Mit Pauken und Trompeten

von | 10.01.2008

(cw) – Auch wenn der Titel der neuen CD von Beirut „The Flying Club Cub“ ein Zungenbrecher ist, so bleibt die Musik doch sehr eingänglich: Ein ethnomusikalisches Zusammenspiel von Bläsern, Akkordeon, Cello, Schellenkranz, Ukulele, Gitarren sowie der sanften Stimme des jungen Sängers Zach Condon. Wie aus einer anderen Zeit wirken das emotional-melancholische Auf und Ab und die teils im Walzertakt dahertänzelnden Kompositionen, die sich aus einer Vielzahl unterschiedlichster europäischer Musikstile zusammensetzen. Schon mit seiner Debütplatte „Gulak Orkestar“ hatte Beirut, die Ein-Mann-Band von Condon, für Furore gesorgt. Setzte er sich hier noch mit Balkan-Folk auseinander, so ist sein zweites Album „Flying Club“ eine Hommage an Frankreichs Kultur. Im Beiheft zum Album lässt er die verwelkte französische Geschichte wieder aufleben: Auf sepiafarbenen historischen Aufnahmen sind Frauen in Charleston-Kleidern und die Herren im Kolonial-Outfit abgebildet. Auch wenn das „typisch“ französische auf der Platte letztlich nur momenthaft durchschimmert, setzt doch jeder Song Akzente, indem einzelne Instrumente heraus gearbeitet wurden: Etwa das von Perkussion und Klavier strukturierte „In The Mausoleum“, die Pianoballade „Un Dernier Verre (Pour La Route)“ oder das wunderbare „Nantes“, in dem der Gesang Zach Condons zunehmend von einer Rhythmustruppe übertönt wird. Insgesamt ein schönes Album – pittoresk und mit großartigem Songwriting.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Buchtipp: Wenn die Welt brennt

Fiona Sironics Debütroman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ ist in einer Zukunft angesiedelt, die unserer Gegenwart vielleicht näher ist, als wir es wahrhaben wollen.

KULTURTIPP

Expotipp: Theatre of Cruelty

Das monotone, disharmonische Klaviergeklimper im Treppenaufgang zu den Ausstellungsräumen signalisiert den Besucher*innen bereits: Das hier wird unangenehm. Der durch dunkle Vorhänge abgetrennte Hauptsaal führt in die Welt der Grausamkeit des französischen Künstlers Antonin Artaud (1896–1948), der in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine...

KULTURTIPP

Buchtipp: Reden für die Menschlichkeit

„Die Rede ist ein performatives Genre mit dem Charakter einer Produktwerbung, aber für eine Idee“, schreibt Saša Stanišić im Vorwort seiner Redensammlung „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“. Ziel der Rede sei es, das Publikum dazu zu bringen, diese Idee in die Welt hinauszutragen. Gleich die erste der...

KINOKULTURTIPP

Im Kino: The Chronology of Water

Kristen Stewart gibt mit „The Chronology of Water“ ein kompromissloses Regiedebüt. Die Adaption von Lidia Yuknavitchs Memoiren überzeugt jedoch weniger durch formale Konsequenz als durch die intensive Präsenz von Hauptdarstellerin Imogen Poots. Mit „The Chronology of Water“ legt Kristen Stewart ihr Regiedebüt vor – und zwar keines, das sich...