Vom Massenphänomen zum Kunstereignis: Le Sport dans l’art d’aujourd’hui

von | 23.08.2002

(sk) – Der Sport als gesellschaftliches Phänomen ist spätestens im 20. Jahrhundert zu einem Politikum geworden. Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele und Fußballweltmeisterschaften wurden schon früh von politischen Machthabern instrumentalisiert: Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin dienten nicht zuletzt als Propagandaveranstaltung der Nazis, die Fußball-WM 1978 als machtstabilisierendes Element für die argentinische Militärdiktatur. Sogar Kriege wurden mit ihnen geführt: Bei den Boykottmaßnahmen der USA (1980) und der Sojwetunion (1984) war es „nur“ ein Kalter Krieg, beim „Fußballkrieg“ zwischen El Salvador und Honduras (1969) ein echter. Und als 1972 in München 13 israelische Olympioniken ermordet wurden, hatte Olympia längst ihre Unschuld verloren.

Immer wieder hat sich auch die Kunst des Sports angenommen. Einige Beispiele sind bei der Ausstellung „Le Sport dans l’art d’aujourd’hui“ in der Galerie „Am Tunnel“ zu sehen, unter anderem Roy Lichtensteins und David Hockneys Plakate zu Olympia 1984 in Los Angeles. Einen Schwerpunkt der rund 150 Werke bildet der Sport als Massenphänomen, seine mediale Wirkung, aber auch seine Ohnmacht gegenüber der Politik. Herausragend ist hier vor allem die anonyme „Hommage an Sarajevo“: Die ehemalige Olympiastadt zerfällt in Stücke.

Bei der Darstellung von Bewegungsabläufen der SportlererInnen, stieß die bildende Kunst oftmals an ihre Grenzen. „Am Tunnel“ ist zu sehen, wie diese mittels Doppelungen, Bildabfolgen und Collagen überwunden werden können. Weniger in der Malerei als in der Fotografie (und im Film) fand der Sport seine eigentliche künstlerische Sprache: Albert Watsons Foto von Mike Tysons schweißgebadetem Nacken oder Arthur Thills Bild eines brennenden Formel-1-Wagens sind markante Exemplare.

Einen Katalog gibt es leider zu der insgesamt gelungenen Ausstellung nicht. Und mangels genauer Beschreibungen zu Material und Herkunft der einzelnen Künstler fühlt sich der Besucher oft allein gelassen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. September.

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