In das neue Album „Nested in Tangles“ der Singer-Songwriterin Hannah Frances muss man sich erst langsam einfinden. Bei den üppig-komplexen Instrumentalpassagen kippen die Melodien immer wieder ins Dissonante, um sich kurz darauf wieder zu fangen. Ihre Gesangparts schmückt Frances mit stimmlichen Richtungswechseln und steilen Aufschwüngen so aus, dass es den Hörer*innen unmöglich ist, vorauszuahnen, wohin die Musik sie transportiert. Einmal in den Höhen angekommen, folgen nämlich wieder Abstiege, Wendungen, Brüche. Es ist ein An- und Abschwellen, ein agiles musikalisches Hakenschlagen. Leichtfüßig trippeln die Lieder zwischen unterschiedlichen Genres: Progressive Rock, Folk, Jazz und, in Ansätzen, Country. Die verdichtet-lyrischen Liedtexte, in denen sich Frances mit Liebe, Verlust und dem Bewältigen von Traumata beschäftigt, machen ihrerseits deutlich, dass sie nicht nur eine talentierte Musikerin, sondern auch eine sprachmächtige Poetin ist.
Buchtipp: Die zweitgrößte Liebe
Henry und Michelle lernen sich kennen, verbringen unbeschwerte Tage und Nächte in Michelles Einzimmerwohnung, schwimmen im See und verlieben sich. In „Die zweitgrößte Liebe“ stellt Ruth-Maria Thomas die Frage, ob Liebe jedoch ausreicht, damit zwei Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten sich gleichberechtigt begegnen und ein...

