ANDERS-THOMAS JENSEN: Adams Aebler

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das offenbart das introspektive Seelendrama um einen Pfarrer und einen kriminellen Neonazi.

Es gibt sicher Angenehmeres als einen Neonazi im Haus zu haben.

Stumm und abweisend tritt der Neonazi Adam (Ulrich Thomsen) seinem Bewährungshelfer Pfarrer Ivan (Mads Mikkelsen) entgegen. Obwohl Adam am Liebsten einen großen Bogen um den Geistlichen machen möchte, ist er wohl oder übel dazu verpflichtet erst die ihm auferlegten Sozialstunden abzuarbeiten. Als einschlägig bekannter Neonazi wird er im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms aufs Land versetzt.

Pfarrer Ivan stellt seinen Schützlingen frei, welche Aufgabe sie während ihrer Zeit in der Kirchengemeinde bewältigen möchten. mehr lesen / lire plus

GAVIN HOOD: Tsotsi

Der Regisseur Gavin Hood illustriert die Armut und den rauen Alltag Südafrikas, ohne belehrend oder sentimental zu wirken. Auch die Vorlage, der 1980 erschienene Roman von Athol Fugar, inszeniert keine unrealistische Wandlung der Hauptfigur vom rücksichtslosen Gangster zum pazifistisch gesinnten Wohltäter. Buch und Film zeigen vielmehr, wie eine einzige Begebenheit individuelle Schicksale grundlegend ändern kann.

Im Utopia mehr lesen / lire plus

TONY KRIER: Vivre sa passion

Da der Jubel um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erst kürzlich abgeklungen ist, sind die Bilder des kommerziell orientierten Rummels noch recht präsent in unseren Köpfen. Wie bodenständig hingegen 1950 das Fußballspiel Spora gegen Union war, zeigt inmitten anderer Momentaufnahmen die Fotosammlung „Tony Krier: Vivre sa passion“. Es lohnt sich einen Blick auf die Schwarz-Weiß Bilder zu werfen, die neben vergangener sportlicher Leistungen einen bewegenden Eindruck vom Luxemburger Alltag Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts vermitteln. Besonders das hauptstädtische Treiben in der Nachkriegszeit ist Themenschwerpunkt der Ausstellung. Josette Jaminet beispielsweise lächelt 1957 als Gewinnerin der Miss-Luxemburg-Wahl in die Kamera, während auf einem anderen Foto von 1949 die Arbeiter der Schuhfabrik „Voossen“ in der Bahnhofsstraße zu sehen sind. mehr lesen / lire plus

KINO: Rote Fadenwolle

Kritik an dubioser Behördenschlamperei oder Tribut an
clevere Gaunertricks? Inside Man ist beides, aber keines so richtig.

Die Lösung des Falls lässt noch auf sich warten.

„Ich wähle meine Worte mit Bedacht und wiederhole mich deshalb auch nicht“. Mit dieser knappen Einlage stellt sich der gewitzte Bankräuber Dalton Russel (Clive Owen), dem Zuschauer vor. Im ersten Augenblick geben diese Anfangszeilen, zusammen mit vorangehender orientalischer Musik und beeindruckenden Großstadtaufnahmen, dem Zuschauer Anlass sich auf reines Unterhaltungskino zu freuen. Manchmal kann weniger mehr sein, doch im Falle von Inside Man zieht sich die anfängliche Aussage wie ein roter, aber nicht besonders glücklich gewählter Leitfaden durch den weiteren Handlungsablauf. mehr lesen / lire plus