Organspende: Auf Herz und Nieren

von | 01.08.2025

Rund 100 Menschen warten in Luxemburg auf ein Spenderorgan: für fünf von ihnen kommt die Hilfe zu spät. Mit einem ersten Sensibilisierungstag will das CHEM in Esch über ein Thema aufklären, das oft noch tabuisiert wird.

Hornhautspenden gehören zu den häufigsten Gewebespenden in Luxemburg. (© Nastia Petruk/Unsplash)

Laut Gesetz ist jede Person, die in Luxemburg wohnt, nach ihrem Tod Organspender*in. Es gilt, wie in Frankreich und Belgien, die sogenannte Widerspruchsregelung: Wer zu Lebzeiten nicht widerspricht, dessen Organe können transplantiert werden. Doch, ganz so einfach ist es in der Praxis nicht, wie Intensivkrankenpflegerin Julia Simon im Gespräch mit der woxx erklärte. „Das Hauptziel ist es, dass sich die Menschen zu ihrer Haltung zur Organspende äußern können, egal ob sie dafür oder dagegen sind“, sagte die Ansprechpartnerin für Organ- und Gewebespenden am CHEM in Esch. Ende April waren es 55.904 Personen, die ihre Zustimmung zur Organspende aktiv erklärt hatten, und 29.812 Personen, die diese ausdrücklich abgelehnt hatten, wie im Mai aus einer parlamentarischen Antwort von Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) auf eine Anfrage von Mars di Bartolomeo (LSAP) hervorging.

Simons Aufgabe ist es, Transplantationen zu organisieren und zum Thema zu sensibilisieren, weshalb sie am heutigen Freitag auch beim ersten Sensibilisierungstag des CHEM allen Interessierten Rede und Antwort steht. Auf der Intensivstation erlebe sie häufig Situationen, in denen Verstorbenen keinen Organspendeausweis haben, dieser könne aber einen wesentlichen Schritt ihrer Arbeit erleichtern. Obwohl in Luxemburg die Widerspruchsregelung gilt, muss vor der Entnahme abgeklärt werden, ob sich der Verstorbene nicht zu Lebzeiten dagegen ausgesprochen hat. „Ein Organspendeausweis erleichtert auch die Situation der Angehörigen“, sagt Simon. Diese wüssten dann bei einer klaren Willensäußerung vonseiten des Verstorbenens über diese Frage Bescheid.

Auch die Organisation „Luxtransplant“ wird Freitag vor Ort sein und darüber aufklären, wie Transplantationen in Luxemburg ablaufen – nämlich im Grunde gar nicht. Denn seit 2009 werden auf eine Organspende angewiesene Patent*innen im Ausland behandelt, meist in Belgien. Die kritische Masse, also die Anzahl von Patient*innen, sei hierzulande zu gering, um Spezia- list*innen zu beschäftigen, so Deprez in ihrer parlamentarischen Antwort. Organ- und Gewebespenden werden in Luxemburg entnommen und durch die nationale Koordinationsstelle Luxtransplant in Zusammenarbeit mit „Eurotransplant“, die die Spenden auf europäischer Ebene organisiert, den passenden Empfänger*innen in Mitgliedsländern des Netzwerks zugewiesen. Im vergangenen Jahr wurden in Luxemburg sieben Organspenden durchgeführt, durch die 22 Empfänger*innen ein Spenderorgan erhalten konnten.

Der Patient*innenwille

„Am CHEM hatten wir bisher noch keine [Entnahmen], weil für eine Organspende ein Hirntod vorliegen muss“, erklärt Simon. Diese Patient*innen kämen eher ins CHL, wo vor einer Organentnahme zwei unabhängige Ärzt*innen den Hirntot diagnostizieren müssen. Auch der Wille der Patient*in wird mitberücksichtigt. Simon hat daran mitgewirkt, das CHEM auf Organentnahmen vorzubereiten. Beim letzten potenziell geeigneten Patienten stellte sich jedoch die Familie dagegen. „Deshalb ist die Aufklärung so wichtig. Wir wären bereit gewesen“, sagt Simon.

Neben Organspenden, die meistens Herz, Nieren, Leber und Lunge betreffen, gibt es auch die häufiger durchgeführten und trotzdem relativ unbekannten Hornhautspenden, die auch am CHEM zur Tagesordnung gehören. Allein letztes Jahr wurden hier etwa 100 Entnahmen organisiert. Hornhäute zählen nicht als Organ-, sondern als Gewebespende. Ihre Entnahme kann bei Verstorbenen erfolgen und nicht, wie bei Organentnahmen, ausschließlich bei hirntoten Personen, die jedoch noch künstlich durch Maschinen am Leben gehalten werden. Dennoch würde auch hier ein vorliegender Organspendeausweis die Organisation erleichtern. Bei Luxtransplant gibt es zusätzlich die Möglichkeit sich als Organspender*in zu registrieren, jedoch bestimmte Organe von der Spende auszuschließen. „Es ist wichtig sich diese Fragen zu stellen“, sagt Simon. Bin ich bereit, meine Organe zu spenden? Würden meine Partner*in, meine Kinder, meine Eltern ihre Organe spenden? Der Sensibilisierungtag soll Anlass und Rahmen dazu bieten.

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