Naturmusée: Schräge Vogelwelt

Das Nationalmuseum für Natur-
geschichte gibt in einer eigens konzipierten Ausstellung Einblick in die Biologie, die Lebensweisen, aber auch die Bedrohungen der Vögel.

Ende Oktober machten fünf Natur- und Umweltbewegungen auf einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt in der luxemburgischen Vogelwelt aufmerksam. Unter den Organisationen, die Alarm schlugen, war auch das Nationalmuseum für Naturgeschichte (MNHN), das bis Juni 2020 die Sonderausstellung „Geckeg Vullen“ zeigt. Diese kommt also zum richtigen Zeitpunkt, denn der Rückgang der Biodiversität ist für viele Wissenschaftler*innen ein genauso schwerwiegendes Problem wie die Klimakrise. Bei den Vögeln ist er besonders spürbar, immer mehr Arten landen auf roten Listen.

Die Ausstellung beginnt jedoch am Anfang: Die Evolution der Vögel. Obwohl schon etwas länger bekannt, ist es immer noch schwer vorstellbar, dass es sich bei den Vögeln, die wir jeden Tag sehen, wie Spatzen, Tauben, Hühner, Krähen und Co., um Nachkommen der Dinosaurier handelt. Etwas leichter wird das dankenswerter dadurch, dass das Museum neben vielen Fakten auf Schautafeln auch einige Modelle gefiederter Dinosaurier zeigt. Die gefürchteten Velociraptoren wirken mit Federkleid schon beinahe putzig.

Das MNHN besitzt eine große Sammlung von präparierten Vögeln – 3.500 Exemplare von 1.300 Arten, was etwa einem Zehntel der bekannten Arten entspricht. Ausgestopfte Vögel sind überall in der Ausstellung zu sehen. Sie begleiten die Schautafeln, die etwa über die Biologie und Lebensweisen der Vögel aufklären, sodass die Besucher*innen sich gleich ein Bild der betreffenden Tiere machen können. So wirkt die Pfuhlschnepfe doch eher unscheinbar, ihr Langstreckenrekord von Alaska nach Neuseeland – 11.500 Kilometer nonstop über den Pazifik –, umso beeindruckender.

Neben ausführlichen Erklärungen über ihre speziellen anatomischen Eigenschaften wie leichter Knochenbau und Federn, die den meisten Vögeln die Fähigkeit zum Fliegen verleihen, werden auch die Lebensweisen der Tiere erklärt: Ein Raum widmet sich beispielsweise der Fortpflanzung, die bei vielen Arten mit einem sehr ausführlichen Balzverhalten der Männchen einhergeht.

Wenig bekannt ist, dass viele Vögel eine hohe Intelligenz an den Tag legen. So gibt es Papageien, die recht komplexe Aufgaben lösen können und andere Vögel, die sich genau merken können, wo sie Nüsse versteckt haben. Einige berühmte Exemplare wie etwa der Film-Rabe „Jimmy the Raven“, der in über 1.000 Filmen mitgespielt hat, werden vorgestellt. Auch die verschiedenen Rollen, die Vögel in Religion und Mythologie spielen, werden auf einem Schaubild im Comic-Stil erklärt.

Der letzte Raum widmet sich dem Zusammenspiel zwischen Menschen und Vögeln. Hühner sind jene Vogelart, die auf der Erde am häufigsten vorkommt – da wir Menschen sie ihrer Eier und ihres Fleisches wegen züchten. Einen noch stärkeren Einfluss haben wir durch Landnutzungsveränderungen und Landwirtschaft: Viele Vogelarten sterben aus. Die Ausstellung zeigt an dieser Stelle einige Vögel, die in Luxemburg bereits ausgestorben oder deren Anzahl stark zurückgegangen sind.

Insgesamt ist „Geckeg Vullen“ sehr pädagogisch aufgebaut. Mikroskope ermöglichen es etwa, sich Vogelfedern genau anzusehen, mit kurzen Spielen werden Konzepte näher erklärt und auch verschiedene Vogelstimmen ertönen per Knopfdruck. Die Ausstellung ist auf jeden Fall auch für Kinder geeignet. Ein Katalog ermöglicht es, tiefer ins Thema einzusteigen, falls die Ausstellung einer*einem doch etwas kurz vorgekommen sein sollte. Für Naturinteressierte ist „Geckeg Vullen“ auf jeden Fall ein Muss.

Bis zum 7. Juni im MNHN.

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