Kulturkadaver

+++ Wer kennt sie nicht, die Einleitungsmusik zur belgischen Fernsehsendung „Strip Tease – l’émission qui déshabille la société“ – jener Kultsendung bei der der Normalbürger sich mit seinen Widersprüchen und Schwächen oder skurrilen Leidenschaften entblößt? Kein Wunder, dass diese kleine Melodie von den Luxemburger Hip-Hoppern „De Läb“ aufgegriffen und in ihrem famosen „De Läbdance“ auch an diesem verregneten und etwas kühlen Samstagabend auf der Fête de la musique in Düdelingen für gute Laune sorgte. Es war denn auch vor allem die kleine Bühne „Why not Stage“ in der Avenue Charlotte bei der eine etwas andere Musik zu hören war. Vor allem einheimische Bands der Independent-Szene traten hier auf: Neben „De Läb“ mit fetten Beats und ironischem Sprechgesang, waren die an 80er Jahre Synthie-Musik erinnernde Musikgruppe „Hal Flavin“ präsent sowie die Mathcoreband „Mutiny On The Bounty“ – um nur einige zu nennen. Etwas mehr Folkmusik und konventionellen Rock gab es vor dem Düdelinger Rathaus. So waren neben der fiedelnden belgischen Gruppe „Yew“ alte Rockhasen zu hören wie die US-amerikanische Band „The Hooters“, bekannt für ihren Song „Johnny B“. Neben Bühnen auf denen DJs vor allem Techno auflegten, traten auch dieses Jahr junge und unerfahrene Musiker auf – so dass letztlich für jeden Geschmack etwas dabei war. Außerdem war für das leibliche Wohl gesorgt, neben Ständen mit Grillklassikern nutzten die lokalen Asiarestaurants die Gunst der Stunde, ihr Essen zu verkaufen. Schade nur, dass es bei dieser großen Veranstaltung noch immer kein adäquates Getränkepfandsystem gibt, und der Ausschank immer noch in Plastikbechern stattfindet, die dann doch einfach weggeworfen werden. Zum 18. Mal fand dieses Jahr die Düdelinger „Fête de la Musique“ statt – das älteste Fest dieser Art in Luxemburg überhaupt. Einziges B-Moll: Es standen keine Frauen- oder Frauengruppen auf den Bühnen. Und: Das „Fête de la musique“ hat sich von seiner ursprünglichen Idee des „Faites de la musique !“ bei der es darum ging, AmateurmusikerInnen und Professionelle ohne Gage in den Straßen und Cafés Musik spielen zu lassen zu einem institutionalisierten und mittlerweile mit Honorar bedachten Event verwandelt.
+++Etwas weniger populär ging es leider am vorvergangenen Sonntag beim Ladyfest in der Escher Kulturfabrik zu. Trotz exzellenter Programmation – neben den SchweizerInnen „Les Reines Prochaines“, trat auch die Frauenkultband „Chicks on Speed“, sowie die belgische Sängerin Chloé du Trèfle auf – fanden nur wenige den Weg in den stillgelegten Schlachthof. Ob es nun an männlichen Kastrationsängsten lag oder an einem generellen Desinteresse für das Thema Feminismus – wer sich auch nur ein bisschen in der Szene auskennt musste feststellen, dass außer den „usual suspects“, die wohl auch ohne das Rahmenprogramm gekommen wären, nicht viele InteressentInnen präsent waren. Zum Glück galt dies aber nur für den allgemeinen Teil des Ladyfest: Die Workshops, Performances und Expos, die sich am Freitag und am Samstag abspielten erfreuten sich großer Beliebtheit bei den Teilnehmerinnen. Bleibt die Frage, die sich auch einige der Organisatorinnen stellten, ob ein spezielles Fest für Frauen überhaupt noch Sinn macht, denn der Gleichstellungsgedanke an sich ist mittlerweile schon in den Köpfen vieler angekommen. Oder wie es ein Kommitteemitglied ausdrückte: „Das Ganze mutet schlussendlich wie eine Art Paralympics für Frauen an. Ich frage mich ernsthaft, ob wir mit solchen Veranstaltungen nicht das Gegenteil von dem erreichen was wir eigentlich wollen“. In Zeiten der populärsten Frauenfußball-WM aller Zeiten ist dies eine berechtigte Frage, die sicherlich noch für viele Diskussionen sorgen wird. Vielleicht auf dem nächsten Ladyfest?


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