Cats in Art History: What’s new, pussycat?

Katzen und Kultur: Wie das zusammenpasst, zeigt eine Ausstellung des digitalen Universal Museum of Art. Die Schau hätte aber besser auf frauenfeindliche Werke verzichtet und dafür einen Bogen zur Popkultur schlagen können.

Gefürchtet oder vergöttert? Nicht alle Kulturkreise sind sich einig, wenn es um die Katze geht.

Eine Ausstellung des digitalen Universal Museum of Art und der Réunion des musées nationaux – Grand Palais führt auf Samtpfoten durch die Kultur- und Kunstgeschichte: „Cats in Art History“ zeichnet die Darstellung der Katze in verschiedenen Epochen und Kulturkreisen nach. Die Räumlichkeiten des Universal Museum of Art werden digital erstellt, was den Kamin in einem der Säle erklärt. In der Nähe von physischen Leinwänden wäre das eine erhebliche Gefahrenquelle. Technisch gesehen ist die Ausstellung gelungen, nur mangelt es ihr an wichtigen Stellen an Tiefe.

In einem Raum mit Marmorboden und verschnörkelten Säulen markieren eine Skulptur der ägyptischen Göttin Bastet und eine nordindische Katzenfigur den Einstieg in den Themenbereich „Fabulous Felines“. Dort geht es es sowohl um die Huldigung als auch um die Verfolgung der Fellnasen. Während die Katze in Ägypten und auf dem asiatischen Kontinent über Jahrhunderte hinweg vergöttert wurde, stand der Westen ihr misstrauisch gegenüber. Schwarze Katzen galten im Mittelalter als Komplizinnen dunkler Mächte. Die künstlerischen Interpretationen des Katzenmotivs reichen von den besagten Skulpturen über ein Gemälde von Édouard Manet und der Lithografie von Théophile Alexandre Steinlen zur Tournée du Chat Noir von Rodolphe Salis bis hin zu einer Chalkografie von Charles Le Brun, die Mischwesen aus Katze und Mensch darstellt.

Im Bereich „Cats and Cuddles“ steht Kunst zur Katze als Haustier im Vordergrund. In einem Zimmer mit Samtvorhängen und dem eingangs erwähnten Kamin gibt es Porträts zu entdecken, unter anderem „Sita et Sarita, ou Jeune fille au chat“ der amerikanischen Künstlerin Cecilia Beaux. Die meisten Werke entstanden zwischen dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert. Die Katze taucht hier vor allem in Porträts von Frauen auf. Diese wurden, so der per Mausklick aufrufbare Ausstellungstext, ihrer Art wegen mit dem Tier assoziiert und teilweise sexualisiert. Dieser Aspekt wird in der Schau angesprochen, aber nicht weiter diskutiert.

Das ist der Schwachpunkt der Ausstellung: Sie reproduziert frauenfeindliche Darstellungen unkritisch. Ähnlich verhält es sich mit einem Werk, das ein Stockwerk höher hängt. Im Bereich „Here, there“ ist „Thérèse rêvant“ von Balthasar Klossowski de Rola ausgestellt. Das Bild zeigt ein junges Mädchen, das mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl sitzt. Die Katze trinkt in der unteren Bildecke Milch. Im Mittelpunkt des Gemäldes steht die weiße Unterhose des Mädchens, die unter ihrem Rock hervorblitzt. In der Werkbeschreibung gibt es einen Hinweis darauf, dass 2017 über 9.000 Menschen verlangten, dass „Thérèse rêvant“ wegen seines pädophilen Charakters im Metropolitan Museum of Art in New York abgehängt wird. Die digitale Schau wäre auch ohne das Werk ausgekommen. Bei dem Gemälde fällt der Blick eindeutig nicht zuerst auf die Katze.

An was es der Ausstellung außerdem fehlt, ist ein Bezug zu zeitgenössischer Popkultur. Immerhin sind Katzen dort fest verankert: Félix le Chat, Garfield, Sylvester („Looney Tunes“), Tom („Tom und Jerry“) oder Grumpy Cat, um nur einige Figuren zu nennen. Das Universal Museum of Art ist jedoch auf die Werke angewiesen, die Museen zur Verfügung stellen. Die Réunion des musées nationaux – Grand Palais besteht vorwiegend aus Museen zu mittelalterlicher Kunst oder französischer Kulturgeschichte.

Immerhin macht das letzte Ausstellungskapitel „Where Is the Cat?“ Spaß: Hier präsentiert das Universal Museum of Art eine Reihe Werke aus unterschiedlichen Epochen, in denen die Katze als Randmotiv auftaucht. Es sind künstlerische Wimmelbilder für alle, die Waldo längst gefunden haben.


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