Fotoausstellung: Ferne Welten

Die aktuelle Sonderausstellung im Naturmusée bietet faszinierende Einblicke in unser Sonnensystem.

Foto: Michael Benson

Ein orange-roter Feuerball, davor ein kleiner schwarzer Punkt. Das majestätische Porträt der Sonne, vor der die Venus passiert, ist das erste, was Besucher*innen in der Ausstellung „Michael Benson’s Otherworlds“ im Naturmusée sehen. Das Museum bricht mit seiner Tradition, komplett naturwissenschaftliche Ausstellungen zu zeigen und bietet diesen Winter eine Mischung aus Kunst und Wissenschaft. Grundlage der gezeigten Bilder sind Fotos, die von Sonden oder Astronaut*innen geschossen wurden und anschließend vom Künstler, Autor und Filmemacher Benson bearbeitet wurden. Die Rohdaten der Roboter, die unser Sonnensystem beobachten, hat er nachbearbeitet, über- oder nebeneinandergelegt. Das Resultat ist beeindruckend, sowohl die Weltraumaufnahmen der Himmelskörper als auch die bizarren Landschaften ihrer Oberflächen. Zu sehen sind zum Beispiel ein ungewohnt blauer Sonnenuntergang auf dem Mars, Vulkanausbrüche auf dem Jupitermond Io oder auch das faszinierende Zusammenspiel zwischen dem Ringsystem des Saturn und seinen Monden. Die Bilder sind – vor allem für Interessierte – nicht unbedingt neu, jedoch in einer ungewohnten Größe und Klarheit zu sehen.

Die Ausstellung führt vom Zentrum des Sonnensystems bis zu den äußeren Planeten und den Objekten des Kuipergürtels. Im Hintergrund ist Musik zu hören, die speziell für die Ausstellung komponiert wurde – die Stille, die im Vakuum des Weltraums herrscht, ist im Museum ohnehin nicht reproduzierbar. Neben den (vermutlich) unbewohnten Planeten, ihren Monden und einigen Asteroiden sind auch einige spektakuläre Fotos der Erde zu sehen, die zum Großteil von Astronaut*innen der internationalen Weltraumstation geschossen wurden. Unser Heimatplanet nimmt aber keine Sonderstellung ein, sondern bekommt so viel Platz wie die anderen Gestirne. Kurze, klare Texte begleiten die Bilder. Dabei achtete man im Naturmusée darauf, Vergleiche zu nehmen, die einen Luxemburg-Bezug haben, sodass man sich auch in den Tiefen des Kosmos wie zu Hause fühlt.

Etwas bedauernswert ist, dass Neptun, Uranus und Pluto – der ja zum Zwergplanet degradiert wurde – nicht sehr viel Platz in der Ausstellung bekommen haben. Das mag daran liegen, dass es von diesen Objekten wenig Bildmaterial gibt, aber das Gefühl stellt sich ein, dass dem Museum hier Raum gefehlt hat oder die Puste ausgegangen ist. Obwohl das Naturmusée über einige Räume zum Thema Astronomie verfügt, wurde auf Querverweise verzichtet, was angesichts mancher Exponate, wie einem Stück Mondgestein, ein Versäumnis darstellt.

In Zeiten des Hype um Space-Mining und die neue, private Weltraumwirtschaft, die nicht zuallererst die friedliche Erforschung des Alls zum Zweck hat, sondern kommerzielle Ziele verfolgt, nimmt Otherworlds eine spannende Gegenposition ein. Die Ausstellung präsentiert eine gewisse visuelle Fiktion, die auf wissenschaftlichen Fakten basiert und auch Informationen über das Sonnensystem bereitstellt. Und sie zeigt, dass Astronomie kein Selbstzweck für Wissenschaftler*innen im Elfenbeinturm ist, sondern uns alle bereichern kann.

Im Naturmusée, bis 6. Januar 2019.

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