FĂŒnf Fragen an: Lucie Kunakova

von | 25.09.2017

Im Vorfeld der Gemeindewahlen interviewt die woxx jede Woche eine Kandidatin. Dieses Mal haben wir Lucie Kunakova getroffen, die fĂŒr die Piratenpartei in der Stadt Luxemburg antritt.

(Foto: Oli Kerschen)

woxx: Wie sind Sie dazu gekommen, sich politisch zu engagieren? Und warum bei den Piraten?

Lucie Kunakova: Vor ungefĂ€hr vier Jahren, als meine Kinder schon etwas selbstĂ€ndiger waren, bin ich sozusagen zur Ruhe gekommen. Durch Facebook-Links von Freunden ist mir bewusst geworden, was in der Welt alles schief lĂ€uft. Ich habe mir gesagt, wenn wir darauf warten, dass jemand das zum Besseren Ă€ndert, kann das lange dauern. Also habe ich beschlossen, selber aktiv zu werden. Über eine Facebook-Bekanntschaft bin ich dann zu den Piraten-Stammtischen gekommen, damals noch in Esch. Ich hatte den Eindruck, ich könnte dort meine Ideen einbringen. Ich hatte schon zuvor bei den Chamber-Wahlen einen Teil meiner Stimmen den Piraten gegeben – damals hatte ich vor allem Frauen auf verschiedenen Listen gewĂ€hlt, um ihre PrĂ€senz in der Politik zu stĂ€rken. Von allen Parteien haben die Piraten mir am meisten zugesagt. In einer kleinen Partei wird man vielleicht eher gehört – bei anderen Parteien hatte ich den Eindruck, dass das sehr langwierig ist.

Die globalen Probleme sind Ihnen wichtig – jetzt kandidieren Sie aber lokal fĂŒr die Gemeindewahlen in der Stadt Luxemburg.

Man kann bei den kleinen Dingen anfangen und sich zu den großen durchkĂ€mpfen. Ich wohne ja in der Stadt, und manches hat mich schon immer geĂ€rgert. Zum Beispiel, dass man mit einem Kinderwagen auf dem BĂŒrgersteig nicht ĂŒberall durchkommt. Oder die Busverbindungen. Auch wenn man keine Politik macht, fragt man sich: Warum bekommen die das nicht hin, dass die AnschlĂŒsse funktionieren oder dass man nicht so oft umsteigen muss? Ein zentrales Thema ist auch das Wohnungsproblem. Die Gemeinde könnte sehr viel mehr in den sozialen Wohnungsbau investieren, sie könnte auch etwas gegen leerstehende oder als BĂŒrorĂ€ume genutzte Wohnungen tun. Der Umweltbereich ist mir auch wichtig, da hat die Stadt so manches getan. Ich wĂ€re dafĂŒr, die GemeinschaftsgĂ€rten noch weiter auszubauen und auf den GrĂŒnflĂ€chen statt Blumen auch Essbares anzupflanzen.

Sie waren auch zivilgesellschaftlich aktiv, zum Beispiel gegen TTIP. Sehen Sie Unterschiede zum parteipolitischen Engagement?

Bisher nicht, ich habe mir die Frage eigentlich nicht gestellt. Die Piraten sind auch noch ein bisschen anders. Ich wĂŒrde auch nicht sagen, ich will Politikerin werden – ich kandidiere fĂŒr ein Mandat als Volksvertreterin. Ich finde, die Politik hat sich stark von den Menschen entfernt, dem möchte ich entgegenwirken, irgendwie … (zögert) Nein, nicht „irgendwie“, dem möchte ich ganz bestimmt entgegenwirken (lacht). Ja, diese ewigen Selbstzweifel, die man eingeimpft bekommt, besonders die Frauen. Wenn man eine Frau fragt, machst du bei uns mit, kommst du auf die Wahlliste, dann sagt sie: Ich weiß nicht, ob ich mir das zutraue, und was die Leute wohl sagen … Frag einen Mann, der sagt: NatĂŒrlich, ich mach‘ das, ich kann das (lacht).

Gerade in Ihrer Partei sind die MĂ€nner eher ĂŒberreprĂ€sentiert. Wie ist das als Frau unter Piraten?

Ja, da ist man ein bisschen einsam – mehr Frauen wĂ€re toll. Aber ich bin es gewohnt, mehr mit MĂ€nnern zu tun zu haben als mit Frauen. Zum Beispiel im Aikido-Club oder in der Mittelalterszene waren auch mehr MĂ€nner. Da war ich die Prinzessin (lacht) … aber ich habe auch als Ritter gekĂ€mpft, und alle waren erstaunt, als ich den Helm abgenommen habe. Ich kann mich unter MĂ€nnern behaupten. Und manches ĂŒberhören, weil ich weiß, das ist nicht so gemeint. In meinem Ursprungsland Tschechien pflegen wir auch einen etwas herberen Humor. Aber die Jungs können sich gut benehmen.

Die Wahlkampagnen der Piraten sind je nach Gemeinde relativ unterschiedlich. Die Schwerpunkte reichen von sozialen und ökologischen Forderungen in der Hauptstadt bis zu den Interessen des Einzelhandels in Remich oder der Sicherheit in Petingen – also eher liberalen oder rechten Themen.

Ein gemeinsamer Schwerpunkt ist auf jeden Fall das Wohnungsproblem. Die Sicherheit ist natĂŒrlich auch fĂŒr uns in der Stadt Luxemburg ein Thema. Aber jede Gemeinde hat ihre spezifischen Probleme. Deshalb hat unsere Partei den einzelnen Sektionen viel Freiraum gelassen – wir sind ja nicht dafĂŒr, Dinge von oben herab zu diktieren. Die Autonomie der Sektionen ist Teil unserer Philosophie. Manchen sind wir zu liberal, das ist klar. Als rechts zu gelten, wĂ€re natĂŒrlich nicht so schön, aber davon sind wir weit entfernt.


Warten, dass andere die großen und kleinen Probleme lösen, will die 44-JĂ€hrige nicht mehr. Lucie Kunakova ist alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen und kandidiert in der Hauptstadt, einer der sechs Gemeinden, in denen die Piratenpartei antritt. Sie stammt aus Tschechien und hat seit ĂŒber zehn Jahren die luxemburgische StaatsbĂŒrgerschaft. Die Kandidatin bedauert, dass sie den Kontakt zu manchen ihrer Luxemburger Freunde verliert, wenn diese „zu AuslĂ€ndern werden“ – indem sie wegen der Wohnungsnot nach Deutschland ziehen.

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