(cl) – Aufklärerische Insistenz wird als moralschwangere Verbohrtheit abgetan, aktivistische Gegengewalt radikal unterdrückt: Laetitia und ihre Freund*innen sind durch den fortschreitenden Klimawandel zutiefst beunruhigt und protestieren gegen die Pläne der Regierung, ein Atommüll-Endlager in Lothringen zu errichten. Doch die Polizei antwortet mit entfesselter Brutalität, das persönliche Umfeld mit Unverständnis und Hohn – der Kampf, den die Aktivist*innen führen, scheint also, obgleich edel, auch vergeblich zu sein. In ihrem sich im weiten Feld zwischen Lyrik und Prosa ansiedelnden Debüt „Bis alles brennt“ schreibt Hélène Laurain über einen Widerstand, der das Gepräge einer abgründigen Verzweiflung trägt. Die Autorin setzt dabei jedoch nicht auf ausufernden Pathos und Effekthascherei, sondern auf Bündigkeit und sprachliche Einfachheit, welche die Erzählstruktur – ein temporeicher wie loser Szenenzusammenschnitt – auf erstaunliche Weise komplimentiert, vielleicht sogar erst ermöglicht. So ist ein Versroman entstanden, dessen aufschäumende Kraft einen packt, mitzieht, nicht ohne Weiteres loslässt.
Buchtipp: Die Rettung
Um eine Vorstellung von den Auswirkungen der Klimakrise zu bekommen, brauchen wir Geschichten über die Klimakrise. „Die Rettung“ von Charlotte McConaghy hätte eine solche Geschichte sein können. Sie ist an einem sehr interessanten Ort angesiedelt: Auf einer kleinen (fiktiven) Insel zwischen der Antarktis und Australien lebt ein Vater allein...


