Vier Pionierinnen der Luxemburger Kunst: Künstlerinnen im Zeitgeist der Neunziger

Die Ausstellung „Les pionnières. Luxembourg, les années ’90 : Portraits de femmes” in der Abtei Neumünster zeigt die Werke von vier luxemburgischen Künstlerinnen. Die Arbeiten von Marie-Paule Feiereisen, Carine Kraus, Patricia Lippert und Flora Mar spiegeln auf unterschiedliche Art und Weise den damaligen Zeitgeist.

Flora Mars Überlagerungen stehen für Szenen aus dem Eheleben (© Gudrum Beschet)

Zurzeit laufen in Luxemburg-Stadt zwei Ausstellungen, die ausschließlich Werke von Künstlerinnen zeigen. Neben der kleineren Ausstellung „Women Only“ in der zentral gelegenen Kunstgalerie Mob-Art Studio, die verschiedene künstlerische Arbeiten von neun Künstlerinnen aus dem In- und Ausland präsentiert, gibt es in der Abtei Neumünster eine Schau, die sich vier luxemburgischen Künstlerinnen widmet. Genauer gesagt, vorrangig ihrer Kunst der 1990er-Jahre.

Die ausgewählten Pionierinnen sind nicht die ersten oder einzigen Vertreterinnen der modernen luxemburgischen Kunst zu der Zeit, aber sie zählen bis heute zu den bekanntesten. Nicht zuletzt, weil zwei von ihnen Luxemburg bereits auf der Biennale von Venedig vertreten haben. Das Jahrzehnt in dem Luxemburg-Stadt das ertse Mal Kulturhauptstadt war, ist laut Kurator Alex Reding ebenfalls jenes, indem Künstlerinnen erstmalig eine Gleichstellung mit Männern in der hiesigen Kunstwelt errangen.

Die ausgestellten Arbeiten von Marie-Paule Feiereisen beschränken sich auf ihre Malerei der frühen Neunziger. Ihre großformatigen Leinwände zeigen Abstraktionen, oft monochrom und mit wiederkehrenden Elementen – die Fortsetzung eines Dialogs mit sich selbst, den sie bereits 1990 im Luxemburger Pavillon in Venedig begann. Carine Kraus’ Malerei dagegen, widmen sich dem Figurativen. Die gezeigte Werksreihe entstand 2007 anlässlich einer Residenz im Dance Palace aus einem choreographischen Projekt heraus. In vereinfachter Darstellung, hält sie die erlebten Augenblicke auf Leinwand fest. Oft gehen ihre Gemälde von Fotografien aus, von denen sie sich Farbschicht für Farbschicht weiter entfernt.

Patricia Lipperts Balanceakt, 1987 (© Patricia Lippert)

Patricia Lipperts Vorstoß in die Kunstwelt der späten 1980er und 1990er ist um einiges expressiver. Ihre Einordnung als Pionierin, erzählte die Künstlerin bei der Vernissage, liege auch an ihrem Engagement gegen das längst überholte Kunstverständnis des Kulturministeriums zu der Zeit, welches ihr gemeinsam mit Moritz Ney 1988 die Teilnahme an der Biennale von Venedig einbrachte, bei der Luxemburg bis dahin seit Jahrzehnten nicht mehr vertreten gewesen war. In ihrer ersten Einzelausstellung verarbeitete sie Eindrücke, die sie in der Abtei sammelte als diese noch als Freiheitsentzugsanstalt diente. Ihre nun dort gezeigten Malereien sind düster, wirr und dynamisch bis ironisch. Den Zeitgeist befühlt sie mit „Schnittmuster für den genähten Mann“, einem phallischen „Pflug“ oder dem „Wagenlenker“. Insgesamt ein hervorragender Balanceakt ihrer künstlerischen Arbeiten der Zeit.

Flora Mar ermöglicht in „scènes de la vie conjugale, Eros et Thanatos“ einen Dialog zwischen zwei unterschiedlichen Welten. Auf die technischen Studienzeichnungen eines Luxemburger Ingenieurs die um 1900 entstanden, druckt sie in Fotogravur unterschiedliche rätselhafte Motive wie Absatzschuhe oder Schlangenhaut. Daneben steht eine überlebensgroße skulpturale Reproduktion des Körpers einer Barbiepuppe. Die Proportionen der kopflosen weiblichen Gestalt wirken alles andere als lebensfähig. Besonders schön und geistreich sind die Serigraphien von gedeckten Tischen, die Mar direkt auf Tischdecken aus Wachs gedruckt hat und die zusammen mit der Tischplatte an der Wand hängen. Diese verschiedenen Konstellationen eines Tischgedecks für zwei beschreiben eine „Love Story“ wie der Titel verrät.

Der unvollständige aber interessante Einblick in die Luxemburger Kunstgeschichte, die sich nicht auf die 1990er-Jahre beschränkt, ist eine Initiative des Kulturzentrums Neimënster sowie der a.s.b.l. Artcontemporain.lu, welche erst letzte Woche als neues Projekt der Galeristen Alex Reding und Hans Fellner ins Leben gerufen wurde. Leider erweckt der Titel den Eindruck moderne Kunst – und vor allem Künstlerinnen – hätte es vor den 1990ern in Luxemburg nicht gegeben. Ein ausführlicherer Begleittext hätte die Ausstellung zudem abgerundet.

„Les pionnières. Luxembourg, les années ’90 : Portraits de femmes“. Neimënster, bis zum 20. September.
„Women Only“. Mob-Art Studio (Galerie Beaumont, 56, Grand Rue), bis zum 12. September.

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