Vor Ort im Hambacher Forst

Seit Ende vergangener Woche wird der von Umweltaktivisten*innen besetzte Hambacher Forst bei Aachen von der Polizei und dem Sicherheitsdienst des Energieriesen REW geräumt. Auch das letzte Stückchen eines einst stattlichen Waldes soll dem Braunkohle-Tagebau weichen.

Vorerst sind wohl erst einmal die Tage der Baumhäuser im Hambacher Forst gezählt: Seit Donnerstag vergangener Woche wird das dortige Protestcamp gegen den Abbau und die Verstromung von Braunkohle von der Polizei geräumt. (Foto: Knut Henkel)

Seit Donnerstag vergangener Woche wird das Waldstück im Hambacher Forst polizeilich geräumt, das Umweltaktivist*innen in den vergangenen Jahren besetzt gehalten haben. Sie wollen damit ein Zeichen setzen: gegen den Abbau und die Verstromung von Braunkohle, die hier seit 1978 abgebaut wird und den Hambacher Forst von einst über 4.000 Hektar auf eine vergleichsweise mickrige Fläche hat schrumpfen lassen. „Hier ist ein Kristallisationspunkt. Hier wird der Klimawandel gemacht, hier muss man aktiv werden“, sagt Aktivist „Clumsy“, der die vergangenen sechseinhalb Jahre über in dem Wald gelebt hat, von dem nun noch knapp 300 Hektar übrig sind. Knut Henkel war für uns in der vergangenen Woche vor Ort und hat unter anderem mit Clumsy gesprochen, bevor dessen Baumhaus am Freitag von der Polizei zerstört worden ist.

Normalerweise ist Knut Henkel den woxx-Leser*innen eher für seine Reportagen und Berichte aus Lateinamerika bekannt. Doch Henkel weiß um den globalen Zusammenhang, der das rheinische Revier mit seinem sonstigen journalistischen Einsatzgebiet verbindet: Nirgendwo anders in Europa steigt so viel Treibhausgas auf wie aus den vom Energiekonzern RWE betriebenen Kraftwerken zwischen Köln und Aachen. Die Auswirkungen zeigen sich etwa in Mittelamerika und der Karibik: Regenmassen, die Erdrutsche auslösen, häufen sich ebenso wie Überflutungen, die die Häuser der Ärmsten wegspülen. In Peru und Bolivien schmelzen hingegen die Gletscher ab und stellen die Menschen vor vollkommen neue Probleme, während in Afrika die Zahl der Dürren zunimmt.

Für den 14. Oktober wird ein Spruch des Oberlandesgerichts in Münster erwartet, ob der Hambacher Forst aufgrund der dort lebenden seltenen Fledermausarten als potenzielles Schutzgebiet zu betrachten sei und deshalb keine weiteren Rodungen vorgenommen werden dürfen. Zumindest bis dahin wird weiter geräumt – und protestiert: Am vergangenen Sonntag haben mehrere Tausend Menschen gegen die Zerstörung der Baumhäuser und die geplante Rodung im Hambacher Forst demonstriert.

Aktuelle Informationen zu den Entwicklungen im Hambacher Forst liefert der Live-Ticker des Internetportals für den Erhalt des Hambacher Forst.

Den Bericht von Knut Henkel aus dem Hambacher Forst lesen Sie am kommenden Freitag in der Printausgabe der woxx.

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