Konzert in der Rockhal: Gefühlstiefe und glockenhelle Töne

von | 13.02.2026

„Girl In The Year Above“ touren derzeit mit „The Kooks“ durch Europa. Die Newcomer*innen haben noch kein einziges Lied veröffentlicht, doch bereits eine solide Fangemeinde um sich geschart. Zurecht, denn in ihrer Musik vermischen sich ungestüme Kraft und ätherische Zartheit. Auch da, wo die Songs in emotionale Tiefen vordringen, bleiben sie auf bezaubernde Weise federleicht.

Jennifer Ball und die anderen Mitglieder von „Girl In The Year Above“ boten dem Publikum in der Rockhal ein musikalisches Highlight. (Foto: Lucie Widloecher)

Die Stimme von Jennifer Ball, Frontfrau von „Girl In The Year Above“, bewegt sich so mühelos durch die nach oben und unten ausschwingenden Melodien wie eine wendige Tänzerin übers Parkett. Sie dünnt auch in den hohen Tonlagen nicht aus, bleibt kräftig und klar. Dadurch haftet der Musik selbst da, wo der Schmerz spürbar wird, der Liedtext sich durch Kummer dunkel einfärbt, etwas betörend Unbeschwertes an. Eine Seltenheit, die zum Beispiel bei „Wet Paint (don’t touch)“ zur Geltung kommt. Durch Tempo und Tonsprünge dynamisiert läuft das Lied auf einen klangschönen wie explosiven Höhepunkt zu, der die Gefühlsintensität des lyrisch-zarten Textes grandios transportiert.

Ein Glanzmoment unter vielen stellte seine Live-Interpretation vergangene Woche in der Rockhal dar. Mit einem halbstündigen Konzert stimmte „Girl In The Year Above“ als Opening-Act zu „The Kooks“ das Publikum auf einen Abend ein, der wechselvoll im besten Sinne war: reich an Indiemusik, die mühelos von rotziger Fröhlichkeit zu brüchig-sanfter Melancholie modulierte. Dabei schenkte die irisch-kornische Vorband, die ihre eigene Musik als „crunchy country Celtic throttle pop“ beschreibt, dem Publikum einen durchaus außergewöhnlichen Moment – ein, wie die Sängerin selbst noch einmal auf der Bühne betonte, „Nischenerlebnis“. Denn das Quintett hat bisher noch nicht einmal eine einzelne Single veröffentlicht.

Bis auf eine Liveaufnahme von „Rat Race“ sowie dem countryesken, entfernt an den Sound der schottischen Singer-Songwriterin Amy Macdonald erinnernden Stück „Mama, My Heart Achin’“ auf YouTub lässt sich überhaupt kein Song der Band im Internet finden. Abgesehen von Video-Snippets auf diversen Plattformen wie Instagram, bleibt ihre Musik konsequent offline. Eine clevere Vermarktungsstrategie? Mythos als Methode? Eher nicht. Zwar gibt Ball in einem Kurzvideo an, „Wet Paint (don’t touch)“ noch nicht veröffentlicht zu haben, weil die Band auf einen günstigen Moment wartet, doch scheint die Zurückhaltung weniger mit smarter Berechnung zu tun zu haben, als äußeren Umständen geschuldet zu sein. Über das Aufnehmen von Musik schreibt die Sängerin nämlich unter einen Instagram-Post: „Wrangling 5 people together that have full time jobs isn’t easy but it is happening.“ („Es ist nicht einfach, fünf Personen mit Vollzeitjobs zusammenzubringen, aber es klappt.“) Noch in diesem Jahr soll ihre Musik endlich gestreamt werden können, verspricht sie ihren rund 70.000 Follower*innen in demselben Text.

Das Warten lohnt sich. Denn die Musik von „Girl In The Year Above“ ist eindringlich und atmosphärisch, druckvolle und luftig-zarte Passagen wechseln sich ebenso ab wie die Gefühle, die in den mitunter poetischen Lyrics Ausdruck finden. Deren emotionale Bandbreite reicht von zermürbender Trauer zu schwebender Heiterkeit, die immer auch in die Musik selbst, in Rhythmus und Klangfolge übersetzt werden. Man kann sich also auf eines der wohl aufregendsten Debüts der Indieszene freuen – und sich in Zwischenzeit weiterhin von der Livemusik der Band verzaubern lassen.

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