind Chuck Berry, Charlie Perkins und natĂĽrlich Elvis. Bei Erwähnung des Kings zucken die ĂĽbrigen vier Convertibles merklich zusammen. „FĂĽr Puristen gehen Chuck Berry oder Little Richard in Ordnung, aber sobald man Elvis erwähnt, wird man in eine Nische gedrängt“, sagt Mulles, Gitarrist und MitbegrĂĽnder der Combo. Ralf „Alvis“ grummelt derweil vor sich hin: „FĂĽr mich sind Elvis-Imitatoren ein rotes Tuch.“
Ăśberhaupt mag die Truppe den Begriff Imitieren oder Coverband ganz und gar nicht. „Wir versuchen nicht die StĂĽcke eins zu eins nachzuspielen“, erklärt Gitarrist Dan, „sondern wir möchten vor allem den Sound der Zeit wiederfinden.“ Mulles, auch liebevoll „de Bibliothekär“ genannt, verlässt die Veranda, um sich fĂĽrs Foto in Schale zu werfen. Die Liebe zum Detail, die hier zu Tage kommt ist schon erstaunlich. Auf dem Volumenknopf von Dans Gretsch-Gitarre räkelt sich ein Fifties-Playmate. Die Originale aus dem goldenen Zeit des Rock’n’Roll, vor allem die Sun-Records-Produktionen wurden unzählige Male angehört. Und Dans Begeisterung ist offensichtlich, wenn er beschreibt, wie viel Freude ihm das Sich-Reinhören in die StĂĽcke macht und wie er versucht, deren Finessen zu verstehen.
Dabei hatten alle fĂĽnf ursprĂĽnglich ganz andere Ambitionen. Ralf hatte seine Liebe zu Elvis, den er als Zwölfjähriger entdeckte, fast schon wieder vergessen und Dan suchte eigentlich nach einer experimentellen Funk-Band. Es war Mulles, der die Idee hatte, ein ganz bestimmtes Konzept zu entwickeln, und sich so konsequent wie möglich innerhalb dieses Rahmens zu bewegen. Wo andere Gruppen sich mit dem Ziel zusammenfinden etwas Neues zu erschaffen, wollten „The Convertibles“ vor allem das Vergangene zu neuem Leben erwecken. Gerade weil die Erwartungen von Anfang an niedrig waren, wuchsen die FĂĽnf plötzlich ganz unerwartet ĂĽber sich hinaus. Sogar Eigenkompositionen gehören inzwischen zum Repertoire. „Cripple Rock“ heiĂźt das gerade abgemischte StĂĽck und bezieht sich auf den lädierten Gesundheitszustand der verschiedenen Bandmitglieder.
Allen selbstironischen Understatements zum Trotz haben sie GroĂźes vor. Gerne wĂĽrden sie bei einem Festival auftreten oder als Vorband von internationalen Acts. Leider behindert sie bei diesem Vorhaben das Coverband-Image das ihnen anhaftet. „Dick Brave and the Backbeats durften ja schlieĂźlich auch bei Pink spielen“, sinniert Ralf.
Die fĂĽnf Convertibles drängen sich im engen Proberaum fĂĽrs Foto zusammen. Dass bei ihnen die Chemie ganz besonders stimmt, das behaupten ja die meisten Bands. Dan drĂĽckt es vorsichtig aus: „Eine gewisse Minimalsympathie ist schon vorhanden.“ Seit rund drei Jahren gibt es sie nun, zwei bis dreimal im Monat treten sie auf, in kleinen CafĂ©s und in letzter Zeit auch immer öfter auf privaten Partys. Sie erzählen gerne davon, wie sie auch die widerwilligsten Zuschauer frĂĽher oder später zum Tanzen kriegen.
Aber immer wieder zeigt sich auch eine gewisse Verbitterung darĂĽber, dass sie manchmal nicht ernst genommen werden. „Wir sind keine Clowns „, sagt Ralf. Besonders die ältere Generation, die den Rock’n’Roll selbst miterlebt hat, aber auch Teenager lieĂźen sich gerne auf das Konzept der Convertibles ein. Nur die 30 bis 50-Jährigen täten sich schwer damit. Diese Blockade möchten die FĂĽnf jetzt auch noch brechen, unter anderem mit einer ersten Platte, die im Winter erscheinen soll, und die zur Zeit in Kontrabassist Arsènes Heimstudio entsteht. „Wir stehen an einem Wendepunkt“, sagt Dan. Ab jetzt wird’s ernst fĂĽr die Entertainer. Oder vielleicht wird auch alles anders, nicht umsonst nennen sie sich The Convertibles und halten sich mit dem wandelbaren Namen die Möglichkeit eines Imagewechsels offen.
Auf der Heimfahrt von Eppeldorf am frĂĽhen Abend sind die Blockaden abgebaut, die WĂĽrstchenbuden packen ein und nur hie und da ist noch ein Freizeitradler auf dem Weg zurĂĽck ins Jetzt.
Nähere Informationen: www.convertibles.lu

