Waldbesetzung: Bobësch bleibt – aber wie lange?

Nun hat auch Luxemburg eine Waldbesetzung. Im Bobësch zwischen Sanem und Käerjeng sind Aktivist*innen eingezogen, um gegen die geplante Umgehungsstraße zu protestieren.

Durch die Besetzung soll der Bau der Umgehungsstraße verhindert werden. (Fotos: Bobibleift)

Eine Gruppe von Aktivist*innen hat den Bobësch besetzt. Im schmalen Waldstück zwischen Sanem und Käerjeng hängen Transparente und Holzplattformen, auch Zelte sind zu sehen. Die Besetzer*innen fordern, dass die Pläne für den „Käerjenger Contournement“ aufgegeben werden. Wie bei ähnlichen Besetzungen, etwa im Hambacher Forst, geht es nicht nur um ein paar Bäume, sondern um das große Ganze. So fordern die Waldschützer*innen auch den Schutz aller Wälder in Luxemburg und „effiziente, konsistente und schnelle“ Maßnahmen im Kampf gegen die Klimakrise.

Widerstand gegen die geplante Umgehungsstraße zwischen Sanem und Käerjeng gibt es schon lange. Die Biergerinitiative Gemeng Suessem (Bigs), aber auch die Umweltschutzorganisationen Natur & Ëmwelt, die Regionale Süd des Mouvement écologique und Youth for Climate hatten sich in der Vergangenheit gegen den Bau der Straße ausgesprochen. Im April 2021 ist die Bigs gegen den Straßenbau vor Gericht gezogen. Die Gemeinde Käerjeng beantragte damals, als „partie intervenante“ in das Verfahren aufgenommen zu werden.

Im nationalen Mobilitätsplan (PNM 2035) ist die Umgehungsstraße als „Contournement de proximité“ aufgeführt. Diese neue Art der „Nah-Umgehungsstraße“ soll von Verkehrsberuhigungen innerhalb der Ortschaften flankiert werden. Ob und wie diese realisiert werden, wird allerdings erst später „mit den Gemeinden gemeinsam“ geplant werden, wie Verkehrsminister François Bausch (Déi Gréng) im Juni in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage zum Status der Straße verriet.

Obwohl das Projekt einige Änderungen durchlaufen hat, sieht Bausch keinen Grund zu mehr Bürger*innenbeteiligung: Dies sei „weder sinnvoll noch notwendig“. In der Antwort auf die Fragen von Simone Asselborn-Bintz (LSAP) versprach der Minister, dass es „global zu Verbesserungen“ kommen werde. Damit meinte er wohl die Änderungen zwischen ursprünglichem Projekt und dem „Contournement de proximité“-Konzept.

Mehr Bürger*innenbeteiligung „weder sinnvoll noch notwendig“

Bäume sollen im Bobësch und im angrenzenden Zämerbësch jedoch dennoch gefällt werden. Wie viel von dem Wald, der zum Teil in einer geschützten Natura-2000-Zone liegt, dann noch steht und langfristig überleben kann, ist unklar. Die schmalen Waldstücke könnten zu „dünnen Waldstreifen“ werden, die empfindlich für Hitze und Sonneneinstrahlung sind, so die intergenerationelle Gruppe von Aktivist*innen im Bobësch.

Am Mittwochmorgen bekamen die Besetzer*innen eigenen Angaben zufolge Besuch von der Naturverwaltung. „Laut ihr sind wir im Konflikt mit dem Gesetz: Eine Besetzung des Waldes beschädigt Bäume und wir sollten den Wald so schnell wie möglich verlassen. Viel schädlicher für den Wald als eine Besetzung, ist allerdings die Umgehungsstraße! Für die soll ein Großteil des Waldes zerstört werden. Wir halten an unserer Ansicht fest und bleiben im Wald“, sagten die Aktivist*innen der woxx. Am Donnerstagmorgen stellte das Umweltministerium in einer Pressemitteilung klar, dass keine Gesetzesverstöße vorlägen. Die Aktion soll jedoch grundsätzlich eine „zeitlich begrenzte Warnbesetzung“ sein: „Wir bleiben nicht für immer, aber wenn jemand einen Finger an den Wald legt, sind wir wieder da!“

Vom 28. bis 31. Juli findet in Sanem das „Camping for Future“ statt, organisiert von Youth for Climate, Natur & Ëmwelt, Mouvement écologique und Bigs. An diesen Tagen werden Workshops und kulturelle Aktivitäten angeboten.

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