Im Kino: Lief fir mech

von | 21.11.2025

Mit „Lief fir mech“ legt der niederländische Regisseur Mark de Cloe einen sensibel erzählten Young-Adult-Film vor, der auf einer wahren Geschichte basiert und sich zweier schwerer Themen annimmt: unheilbare Krankheit und drohende Abschiebung.

Zahra unterstützt ihre an Krebs erkrankte beste Freundin so gut sie kann. (© RinkelFilmTarantula)

22004 erklärt die niederländische Regierung Afghanistan wieder für sicher – ein Entscheid, der unter lang wartenden Asylsuchenden Panik auslöst. Auch die Familie Tarzi fürchtet die Rückkehr ins zerstörte Kabul und klammert sich an eine letzte Hoffnung: Zharas schwerkranke Freundin Arianne.

„Iedereen is van de wereld“ (luxemburgischer Titel: „Lief fir mech“) des niederländischen Regisseurs Marc de Cloe handelt von dieser Freundschaft, nur die Namen wurden geändert. De Cloe, ein Filmemacher, der seit den frühen Erfolgen seiner Kurzfilme „Lucky Strike“ und „Ralentir“ ein feines Gespür für Zwischentöne bewiesen hat, inszeniert hier mit seinem vertrauten Blick für Intimität.

Im Mittelpunkt stehen die 14-jährigen Freundinnen Arianne und Zahra. Aus der Doppelkrise heraus schreibt die krebskranke Arianne einen Brief an die Außenministerin Verdonk (im Film zu „Versluis“ umbenannt), in dem sie sich für ein Bleiberecht der afghanischen Familie einsetzt: „Ech stierwen. Kann hatt da meng Plaz huelen?“

In „Lief fir mech“, nach einem Drehbuch von Barbara Jurgens und basierend auf Judith Koorns Roman „Monument voor Maartje“, stehen nicht die Ereignisse im Vordergrund, sondern die Bindung zweier Mädchen, die sich weigern, von der komplexen Welt, in der sie leben, überwältigt zu werden. Sophie Lindner und Maryam Akbari tragen diesen Film mit einer Natürlichkeit, die berührt – und gleichzeitig die plumpen Dialoge und die flache Ausgestaltung ihrer Figuren überstrahlt.

Das verleiht dem Film eine gewisse Seifenopernqualität, die zwischen aufrichtiger Rührung und gelegentlichem Kitsch pendelt. Für ein junges Publikum dürfte das allerdings kein Nachteil sein: Der Film eröffnet einen niederschwelligen Zugang zu Themen wie politische Partizipation – Demonstrationen, Petitionen, ziviles Engagement – und behandelt komplexe Lebensumstände in einer verständlichen, emotional greifbaren Form.

Kamerafrau Josje van Erkel findet warme, klare Bilder; die Musik von André Dziezuk unterstreicht die Emotionalität. Der Ton gerät in der luxemburgischen Synchronfassung allerdings etwas hallend und könnte auf manche Zuschauer*innen irritierend wirken.

Aber immerhin: Die luxemburgische Version wartet mit bekannten Stimmen wie Sacha Ley, Tommy Schlesser, Luc Schiltz und Nicole Max auf. Und mit seinen gut bemessenen 90 Minuten findet der Film ein Tempo, das seinem Stoff gerecht wird.

So bleibt „Lief fir mech“ ein Werk, das trotz einiger Schwächen berührt – ein zugängliches Young-Adult-Drama irgendwo zwischen sozialer Realität und Melodrama.

 

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