Die Hitzewellen und Trockenheit minderten die Ernteerträge. Am Mittwoch zogen landwirtschaftliche Akteur*innen gemeinsam mit Ministerin Martine Hansen eine erste Bilanz.
Ein früher Start und Erträge, die geringer ausfallen: Am 26. August hat Agrarministerin Martine Hansen (CSV) zusammen mit einer Reihe landwirtschaftlicher Vertretern im Rahmen der Erntegespräche eine vorläufige Bilanz vorgestellt. Das Fazit: Die Landwirtschaft ist stark von den Hitzewellen und Rekordtemperaturen im Mai und Juni betroffen.
Wegen der Trockenschäden begann die Ernte bei Sommergetreide und Mais dieses Jahr bereits im August, statt erst Mitte September – ein „historisch früher“ Beginn. Im Juni erreichten die Temperaturen in einigen Gegenden gar über 40 Grad. Zwar sei man an heiße Tage gewöhnt, doch die anhaltenden Hitze sei ein Problem, klagte Steve Turmes von der „Lëtzebuerger Saatbaugennossenschaft“. Während das Jahr 2022 beispielsweise knapp 22 Tage mit 30 Grad vermerkte, waren es dieses Jahr 38 Tage. Hinzu kommt noch der Regenmangel und ein trockenes Frühjahr. „Allein im Juni hatten wir ein Defizit von 100 Liter Regen. Das ist extrem viel“, so Martine Hansen.
Über Zehntausende Hektar beschädigt
Beim Kartoffelanbau unterscheiden sich die Erträge dank einiger lokaler Regenschauer je nach Betrieb stark, so die landwirtschaftlichen Vertreter. Doch die Dreschkulturen sind schneller als üblich angereift, bekräftigt Steve Tumes. Fielen die Erträge des Wintergetreides im Vergleich mit dem Vorjahr geringer, aber „zufriedenstellend“ aus, weist die Sommerernte starke Ertragsausfälle auf – eine Situation, die sich wegen der europaweiten Hitzewellen, Dürren und Brände auch in anderen Ländern widerspiegelt.
Obschon dieses Jahr die Anbaufläche um ein Prozent gestiegen ist, fahren viele Betriebe niedrige Erträge ein, unter ihnen das Brotweizenunternehmen „Moulins de Kleinbettingen“. Mit rund 11.000 Tonnen sei die Ernte um rund 9 Prozent geringer als im Vorjahr, so Direktor Frédéric Baijot, der dennoch die Qualität des Mehls unterstrich: Es gebe „eine besonders frühe Ernte, die durch die Trockenheit vorverlegt wurde und die Erträge schmälert, aber ein gesundes und gleichmäßiges Korn von guter Backqualität liefert, das den Anforderungen der Mühlen- und Bäckereibranche voll und ganz entspricht“.
„Von den versicherten Kulturen und Flächen sind die größten Schäden im Getreide, zirka 5.600 Hektar, sowie im Mais mit rund 6.000 Hektar zu verzeichnen“, so die Ministerin. Auch beim Grünland werden Verluste vermerkt. Es könne zwar noch keine genaue Zahl genannt werden, doch der dritte Schnitt sei fast ganz ausgefallen. Die Tiere werden nun mit Grundfutter gefüttert, das eigentlich als Reserve für den Winter gedacht war, so die Vertreter am Mittwoch. Im Herbst steht ein vierter, letzter Schnitt an, der davon abhängen wird, wie viel Regen in den nächsten Wochen fällt. Niederschläge seien dringend nötig, sagte Martine Hansen. Dagegen habe Winterraps und -hafer kaum unter der anhaltenden Trockenheit gelitten, fasste die Ministerin zusammen. Auch die Gersteerträge sind wieder auf die Mengen von 2024 gestiegen, so die „Bauere Koperativ“, die die Hafer- und Dinkelernten „positiv“ einschätzt.
„Die Getreidepreise haben sich zwar um etwa 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbessert, dennoch ist der Getreideanbau dieses Jahr nicht wirtschaftlich“, sagte Serge Turmes, Direktor von „De Verband Group/Versis“ am Mittwoch. Schuld daran trügen auch die ungewisse Liefersituation aus der Schwarzmeerregion und die hohen Preise von Stickstoffdünger und Treibstoff. Diese sind durch den US-Iran-Krieg und der damit zusammenhängenden Schließung der Meerenge von Hormus stark in die Höhe gestiegen. „Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die politische Situation in der Ukraine und im Mittleren Osten”, so Turmes. Allerdings seien die Märkte dank gut gefüllter Lager noch gut versorgt. Von über 3.000 Millionen Tonnen im Vorjahr liegen die weltweiten Getreidebestände dieses Jahr bei knapp 2.900 Millionen Tonnen.
Laut Ministerin Hansen müsse sich „die Landwirtschaft dem Klimawandel anpassen“. Konkrete Maßnahmen, etwa in Form von neuen Zuschüssen oder Förderprogrammen zur Diversifizierung, nannte die Ministerin keine. Stattdessen ermutigte sie Landwirt*innen, „vorausschauend zu wirtschaften und Versicherungen gegen Ertragsausfälle abzuschließen“. Bis zu 65 Prozent dieser Versicherungen könne das Ministerium bezuschussen. Am 4. September soll die Bilanz der Traubenlese gezogen werden.

