In den USA zeigt Gesundheitsminister Kennedy, was es bedeutet, wenn Impfgegner*innen an die Macht kommen: Sie zerstören Gesundheitssystem und Forschung.

US-Präsident Trump und sein Gesundheitsminister Kennedy wollen Amerika wieder „healthly“ machen – und streichen Forschungsgelder für Impfungen. (Foto: The White House)
Anfang August strich Robert F. Kennedy Jr. beinahe eine halbe Milliarde an Forschungsgeldern für mRNA-Impfungen aus dem Budget. Wenige Monate zuvor hatte er bereits einen 600 Milliarden-Vertrag mit der Firma „Moderna“ gekündigt, die einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe entwickeln sollte. Das wirft die Forschung an Impfstoffen gegen todbringende Krankheiten um Jahre zurück. Zudem gibt es nun in den USA für gesunde Kinder und Schwangere keine Empfehlung für eine Covid-Impfung mehr. Die Kürzungen beim „Centre for Disease Control“ (CDC), das die Ausbreitung ansteckender Krankheiten verhindern soll, sorgten unterdessen schon dafür, dass wichtige Daten für die nächste saisonale Grippeimpfung fehlen. Das Gesundheitsministerium hat Kennedy längst mit Loyalist*innen durchsetzt: Impfgegner*innen und Quacksalber sitzen auf einflussreichen Posten.
Der Gesundheitsminister zweifelt seit Jahrzehnten an der Effektivität von Impfungen und verbreitet Falschaussagen dazu. Seine politische Karriere begann er als typischer „Öko“: Er bekämpfte Umweltverschmutzung, Klimawandel und die Macht der Konzerne. Doch schon bald verbreitete er Verschwörungsideologien in Zusammenhang mit Gesundheit und besonders eben zu Impfungen. Immer wieder behauptete er, diese würden Autismus auslösen – obwohl das Gegenteil längst bewiesen ist, kurbelt er nun wieder die Forschung hierzu an. Besonders die modernen mRNA-Impfstoffe sind ihm ein Dorn im Auge. Das, obwohl die Impftechnologie erwiesenermaßen Millionen Tote durch Covid-19 verhinderte und auch weiterhin verhindern wird, denn die Gefahr durch die Krankheit ist nicht gebannt. Allerdings geht Kennedys Politik vielen in seiner „Make America healthy again“-Basis noch nicht weit genug, sie wünschten sich noch härtere Rhetorik gegen die verhassten Impfstoffe.
Die Vordenker*innen der Anti-Vax-Szene wollen mit dem Zweifel, den sie sähen, finanziell profitieren.
Dabei kehrt sich der in diesen Kreisen übliche Verweis auf die medizinischen Großkonzerne, die nur finanziell von den Impfkampagnen profitieren wollten, auch gegen diese selbst: Die meisten der Vordenker*innen dieser Szene wollen mit dem Zweifel, den sie sähen, Kasse machen. Sie verkaufen Vitaminpräparate oder sogar Pillen, mit denen sich angeblich die Covid-Impfung neutralisieren lässt. Sie machen exakt das, was sie der Pharmaindustrie vorwerfen: Unwirksame, ungetestete Präparate zu überteuerten Preisen an Leichtgläubige verkaufen. Wer ihre Propaganda ungefiltert nachplappert, macht Werbung für sie. Dabei ist es selbstverständlich möglich, jene Firmen, die Impfstoffe – und andere Medikamente – entwickeln, herstellen und verkaufen, zu kritisieren. Wie in jeder Industrie ist ihr oberstes Ziel der Profit. Doch mit Verschwörungsglauben à la „die Covid-19-Pandemie ist erfunden“ oder „Impfungen machen krank“, entwickelt man keine Kritik an der kapitalistischen Logik, die einen Sektor antreibt, der allein dem Wohl der Menschen verpflichtet sein sollte – und liegt faktisch ganz einfach falsch.
Überall auf der Welt freuen sich Impfgegner*innen über Kennedy: Nicht nur, dass jetzt einer von ihnen an den Hebeln der Macht sitzt und es der Pharmaindustrie so richtig zeigen kann – ihre Meinungen werden durch einen so prominenten Fürsprecher in den öffentlichen Debatten lauter vernommen. Die Rolle der Medien wäre es, dem auf Fakten basierte Berichterstattung entgegenzuhalten und immer wieder einzuordnen, wenn Falschaussagen formuliert werden. Das erfordert Mut – vor allem, wenn sich die eigenen Abonnent*innen gegen ein Medium wenden, weil dieses vermeintlich nicht „kritisch“ genug über Impfungen berichtet.
Auch auf politischer Ebene gibt es genug zu tun: Die EU sollte die Finanzierungslücke, die die USA hinterlassen haben, füllen so gut es geht: In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, aber auch bei der Forschung an neuen Impfstoffen. Das Geld wäre dort auf jeden Fall besser angelegt als in vermeintlich fortschrittstüchtigen „KI-Fabriken“, die das Klima zerstören (Sogenannte „Künstliche Intelligenz“: Magisches Denken; woxx 1838). Mit einer findigen Argumentation könnten diese Gelder womöglich sogar als Investitionen in die nationale Sicherheit mit dem Nato-Budget verrechnet werden.

