MUSIKMESSE POP UP: Der Geschmack luxemburgischer Musik

von | 18.05.2007

Seit fĂĽnf Jahren ist Luxemburg auf der alternativen Musikmesse Pop Up in Leipzig vertreten. Dieses Jahr als „Projet Bureau Export de la Musique Luxembourgeoise“.

Keine schwarze Messe, dafĂĽr aber eine alternative:
Die Pop Up in Leipzig versammelt schon seit sechs Jahren den Indie- Musikbetrieb. (Foto: popup.de)

Auf den Plakaten, die die AuĂźenwände der Leipziger Kulturfabrik zieren, reihen sich die Namen der Aussteller ĂĽber viele Zeilen. Wer sich die Zeit nimmt und ĂĽber scharfe Augen verfĂĽgt, kann in mikroskopisch kleiner Schrift auch einen Stand mit dem seltsamen Namen „Projet Bureau d’Export de …“ identifizieren. Möglicherweise war dieser Titel den Organisatoren etwas zu lang und ihnen entging sein tieferer Sinn. Diesen zu finden ist auch nicht so einfach – nicht nur dass man in Deutschland mit ellenlangen französischen Bezeichnungen nicht besonders weit kommt, auch weil das Projekt selbst noch in den Kinderschuhen steckt.

Aber der Reihe nach. Die Pop Up ist eine Musikmesse, die sich als Alternative zu den groĂźen Messen wie der Midem in Cannes oder der Popkomm in Berlin versteht. Hier treffen sich bereits seit sechs Jahren kleine Plattenvertriebe, Fanzines, Webportale, KĂĽnstleragenturen und andere Mitglieder der Indie-Community, um die gegenseitige Vernetzung weiter nach vorn zu treiben und um sich, in einem gewissen Sinne, eine Daseinsberechtigung zu geben. Fernab der groĂźen Majors und des allgemeinen Musikgeschmacks werden hier kleine Bands promotet, die – im besten Falle – gar nicht zu den „GroĂźen“ aufstoĂźen wollen. Soll heiĂźen: Hier lebt die Szene noch, hier werden keine Retortenbands gefördert, hier wird viel mehr dem Underground-Kult gehuldigt. Entsprechend alternativ ist auch der Dress-Code in der stillgelegten Gasmesserfabrikhalle – keine Männer in Krawatten weit und breit, sondern Kapuzenpullis und T-Shirts, bedruckt mit meistens sehr obskuren und sehr lokalen Bandnamen. Um die Messe herum gibt es jede Menge Fortbildungen fĂĽr Labelinhaber sowie Diskussionsforen zur Zukunft und Gegenwart des alternativen Pop-Bereichs.

Und mittendrin: das luxemburgische Kulturministerium. Die BesucherInnen staunen nicht schlecht, wenn ihnen Gratis-Compilations in die Hände gedrĂĽckt werden – mit der Erklärung: „Alles vom Ministerium bezahlt“. Eine solche staatliche Kulturförderung ist man in Europa allenfalls von Frankreich gewöhnt. „Jedesmal, wenn eine französische Band im Ausland spielt, hat das ExportbĂĽro des Kulturministeriums seine Hände im Spiel“, berichtet Ann MĂĽller, die bisher einzige Mitarbeiterin des „Projet Bureau Export de la Musique Luxembourgeoise“. Sie muss es wissen, denn als Kulturbeauftragte der Luxemburger Botschaft in Berlin hat sie ein sechsmonatiges Praktikum im französischen ExportbĂĽro hinter sich. Es war ihre Idee, ein solches Projekt auch in – oder besser gesagt auĂźerhalb Luxemburgs – zum Leben zu erwecken. Seit ein paar Monaten schon ist sie ein paar Stunden die Woche als Freelancerin beim Kulturministerium tätig und versucht, das Projekt voranzutreiben. „Die Hauptschwierigkeiten fĂĽr luxemburgische Bands bestehen darin, dass sie schwer ins Ausland vermittelbar sind und sie in Luxemburg ziemlich schnell sämtliche Konzertvenues durchgespielt haben. Es gibt ein BedĂĽrfnis nach einer besseren Repräsentanz im Ausland“, so MĂĽller. Am französischen Vorbild kann sich die luxemburgische Variante des ExportbĂĽros allerdings nicht orientieren. „Die Situation bei uns ist vollkommen anders“, sagt Ann MĂĽller. „Während es in Frankreich die Plattenindustrie war, die die Schaffung eines ExportbĂĽros verlangte, gibt es in Luxemburg nicht einmal eine nennenswerte Lobby, die den nötigen Druck ausĂĽben könnte.“ Die Arbeit ihres BĂĽros – sollte es die Projektphase ĂĽberleben (der Vertrag läuft Mitte 2007 aus) – sieht MĂĽller eher im Bereich der Vermittlung von Locations, an denen Bands spielen können, sowie in einer Repräsentanz gegenĂĽber der ausländischen Presse, die oftmals schon nicht glauben will, dass es ĂĽberhaupt nennenswerte Musiker im GroĂźherzogtum gibt.

Deshalb ist Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Zumal, seitdem das Kulturministerium erkannt hat, dass sich mit Kulturexporten auch Geld verdienen lässt. Zu diesem Zweck wurden auch die teuren Stände an der Midem in Cannes oder der Berliner Popkomm finanziert.

Der Stand an der Pop Up dagegen verfĂĽgt nicht ĂĽber den Glamour eines superreichen Kleinstaats, sondern besteht aus einem wackligen Holztisch, zwei klapprigen PlastikstĂĽhlen, ein paar Bannern, einem Discman mit Kopfhörer und vielen CD’s. Das liegt nicht an subversiven Strategien, die in der MontĂ©e de la PĂ©trusse ausgeheckt wurden, um sich so besser in der alternativen Musikbranche einen Namen zu machen, sondern an der Natur der Messe selbst und daran, dass die Luxemburger sich schon seit fĂĽnf Jahren an der Pop Up selbst vertreten. Nur ist diesmal das Ministerium auch mit von der Partie.

In den vorigen Jahren tummelten sich am Luxemburger Stand Vertreter diverser Labels, darunter das ehemalige DDR-Label noiseworks, das sich jetzt in luxemburgischer Hand befindet und den Anfang machte, oder Gesellschaften wie die Sacem-Luxembourg sowie Kollektive wie Schalltot, Queesch und Winged Skull. Die sind auch dieses Jahr wieder vertreten und sehen die offizielle Präsenz eher als Anerkennung denn als Störfaktor. Jedenfalls ist die Stimmung gut, die Diskussionen sind angeregt und nachmittags wird auch das eine oder andere Bier aus dem Heimatland geöffnet – eine Nachricht die ziemlich schnell die Runde in der Halle macht.

Die Interessen sind im Grunde genommen die gleichen und einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium steht im Prinzip nichts im Wege. So hat das “ Projet Bureau Export de la Musique Luxembourgeoise“ schon einigen einheimischen Kollektiven Adressen im Ausland besorgt, um ihre Bands dort touren zu lassen. Die landes-interne Kommunikation scheint jedoch nicht immer die Beste zu sein. Einige der Bands auf den Gratis-Compilations des Ministeriums gibt es entweder schon nicht mehr oder sie haben schon seit Jahren keine Live-Auftritte mehr absolviert. Anderen fehlt einfach die Relevanz um im Ausland gebucht zu werden, wie zum Beispiel luxemburgisch-sprachige Acts. Offensichtlich mangelt es dem Ministerium noch an Kriterien und Richtlinien fĂĽr das ExportbĂĽro. Und während die MĂĽhlen der BĂĽrokratie sich langsam weiter drehen, werden am Stand Kontakte geknĂĽpft und Geschäfte gemacht.

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