Toni wacht auf – und ist auf einmal Mutter eines fünf Wochen alten Babys. Sie wird nun Antonia genannt, lebt verheiratet mit ihrer Jugendliebe in einem großen Haus im Heimatdorf und wird völlig unvorbereitet mit der körperlichen Realität von Schwangerschaft und Geburt konfrontiert. Statt in Bars zu gehen, besucht sie nun Muttergruppen, zusammen mit Menschen von früher, an die sie sich nur vage erinnert. Parallel dazu erzählt Anne Sauer in ihrem Debütroman „Im Leben nebenan“ von Tonis anderem Leben in der Großstadt, wo sie Zeit mit ihren Freund*innen, ihrem Partner und sich selbst verbringt – und sich fragt, ob sie die Rolle der Mutter überhaupt ausfüllen möchte. Anne Sauer wagt hier ein faszinierendes Gedankenexperiment, indem sie zwei alternative Lebensentwürfe wertfrei nebeneinanderstellt. In abwechselnden Kapiteln – mal Toni, mal Antonia – wird sichtbar, wie unterschiedlich beide Wege verlaufen, welche Möglichkeiten sie eröffnen, wo sich Parallelen zeigen und welche Entscheidungen prägend sind. Der Roman behandelt nicht nur Mutterschaft, sondern auch Selbstbestimmung, gesellschaftliche Erwartungen und die körperlichen und emotionalen Erfahrungen einer Frau in den Dreißigern. Mit viel Empathie schildert Anne Sauer die Konsequenzen von Entscheidungen, die großen und kleinen Gefühle und die vielfältigen Wege, die ein Leben nehmen kann.
Buchtipp: Portia Elan – Homebound
In ihrem Sci-Fi-Roman „Homebound“ erzählt Portia Elan nicht nur eine, sondern gleich drei Geschichten, die alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten spielen: 1983, 2078 und 2586. Am Ende des 20. Jahrhunderts muss die gerade erwachsen gewordene Becks den Tod ihres Onkels verarbeiten und findet Trost in einem Computerspiel, das dieser für sie...

