Soziale Netzwerke: Der X-odus

von | 29.01.2026

Letzte Woche hatten noch 14 Luxemburger Abgeordnete einen Account auf Elon Musks Plattform „X“. Nachfragen der woxx haben diese Zahl auf neun gesenkt.

Twitter war einmal: Mittlerweile verlassen sogar Politiker*innen das einst heißgeliebte soziale Netzwerk, das auf „X“ umgetauft wurde. (Foto: Solen Feyissa, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia CommonsFoto: Solen Feyissa, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Vor wenigen Jahren war der Kurznachrichtendienst „Twitter“ noch eine Art virtueller Marktplatz, auf dem sich Politiker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen austauschten. Nach der Übernahme durch den rechten Milliardär Elon Musk änderte sich dies schlagartig: Viele verließen die Plattform, die in „X“ umgetauft wurde, aus Protest gegen die Politik des neuen Besitzers, Alternativen wie das Fediverse, „Bluesky“ oder auch Metas Plattform „Threads“ wuchsen. Doch nicht wenige Politiker*innen und Institutionen blieben auch, was eine Reihe Journalist*innen dazu bewegte, weiterhin einen Account auf X zu betreiben. Musk profitiert davon, denn so behält sein Dienst Relevanz.

Mit der sogenannten KI „Grok“, deren Output immer wieder wegen rassistischen und antisemitischen Aussagen für Schlagzeilen sorgt, führte X einen weiteren Grund für das Verlassen der Plattform ein. In den letzten Wochen wurde bekannt, dass Musks KI zunehmend dafür benutzt wurde, sexualisierte Bilder von fremden Personen, auch Kindern, zu generieren. Die EU-Kommission leitete daraufhin eine weitere Untersuchung gegen den Dienst ein – X steht bereits seit Dezember 2023 unter Beobachtung.

An dieser Stelle müssen wir eine kleine Korrektur am Editorial der letzten woxx vornehmen: Recherchen ergaben, dass 14 der 60 Abgeordneten der Chamber noch einen Account auf Elon Musks Plattform haben. Im Text stand jedoch irrtümlicherweise, es handele sich lediglich um zwölf. Die allermeisten Accounts wirkten unbenutzt: Entweder war überhaupt kein Inhalt mehr zu sehen oder seit den letzten Posts waren Monate, wenn nicht Jahre, vergangen. Zwei Abgeordnete nutzen die Plattform noch sehr aktiv: Sven Clement (Piratepartei) und Fred Keup (ADR). Die woxx hakte bei allen vierzehn Abgeordneten nach und fragte, warum sie noch einen Account haben.

Die woxx fragt, Abgeordnete gehen

Neun von ihnen antworteten, die meisten innerhalb weniger Stunden. Viele waren sich eigenen Aussagen nach nicht bewusst, noch einen Account zu haben. Fünf gaben überdies an, diesen nun zu löschen. Andere hatten schlicht keinen Zugriff mehr drauf. Marc Goergen (Piratepartei) erklärte, die Plattform sei die einzige Möglichkeit zur Koordination mit anderen Piratenparteien, an einer Alternativlösung werde derzeit noch gearbeitet. Er mache außerdem einen Unterschied zwischen X und Grok.

Franz Fayot (LSAP) teilte mit, er sei seit einem Jahr nicht mehr viel auf X aktiv, „nur gelegentlich, um auf Tweets von Elon Musk oder Republikanern zu reagieren“. Sich von X abzumelden sei „bisher keine Priorität“ gewesen, es sei aber „wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit“, bis dies passiere. Er betonte auch, man müsse im Hinterkopf behalten, dass „die ganze Luxemburger Regierung“ und EU-Institutionen weiterhin auf dem sozialen Netzwerk aktiv seien – ein Bild jener kollektiven Trägheit also, die dazu geführt hat, dass X trotz Einbindung eines pädopornografischen Bildgenerators immer noch eine gewisse Relevanz hat. Von den zwei aktivsten „X“-Nutzern Clement und Keup erhielten wir keine Antwort – womöglich war es ein Fehler, sie per E-Mail und nicht auf dem sozialen Netzwerk anzuschreiben.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

Le personnel médical, une cible militaire

En 2025, 1.981 personnes ont trouvé la mort dans 1.348 attaques contre des installations médicales dans des conflits. Un niveau record et un doublement du nombre de victimes par rapport à 2024, s’alarme Médecins sans frontières (MSF), sur la base de chiffres de l’Organisation mondiale de la santé. Le Soudan est le pays le plus touché, avec...

NEWS

Petition: Schutz für Fahrradfahrer*innen

Seit dem 15. Januar ist auf der Website des Parlaments eine Petition online, die einen besseren juristischen Schutz für Fahrradfahrer*innen fordert. Konkret geht es darum, die Beweislast bei Unfällen im Straßenverkehr umzukehren. Die Fahrer*innen motorisierter Fahrzeuge sollen bei einem Unfall mit schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen ihre...

ËMWELTNEWS

Schneewittchen-Äpfel gefällig?

Eine europaweite Analyse der NGO „Pan Europe“ hat Pestizidrückstände in 93 Prozent der getesteten Äpfel gefunden. Insgesamt wurden 59 Proben aus 13 Ländern entnommen, darunter auch von drei Äpfel aus konventionellem Anbau in Luxemburg. Die Mehrheit enthielt dabei Rückstände mehrerer Pflanzenschutzmittel. Hier ist das Großherzogtum laut dem am...