(cl) – Aufklärerische Insistenz wird als moralschwangere Verbohrtheit abgetan, aktivistische Gegengewalt radikal unterdrückt: Laetitia und ihre Freund*innen sind durch den fortschreitenden Klimawandel zutiefst beunruhigt und protestieren gegen die Pläne der Regierung, ein Atommüll-Endlager in Lothringen zu errichten. Doch die Polizei antwortet mit entfesselter Brutalität, das persönliche Umfeld mit Unverständnis und Hohn – der Kampf, den die Aktivist*innen führen, scheint also, obgleich edel, auch vergeblich zu sein. In ihrem sich im weiten Feld zwischen Lyrik und Prosa ansiedelnden Debüt „Bis alles brennt“ schreibt Hélène Laurain über einen Widerstand, der das Gepräge einer abgründigen Verzweiflung trägt. Die Autorin setzt dabei jedoch nicht auf ausufernden Pathos und Effekthascherei, sondern auf Bündigkeit und sprachliche Einfachheit, welche die Erzählstruktur – ein temporeicher wie loser Szenenzusammenschnitt – auf erstaunliche Weise komplimentiert, vielleicht sogar erst ermöglicht. So ist ein Versroman entstanden, dessen aufschäumende Kraft einen packt, mitzieht, nicht ohne Weiteres loslässt.
Buchtipp: Reden für die Menschlichkeit
„Die Rede ist ein performatives Genre mit dem Charakter einer Produktwerbung, aber für eine Idee“, schreibt Saša Stanišić im Vorwort seiner Redensammlung „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“. Ziel der Rede sei es, das Publikum dazu zu bringen, diese Idee in die Welt hinauszutragen. Gleich die erste der...


