In das neue Album „Nested in Tangles“ der Singer-Songwriterin Hannah Frances muss man sich erst langsam einfinden. Bei den üppig-komplexen Instrumentalpassagen kippen die Melodien immer wieder ins Dissonante, um sich kurz darauf wieder zu fangen. Ihre Gesangparts schmückt Frances mit stimmlichen Richtungswechseln und steilen Aufschwüngen so aus, dass es den Hörer*innen unmöglich ist, vorauszuahnen, wohin die Musik sie transportiert. Einmal in den Höhen angekommen, folgen nämlich wieder Abstiege, Wendungen, Brüche. Es ist ein An- und Abschwellen, ein agiles musikalisches Hakenschlagen. Leichtfüßig trippeln die Lieder zwischen unterschiedlichen Genres: Progressive Rock, Folk, Jazz und, in Ansätzen, Country. Die verdichtet-lyrischen Liedtexte, in denen sich Frances mit Liebe, Verlust und dem Bewältigen von Traumata beschäftigt, machen ihrerseits deutlich, dass sie nicht nur eine talentierte Musikerin, sondern auch eine sprachmächtige Poetin ist.
Buchtipp: Anstalten
In „Anstalten“, Timo Brandts Nachfolgeroman zu „Oder die Löwengrube“ (woxx 1838), muss die Protagonistin Lynn wieder hinabsteigen: diesmal nicht ins sinnbildliche Tiefland ihrer endenden Beziehung, sondern in eine psychiatrische Einrichtung, die in einem Tal äußerst skurrile Zeitgenoss*innen beherbergt. Im Gespräch mit diesen entfaltet sich...

