KARIKATUR: Waffe der Wehrlosen

Lachen über den Faschismus? Die Ausstellung „Spott dem Naziregime – Le régime nazi tourné en dérision“ zeigt den Nationalsozialismus in Luxemburg durch die Brille von Karikaturisten.

„Gerade unsere Jugend soll begreifen, welch verhängnisvollen Einfluss das Nazi-Regime auf das Denken, Fühlen und Handeln der Kriegsgenerationen auszuüben versuchte und wie und weshalb es dabei scheiterte.“ Karikaturen als Spiegel der „braunen Diktatur“ darzustellen, darum geht es Robert Krantz, dem Autor des Bandes „Die politische Satire gegen das Naziregime“. Hier wird also kühn behauptet, die Nazis hätten mit ihren Indoktrinierungsversuchen keinen Erfolg gehabt. Dabei ist ihr Einfluss etwa auf die spätere Entwicklung von Antisemitismus oder Rassismus in Luxemburg jedoch kaum erforscht. Die Idee, Jugendliche über den Umweg der Karikatur an das Thema Nationalsozialismus heranzuführen, ist aber sicherlich nicht abwegig. Die zweisprachige Ausstellung, die das Nationale Resistenzmuseum auf Basis der Zusammenstellung von Krantz ausgearbeitet hat, verfolgt ebenfalls diesen Anspruch.

Das Kapitel der Vorkriegszeit wird mit den Werken von Albert Simon, damals attitriertem Zeichner des „Tageblatt“ abgedeckt. Sehr früh schon setzte sich Simon offensiv mit den Gefahren des Nationalsozialismus auseinander. Seine „Warnungen“ galten vor allem der nationalen Bedrohung Luxemburgs: Themen wie politische Verfolgung oder Arisierung wurden selten behandelt. Erstaunlich häufig wurde auch der konservative Außenminister Joseph Bech als Beschützer des Landes dargestellt. Wieso? Auf solche Fragen liefert die Ausstellung wenig Antworten, so wie auch zu Simons Aktivität in anderen Blättern oder der Präsenz von satirischen Zeitschriften wie „De Mitock“ in der Vorkriegszeit.

Im zweiten Teil zur Rolle der Karikatur in der Besatzungszeit konzentriert sich die Ausstellung auf die Veröffentlichungen der Widerstandsgruppe Alweraje, die häufig Karikaturen einsetzte. Handelt es sich um Originale oder um Motive aus der ausländischen Resistenz, die übernommen und textlich angepasst wurden? Auffallend erscheint hier jedenfalls der Wechsel zur französischen Sprache (während die Begleittexte bei Simons Karikaturen noch größtenteils auf Deutsch, häufig auch Luxemburgisch erschienen). Als „Waffe der Wehrlosen“ bezeichnet Krantz den zu dieser Zeit ebenfalls beliebten Flüsterwitz. Das gilt sicherlich auch für die Karikatur, die auf Flugblättern und Handzetteln eingesetzt wurde. Durch die Darstellungen dieser Zeit schimmert die Machtlosigkeit der Luxemburger Resistenz, die wenig Mittel zu wirkungsstarkem Widerstand besaß. Nach der Befreiung schließlich wird die Karikatur von Schadenfreude und Verachtung dominiert. Auch zu diesem Zeitpunkt bleiben die Darstellungen oberflächlich und eher unpolitisch. Das Leben im KZ etwa bleibt ausgeblendet. Hier hätte ein Vergleich mit der Rolle der Karikatur in anderen besetzten Ländern interessant sein können.

Den internationalen Kontext liefert dafür der Exkurs über die Affäre Raoul Cabrol. Die Hitler-Karikatur des französischen Karikaturisten war in vielen internationalen Zeitungen, und auch im „Tageblatt“ abgedruckt worden. Die Ausstellung schildert, wie der deutsche Gesandte von Radowitz die Zeitung – über den Umweg des Luxemburger Außen- bzw. Justizministeriums – unter Druck setzte. Es kam zu einem Presseprozess, der internationale Aufmerksamkeit erhielt. Vielleicht ein Grund, weshalb der deutschen Seite dann an einer „gütlichen“ Einigung gelegen war. Auch das „Tageblatt“ schien aber, entgegen späteren Darstellungen, eine außergerichtliche Regelung schließlich vorzuziehen. Unter anderem zu diesem interessanten Kapitel liefert ein Artikel von Paul Lesch im Band von Krantz interessante Einblicke.

Noch bis zum 5. September im Musée national de la Résistance in Esch.


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