Bildungspolitik: „Wou wëlle mer hin?“

von | 19.09.2025

Diese Woche stellte die LSAP ihre bildungspolitische Vision unter dem Motto „Eng Schoul, an där jidderee sech wuel fillt“ vor. Besonders kritisch war die Oppositionspartei dabei allerdings nicht.

Sacha Pulli, Ben Polidori und Francine Closener (v.l.n.r.) stellten am Mittwoch die bildungspolitischen Forderungen der LSAP vor. (Foto: woxx)

Gerecht, inklusiv, partizipativ und psychosozial unterstützend – so stellt sich die LSAP die Bildungslandschaft der Zukunft vor. Es brauche mehr konventionierte Kitas, mehr Regelschulen sowie mehr Ressourcen für Kompetenzzentren. „Vill Leit hunn d’Flemm“, fasste LSAP-Präsidentin Francine Closener am Mittwoch gegenüber der Presse ihren Eindruck zusammen. Ziel sei ein Schulsystem, das alle Kinder – unabhängig von Herkunft, sozialen Bedingungen oder sprachlichem Hintergrund – gleichberechtigt begleitet und fördert. Ein System, das vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss von einem gemeinsamen pädagogischen Konzept getragen wird.

Einheitlich und inklusiv

Die LSAP schlägt vor, die öffentlichen Europäischen Schulen und die traditionellen öffentlichen Schulen strukturell zusammenzuführen, um ein einheitliches System zu schaffen. Schüler*innen und Eltern müssten frühzeitig und umfassend über ihre Optionen informiert werden, um fundierte Bildungsentscheidungen treffen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der individuellen Förderung. Im Grundschulbereich soll schulische Unterstützung konsequent ausgebaut werden, insbesondere für Kinder mit Lernrückständen oder erhöhtem Förderbedarf. Für die Sekundarstufe fordert die Partei transparente Promotionkriterien sowie eine modular strukturierte Gewichtung von Haupt- und Nebenfächern.

Ein besonderes Anliegen ist der LSAP die schulische Inklusion. Mehr spezialisiertes Personal, eine feste Ansprechperson für betroffene Familien sowie eine garantierte Platzvergabe in Kompetenzzentren sollen hier für bessere Unterstützung sorgen. Darüber hinaus will die Partei Inklusion über die Schule hinausdenken – etwa durch eine engere Zusammenarbeit mit den Maisons relais, durch inklusivere Freizeitangebote und durch den Ausbau der Kooperation mit den Ateliers protégés.

Ein weiterer zentraler Baustein der Vision betrifft das körperliche, mentale und soziale Wohlbefinden von Schüler*innen und Personal. Gefordert wird unter anderem die Integration psychischer Gesundheit in die schulmedizinische Betreuung sowie die Verankerung entsprechender Inhalte in der Ausbildung von Lehr- und Betreuungspersonal. Bewegung und Sport sollen zudem als Mittel zur Gesundheitsförderung stärker in den Schulalltag integriert werden.

Abschließend fordert die LSAP, die partizipative Gestaltung des Schulalltags verpflichtend zu verankern. Kreativität, kritisches Denken und demokratische Prozesse sollen gezielt gefördert werden, Schüler*innen, Eltern und Personal gleichberechtigt an der Entwicklung und Gestaltung ihrer Schule mitwirken können.

Auf die Frage, was die LSAP konkret an der Bildungspolitik von Minister Claude Meisch kritisiere, erklärte Francine Closener, man wolle in erster Linie Denkanstöße liefern. Was solle das luxemburgische Schulmodell eigentlich erreichen? Sollen Regelschulen langfristig durch Europaschulen ersetzt werden? Derzeit existieren beide Systeme nebeneinander – was, so Closener, der sozialen Kohäsion schade.

Grundsätzlich stellt die LSAP die bildungspolitische Ausrichtung der Regierung jedoch nicht infrage – viele ihrer Vorschläge decken sich inhaltlich mit den bestehenden Zielen. Offen bleibt, ob es der Partei gelingt, mit ihrer Initiative konkrete Impulse in der politischen Debatte zu setzen.

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